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CRISTINa LUCAS

Global Edges

Eröffnung, 01. Dez. 2016, 19:00 Uhr
2. Dez. 16 – 30. Apr. 17

Presseinformation vom: 
01.12.2016
Datum: 
02.12.2016 - 30.04.2017

 

Radikal und kritisch stellt Cristina Lucas Fragen zu unserer heutigen Lebensrealität. In ihrer intensiven und zugleich hoch ästhetischen Auseinandersetzung mit der Welt in Zeiten der Globalisierung verweist sie auf die gesellschaftliche Verantwortung der Kunst, nicht nur zu verführen, sondern auch auf ihre Rolle als Mittel der Emanzipation und Aufklärung. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit kulturellen, sozialen und politischen Machtstrukturen auseinander, vermag es jedoch, ihre offene Kritik mit einem mitunter spielerischen Ansatz zu verbinden. Cristina Lucas geht es nicht um fertige Antworten, sondern die richtigen Fragen und den Anstoß dazu.

Historische Referenzen verknüpft sie geschickt mit Befunden der Gegenwart. In ihrer Version von Eugène Delacroix‘s „Die Freiheit führt das Volk“ fällt die Symbolfigur der Freiheit den ihr folgenden Revolutionären zum Opfer. Damit wird ein beinahe 200 Jahre altes Bild zum tagesaktuellen Kommentar einer fragiler werdenden Demokratie. Den unmittelbaren Bezug zur Gegenwart schafft Cristina Lucas auch mit einer beeindruckenden filmischen Kartografie aller Luftangriffe mit zivilen Opfern, die sie weltweit penibel recherchiert und eigens für das OK fertig gestellt hat.

Cristina Lucas will wissen, was hinter den Machtstrukturen steckt: Globale Fragen, wie etwa die Mechanismen der Ökonomie sind Thema ihrer multimedialen Arbeiten und der damit verbundenen akribischen Recherche, die immer die globalen Dimension im Auge hat und tief in der Geschichte gräbt. Wie heißt Geld oder Geschlecht auf der ganzen Welt umgangssprachlich? Wie konnte das Gold als Stabilitätsfaktor durch den Aktienmarkt ersetzt werden? Was man heute unter Kapital versteht, ist nicht nur Thema einer Auseinandersetzung mit den Handschriften von Marx, sondern auch von zahlreichen Werken, die von immateriell verhandelten Geschäften und ihren Werten erzählen.

Das OK zeigt 16 Werke von Cristina Lucas, darunter auch eigens für Linz produzierte Arbeiten, wobei sie einige ihrer oft über viele Jahre gehenden Projekte fertigstellen konnte. Gemeinsam dem in Linz lebenden Künstler Patrick Huber realisierte sie Naked in the Kunsthistorisches Museum im Dialog mit den Aktdarstellungen der alten Meister.

Kuratorin: Genoveva Rückert

 

Cristina Lucas, *1973 in Jaén, lebt und arbeitet in Madrid (ES).
Sie studierte an der Universidad Complutense de Madrid, an der University of California Irvine und an der Rijksakademie Van Beeldende Kunsten Amsterdam.
Einzelausstellungen widmeten ihr unter anderem das Centro de Arte Santa Mónica in Barcelona, Centro Andaluz de Arte Contemporáneo (CAAC) in Seville, Museo de Arte Contemporanea (MAC) in Santiago de Chile, Museo Amparo Puebla in Mexico City, Stedelijk Museum in Schiedam und Matadero in Madrid.
Zudem war sie an vielen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, wie im Sternesenmuseet in Oslo, Museo Thyssen-Bornemizsa in Madrid und Moscow Museum of Modern Art (MMOMA).


 

Mundo masculino y mundo feminino, 2010 – 2016
2 Skulpturen
Courtesy: Galeria Juana de Aizpuru, Madrid

Landkarten dienen dazu, uns einen Überblick über die Welt zu verschaffen und diese besser zu verstehen. So geht Lucas mit Hilfe von zwei Globen den Unterschieden zwischen weiblicher und männlicher Welt nach, indem sie die Begriffe für „Vagina“ und „Penis“ in der jeweiligen Umgangs-sprache der Länder ermittelt. Sie unterteilt die Welt in Sprachräume, deren Grenzen durch die gemeinsame Bezeichnung für einen geschlechtsspezifischen Begriff festgelegt werden. Dabei stellt sie fest, dass es zwischen männlicher und weiblicher Welt keine einheitlichen Grenzen gibt. Je nachdem, ob die Bezeichnung der weiblichen oder der männlichen Geschlechtsorgane herangezogen
wird, verändern sich die „Hoheitsgebiete“.

