| |
Presseinformation
Mai, 2005
ROMAN SIGNER
WERKE | works
4. Juni – 24. Juli 2005
Eröffnung:
3. Juni 05, 20.00
Kuratorin: Genoveva Rückert
Bekannt
für seine präzise choreographierte Versuchanordnungen u.a.
mit Fahrzeugen, Feuerwerkskörpern und Alltagsgegenständen
entwickelt Roman Signer Skulpturen und bezieht, entsprechend seinem
erweiterten Skulpturenbegriff, die Zeit als vierte Dimension und formendes
Moment mit ein.
Seine Arbeiten sind Untersuchungen elementarer Kräfte und dem Material
eigener Energien und Möglichkeiten. Signer bezeichnet sie als Zeitskulpturen
oder Ereignisse.
Im Spannungsfeld zwischen Auslösung oder Kraftentladung und dem
punktgenauen Ablauf der eigenwilligen, teilweise absurden Kombination
und Manipulation von Objekten entwickelt sich der feinsinnige Witz und
Charme seiner Werke.
Signers Arbeiten manifestieren
sich in unterschiedlichen Stadien und Aggregatzuständen, wobei
ein wesentliches Charakteristikum die Prozeßhaftigkeit ist. In
den Skulpturen ist meist nur das Endresultat, das Ergebnis des vorangegangenen
Prozesses, sichtbar, allerdings sind alle vorhergehenden Werkphasen
eingeschlossen. Den Ausgangspunkt bilden Konzeption, Vorbereitung und
der Aufbau des möglichen Ereignisses. Die verwendeten Elemente
werden gleich einer Versuchsanordnung in die Ausgangsposition gebracht.
In der zweiten Phase, dem eigentlichen Transformationsprozess, wird
die Anordnung meist vom Künstler initialisiert und nimmt ihren
Lauf und die vorbestimmte Bewegung in Raum und Zeit.
Im Gegensatz zu einem performativen Ansatz, in dem das Verbleibende
meist als Relikt bezeichnet wird, beinhalten bei Signer die ausgestellten
Arbeiten alle zeitlichen Stadien, sind schon „abgelaufen“
oder bleiben „vorläufig“ und enthalten dann noch alle
Möglichkeiten der Transformation.
Die bildliche Dokumentation dieser flüchtigen Prozesse oder perpetuum-mobile-artigen
Wiederholungen in Foto, Film und Video, meist durch Aleksandra Signer,
spielt in Signers Werk eine zentrale Rolle.
Eigens für
das O.K und entsprechend der räumlichen Struktur des Hauses hat
Roman Signer nun eine große Einzelausstellung mit zahlreichen
neuen Installationen und Arbeiten entwickelt.
Das zentrale Element der
Ausstellung im O.K Centrum ist Luft in ihrer bewegten und bewegenden
Form - als Wind und Kraft, oder gegenständlich als Ventilator und
Gebläse.
Neben den Luft- und Wind-Arbeiten, (Schwebender Tisch, 2005; Kanal,
2005; Tisch mit Hut, 2005; Haus, 2004,) beinhaltet die Ausstellung auch
Werke mit Wasser (Wasser, 2005; Ski, 2004; Kajak, 2003/2004), wie die
fünf in der Bibliothek gezeigten Videos (Frosch 2001, Helikopter
auf Brett, 1998, Wasser, 2005, Hotspring 1994); sowie perpetuum-mobile-artig
bewegte (Kanal, 2005; Telefonkabine, 2004) und interaktive Arbeiten
(Tisch mit Hut, 2005; Haus, 2004). Neben aggressiveren Arbeiten (Rauchertischchen,
2005; Wegweiser, 2005; Schweben in der Kiste, 1999) gibt es welche,
wo das Ereignis schon stattgefunden hat (Kabine, 2005; Wegweiser, 2005),
welche im Vorzustand, aber auch die dokumentarische Form der poetischen
und klaren Fotoserien und Videos (insbesondere Steirischer Wald, 2004).
Roman Signer hat für die Ausstellung eine Choreographie entwickelt:
Beginnend mit einer Art „Ferienlager“, im großen Saal
führt er uns über die zellenartig konzipierten Räume
mit solitären Installationen über den verbindenden Gang zu
den Arbeiten, die inhaltlich oder räumlich den Bezug nach Außen
öffnen. In der Arbeit „Wasser“, 2005
ergießt sich vom „Mediendeck“ des O.K aus ein Wasserstrahl
auf einen vorspringenden Giebel am Dach des benachbarten Ursulinenhofs
und schafft so eine Verbindung nach Außen.
Im konzertartigen Zusammenspiel
einzelner Skulpturen im großen Saal ist ein Traumbild, ein absurdes
Camp, entstanden: Neben Sportgeräten stehen eine Hütte und
ein Wegweiser, auf einem Tisch liegt ein Hut. Die Dinge sind ihrer ursprünglichen
Funktion enthoben und haben ein Eigenleben, das der Besucher auslösen
kann. Auf Knopfdruck bekommt die Hütte Flügel, wenn sich in
der präzise ausgetüftelten Konstruktion unter heftigem Getöse
die Dachflächen in der Mitte hochklappen. In orkanartiger Geschwindigkeit
lässt sich der Hut verblasen, und weist uns, wie der umgefallene
Wegweiser auch, wieder bei der Türe hinaus in die Ausstellung.
Eine geschlossene
räumliche Situation stellt sich dagegen in dem benachbarten Projektionsraum
dar: Das Video „Schweben in einer Kiste“, 1999
gibt den Todeskampf eines eingesperrten Modellhubschraubers wieder.