 

Habla, 2008
 Video

In einem auf den ersten Blick brachialen destruktiven Akt – nämlich der Zerstörung einer Nachbildung der berühmten Moses-Statue von Michelangelo aus dem 16. Jahrhundert – äußert die Künstlerin subtil ihre Kritik an Machtstrukturen und Herrschaftssystemen. Mit einem Vorschlag-hammer schlägt sie Moses als Sinnbild der patriarchalen Strukturen in den drei großen Welt-religionen kurz und klein.

 

Abstraction Licking, 2013
 Video

In ihren Arbeiten, die stets Aktualitätsbezug haben, verweist Cristina Lucas oft auf die Kunst-geschichte. So verwandeln sich die bekannten, streng geometrischen Gemälde des niederländischen Malers Piet Mondrian in das Setting für eine laszive Pole-Dance-Performance. Die Inszenierung erinnert an die Darbietungen in den Fenstern des Amsterdamer Rotlichtbezirks – ein denkbar großer Kontrast zum Konzept der abstrakten Gemälde Mondrians, das auf der puristischen Reinheit der Farben und Formen beruht.

 

Vexilología (Nationalsim), 2015
 Fotografien

Im Fußball kommen nahezu alle Nationen zusammen, um mit- und gegeneinander zu spielen. Zugehörigkeit zu einer (Fan-)Gruppe und gemeinsame Begeisterung schaffen eine starke Verbindung. Die Serie bunt bemalter Gesichter von Fußballfans – gefunden im Internet – ist als anthropologische
Studie über menschliches Verhalten, Individualisierung und Globalisierung zu verstehen. Es lässt sich die Transformation einer Person zur Flagge einer Nation bzw. deren Farben beobachten.

 

Stardust, 2012
 Video

In der Videoarbeit Stardust ist nicht mehr und nicht weniger zu sehen als der Staub, der sich in der Luft befindet – den man aber nur wahrnimmt, wenn Licht auf ihn fällt.

 

Piper Prometheus, 2012
 Video

Der Titel der Videoarbeit verweist auf Prometheus, jenen tragischen Helden der griechischen Mythologie, der den Göttern das Feuer – als Sinnbild für Wissen – raubt, um es den Menschen zu schenken. Für die Katastrophe, die er damit anrichtet, wird er grausam bestraft.
Wir sehen, wie eine kleine Piper-Maschine über die katalanische Industriestadt Badalona fliegt. Das Flugzeug zieht ein Banner mit der physikalischen Formel für das Fliegen (also das Abheben und damit die Flugfähigkeit eines Flugzeugs) hinter sich her. Die Künstlerin verweist damit auf die Tatsache, dass jeder Erfindung, egal wie gut und nützlich sie sein mag, ihr unmittelbarer Missbrauch eingeschrieben ist, was wiederum Zerstörung und Katastrophen in Gang setzen kann.

 

The Unending Lightning, 2012–2016
Computer basierte 3-Kanal Videoinstallation

Mit der Erfüllung des Traums vom Fliegen begann eine neue Ära der Kriegsführung, die erstmals auch die zivile Bevölkerung strategisch involvierte.
Auf Basis einer umfangreichen Recherche führt Lucas sämtliche weltweit dokumentierten Luftangriffe mit zivilen Opfern seit 1912 – also nur kurz nach Erfindung der Luftschifffahrt (1909) – in einer großformatigen Videokartografie zusammen.

Das Projekt ist in drei Kapitel unterteilt:
Der erste Teil reicht von 1912 bis 1945, von der ersten Bombardierung mit zivilen Opfern bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das zweite Kapitel führt bis ins Jahr 1989, dem Ende des Kalten Krieges. Das dritte Kapitel reicht vom ersten Golfkrieg 1991 bis heute, in die Ära der digitalen Kriegsführung, die durch Satelliten und Drohnen bestimmt wird.

 

Naked in the Museums, 2012–2016
Fotografien
Desnudo en la Walker Art Gallery, 2012
Desnudo en el Louvre, 2012
Desnudo en El Prado, 2012
Desnudo en el Kroller Müller, 2012
Desnudo en el Museo Nacional de Arte Antigua, 2012
Naked in the Kunsthistorisches Museum Wien, 2016
Courtesy: Galeria Juana de Aizpuru, Madrid

Die Arbeitsweise von Cristina Lucas zeichnet auch eine große Freude am irritierenden Moment aus. Ohne vorherige Genehmigung lässt sie für ihre Fotoserie Naked in the Museums nackte Modelle in Museen auftreten. Diese treten im Ausstellungsraum mit den auf Gemälden oder als Skulptur dargestellten Nackten in einen stillen Dialog zu treten.
Mit dieser Inszenierung stellt Lucas Fragen nach dem Verhältnis von Körper und Schönheit – sowohl in der Kunstgeschichte als auch in der heutigen Gesellschaft. Im Wiener Kunsthistorischen Museum unterstützte sie der in Linz lebende Künstler Patrick Huber bei ihrer Aktion.

 

La Liberté Raisonnée, 2009
 Video

Dass die mit der Aufklärung verbundenen demokratischen Errungenschaften ein kostbares und verletzliches Gut sind, zeigt die Künstlerin in einer filmischen Version des Bildes Die Freiheit führt das Volk (La Liberté guidant le peuple) von Eugène Delacroix. Im Video erzählt Lucas die Geschichte der
französischen Julirevolution von 1830, wie sie im Bild festgehalten wurde, weiter: Kaum sind die Barrikaden gestürmt, fällt die allegorische Figur der Freiheit den ihr folgenden Revolutionären zum Opfer. Sie wird vom „Volk“ erschlagen – ein tragisches Ende der mit heroischem Pathos begonnen
Revolution. Damit wird ein beinahe 200 Jahre altes Bild zum tagesaktuellen Befund der einst erkämpften, heute wieder verletzlich scheinenden Demokratie.

 

Light Years, 2009
 Installation

Courtesy: CA2M Centro de Arte Dos de Mayo, Móstoles, Madrid (ES)
„Landkarten zeigen dir stets etwas auf, was zuvor verborgen war“, erklärt Cristina Lucas ihre Faszination für die Kartografie. Ihre Installation Light Years signalisiert mittels Leuchtdioden, wann es den Menschen in unterschiedlichen Regionen gelungen ist, sich das Wahlrecht zu erkämpfen.
Manche Regionen auf der Karte sind allerdings noch immer im Dunkeln.

 

GESTALT 5, 2015
 Video-Installation

Die Videoarbeit zeigt fünf Dirigenten, die parallel die ersten Takte von Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie, der „Schicksalssinfonie“ anstimmen. Vor dem Hintergrund der bürgerlichen Aufklärung und der revolutionären Bewegungen seiner Zeit kann diese auch als Ode an die laut Immanuel Kant  „Emanzipation aus selbstverschuldeter Unmündigkeit“ verstanden werden. Auch
wenn die Musik nicht zu hören ist, wird an den Bewegungen der Dirigenten deutlich, dass es durchaus Abweichungen in der vom Komponisten genau vorgegebenen Aufführung gibt, denn jeder hat seinen individuellen Stil. Eine objektive, einheitliche und „korrekte“ Darstellung der ursprünglich intendierten Version gibt es nicht – ganz gleich wie bei der Demokratie.

 

The Popular Economic World, 2010–2016
Malerei
Courtesy: Galeria Juana de Aizpuru, Madrid

Heute befinden wir uns in einem ökonomischen System, das nicht mehr auf Gold, sondern auf den Aktienmarkt gestützt ist – Geld und sein Wert werden zunehmend abstrakter. In der für sie typischen, analytischen Vorgehensweise untersucht Lucas, inwiefern sich marktwirtschaftliche Veränderungen, z. B. Währungsumstellungen, auch auf unser Leben bzw. unseren Sprachgebrauch
auswirken: Auf einer Weltkarte steckt sie nicht die nationalen Grenzen ab, sondern markiert Territorien nach ihrem einheitlichen Gebrauch umgangssprachlicher Bezeichnungen für „Geld“.

 

Europleasure International LTD.
TOUCH AND GO, 2010
 Video

Wenn Cristina Lucas die ehemaligen ArbeiterInnen dazu anstiftet, die Fenster der aufgelassenen Fabrik Europleasure International einzuschlagen, lädt sie diese nicht nur dazu ein, ihren Frust abzuladen, sondern lässt aus dem lustvollen Protest auch etwas Produktives entstehen: Am Ende ist ein Schriftzug in den kaputten Fenstern der leerstehenden Fabrik zu erkennen: TOUCH AND GO
In ihrer Arbeit für die Liverpool Biennale 2010 weist die Künstlerin pointiert auf die zunehmende Abwanderung der produzierenden Industrie aus Europa hin. Liverpool als „Wiege der Industrialisierung“ war einst von großer Bedeutung für die britische Wirtschaft. Mittlerweile spielt der Finanzmarkt eine weit größere Rolle.