Man ist geneigt dem Fluggerät ein Eigenleben, etwas Lebendiges,
zuzugestehen, wenn man beobachtet wie es sich insektenartig bewegt,
sich aufbäumt und langsam verendet.
Ebenfalls animalisch
muten die im Windkanal schwebenden, rollenden Lampions im Foyer an.
Auf quadratischem Grundriss hat Roman Signer für die neue Installation
„Kanal“, 2005 eine umlaufende Wanne gebaut
und an deren Ecken jeweils einen Ventilator positioniert. Der erzeugte
Wind wird im buchstäblichen Sinne zur treibenden Kraft. In ihrer
ruckartigen Bewegung erzeugen die erstmals für eine Arbeit eingesetzten
Lampions ein starkes akustisches Moment.
Ein in der Schwebe gehaltener
Holztisch befindet sich an einem Punkt höchster Spannung. Durch
ein Loch im Boden des Gangs geführt, hält ihn ein starkes
Gebläse in einem schwankenden, aber permanent schwebenden Zustand.
Die ebenfalls im Gang angebrachten Fotoreihen zeigen den eigenständigen
Charakter des Mediums in Signers Gesamtwerk. Die zwischen 1984 und 2004
entstanden Fotografien, Super-8 Filmstills und Videostills geben in
der Serie zeitliche Stadien einer Aktion wieder.
„Stiefel“, 1995 zeigt das Verhalten des
Stiefels unter massivem Druck von Kohlensäure. Das Gas zischt aus
Gummistiefeln und lässt sie durch den starken Rückstoss wegfliegen.
Die „Bücher“, 1984/2004, hat Roman
Signer in einem unter St. Gallen durchfließenden Fluss ausgesetzt
und auf der anderen Seite durchnässt und aufgequollen wieder eingesammelt.
„Ballon“, 1988/2000 zeigt, wie ein Ballon
unter einer Eisschicht positioniert, diese durch sein stetig anwachsendes
Volumen sprengt und ihn letztendlich frei gibt.
In zwei ehemaligen
Klassenzimmern hat Signer jeweils eine Kabine aufgestellt. Durchaus
bedrohlich ist die in permanenter Bewegung befindliche Installation
in einem der beiden Räume. Die „Telephonkabine“,
2004 ist im Innenraum mit einem Telefonapparat bestückt,
der abgehoben das mittels Funkmikro aufgenommene Sausen eines um die
Kabine rotierenden Hörers verstärkt wieder gibt.
Die andere, Kabine, 2005, ist eine Holzkonstruktion
mit Spuren von Durchschuss und Einschlag in der Wand. Der gesamte, in
dieser neuen Zeitskulptur enthaltene Ablauf bedarf der Rekonstruktion.
Wir lassen sie in unserer Vorstellung nochmals entstehen, rekonstruieren
wie Roman Signer mit geladenem Revolver bewaffnet in den Raum geht,
abdrückt; stellen uns vor wie er starkem Druck ausgesetzt ist,
wie die Bleiprojektile einschlagen, abprallen und zu Boden fallen.
Fern jeder Raucherdiskriminierung
zeigt die Skulptur Rauchertischchen, 2005 einen Vorzustand,
die Möglichkeit den Kopf in eine Holzkonstruktion zu stecken um
dann den auf eine Zigarette zielenden Revolver auszulösen.
In Installation,
2005 schwebt in der Mitte eines abgedunkelten Raumes ein weißer
Luftballon, umgeben vom dröhnenden Lärm von Bomberflugzeugen
aus dem Zweiten Weltkrieg. Das wiederkehrende Geräusch erzeugt
den Zustand einer ständigen Bedrohung.
Der fragile Luftballon ist ein wiederkehrendes Element, ein inzwischen
archetypischer Gegenstand im Werk von Roman Signer. Die Arbeit hat einen
äußeren, historischen Bezug, aber auch, wie viele Arbeiten
einen persönlichen. Wie die wirbelnden Hüte auf einer zugigen
Brücke, das Kindheitsbild, das Signer für die Arbeit Tisch
und Hut inspirierte, ist das Geräusch herannahender Bomber eines,
das Signer noch aus seiner Kindheit vertraut ist. „Für
mich gibt es keinen Unterschied zwischen Leben und Kunst. Ich meine,
dass die Anregungen für meine Kunst direkt aus meinem Leben und
aus meiner Kindheit kommen.“ Es zeigt sich wie eng die Werkstoffe
und Elemente mit seinen eigenen Erfahrungen verbunden sind und man beginnt
zu verstehen wie elementar und radikal, im Sinne von an die Wurzel gehend,
das künstlerische Werk Roman Signers ist.
Roman Signer, geb. 1938 in Appenzell,
lebt und arbeitet in St. Gallen
Ausstellungen (Auswahl): "Objekte, Konstruktionen", Galerie
Lock, St. Gallen (1973); Kleiner Ausstellungsraum, Künstlerhaus
Hamburg (1980); "Schnelle Veränderungen", Künstlerhaus
Stuttgart (1985); documenta 8, Kassel (1987); steirischer herbst (1993);
Raum aktueller Kunst, Wien (1993); "Neue Arbeiten", Galerie
Hauser & Wirth, Zürich (1997); "Alpenblick. Die zeitgenössische
Kunst und das Alpine", Kunsthalle Wien (1997); "Ich war hier
- I was here", The Swiss Institute, New York (1997); Schweizer
Pavillion, 48. Biennale Venedig (1999), Camden Arts Centre, 'Roman Signer',
London (2001), Sammlung Hauser und Wirth, 'Roman Signer’, St.
Gallen (2003), O.K Centrum für Gegenwartskunst (2005)
Presseinformation:
Maria Falkinger
, t:+43.732.784178-203
|