 

Plusvalia – Surplus Value, 2014
Videoinstallation aus vier Elementen:

Fotokopien der Handschriften von Marx und Engels für „Das Kapital“, Band I, II und III.
Foto der Originalkopie der ersten Ausgabe von „Das Kapital“
Marktbewertungen der Erstausgaben bei Auktionen von Christies und Sotheby´s.
Ein Dokumentarfilm in 3 Kapiteln, Video, 21‘

In Das Kapital, seinem berühmten Werk aus dem späten 19. Jahrhundert, prägte Karl Marx den Begriff des „Mehrwerts”, den er als den Profit definiert, den der Kapitalist aus der Arbeitskraft schlägt, und warnt davor, dass ohne diesen Gewinn eine kapitalistische Gesellschaft gar nicht existieren könnte.
Cristina Lucas interessiert sich nun für den ökonomischen Wert dieses Buches und versucht herauszufinden, wie viel die handschriftliche Erstausgabe von Das Kapital mittlerweile wert ist. In vier Kapiteln liefert unter anderen Andrea Jungmann vom Auktionshaus Sotheby‘s eine aktuelle Preiseinschätzung des wertvollen Manuskripts, und Marien van der Heijden, Leiter des Inter-nationalen Instituts für Sozialgeschichte in Amsterdam, erzählt, wie und warum die Erstausgabe einst in seinem Institut gelandet ist.

 

Mountains, 2012 –  (Work in progress)
 Fotografien

Montaña de Carbón, 2012
Montaña de Arena, 2012
Montaña de Sal, 2012
Montaña de Arcilla, 2012
Montaña de Café, 2012
Montaña de Corcho, 2012
Courtesy: Galeria Juana de Aizpuru, Madrid

In ihrer Auseinandersetzung mit Fragen von Struktur und Macht thematisiert Cristina Lucas auch Geschichte, Entwicklung und Auswirkungen der globalen Ökonomie. Ihre Serie Mountains beschäftigt sich mit künstlich geschaffenen Bergen, die rein durch wirtschaftliche Praxis entstanden sind: Kaffee, Kohle, Salz, Reifen … – allesamt Güter, die, zu monumentalen Bergen angehäuft, von Kapital, Markt, Konsum, Transaktion und Globalisierung erzählen.

 

Treasure Chamber, 2014 (Schatzkammer)
2 Farbfotografien

Treasure Chamber , 2015 (Schatzkammer Niederlande)
6 Farbfotografien
Courtesy: Galeria Juana de Aizpuru, Madrid

Wie konnte das Gold als Stabilitätsfaktor durch den Aktienmarkt ersetzt werden – also ein realer Wert gegen Marktbewegungen? Cristina Lucas hat die Goldreserven von Spanien und den Niederlanden fotografisch festgehalten.


  

OK | Christina Lucas | GLOBAL EDGES
02. Dez. 16 – 30. Apr. 2017

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr, 15.30 – 19.00 Uhr
Do, 15.30 -21.00 Uhr
Sa, So, Feiertag 10.00 – 19.00 Uhr
 Montag geschlossen

Weihnachten:
24.12, 25.12., 31.12. und 1.1.2017 geschlossen!

Führungen:
Allgemeine Führungen SKANDAL NORMAL?
Do, 18.00 Uhr und So, 11.00 Uhr
Mit Anmeldung unter info@ooekulturquartier.at oder 0732 / 784178

Gruppenführungen sind nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich!


 

Pressekontakt: Maria Falkinger, +43.732.784178-52540, m.falkinger@ooekulturquartier.at

Pressefotos

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Cristina Lucas
La Liberté Raisonné, 2009
Cristina Lucas
Naked in the Museums, 2012–2016
Cristina Lucas
Europleasure International LTD.
TOUCH AND GO, 2014
 

Cristina Lucas
Gestalt 5, 2015
Foto: Otto Saxinger
Cristina Lucas
Plusvalia – Surplus Value, 2014
Foto: Otto Saxinger
Cristina Lucas
Vexilología, 2015
Foto: Otto Saxinger
Cristina Lucas
Vexilología, 2015
Foto: Otto Saxinger

Cristina Lucas
Light Years, 2009
Foto: Otto Saxinger
Cristina Lucas
Abstraction Licking, 2013
Foto: Otto Saxinger
Cristina Lucas
Europleasure International LTD. TOUCH AND GO, 2014
Foto: Otto Saxinger
Cristina Lucas
The Popular Economic World, 2010-2016
Foto: Otto Saxinger

Cristina Lucas
The Unending Lighting, 2012-2016
Foto: Otto Saxinger
Cristina Lucas
Mundo masculino y mundo feminino, 2010 - 2016
Foto: Otto Saxinger
 
 

 

 

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