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dramagraz

Pressemitteilung
Linz, 12. Nov. 2003
Eine Kooperation anlässlich
200 Jahre Landestheater Linz
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Elfriede
Jelinek
:WER WILL ALLEIN SEIN:
Eine Untersuchung (UA) |
Eins: „Körper und Frau“
– Eine Entäußerung
mit Juliane Werner
Montage: Ernst M. Binder
Zwei: „Das Schweigen“ – Einer
dieser vergeblichen Versuche
mit Bettina Buchholz
EDV-Musik/Bruitage: Josef Klammer
Drei: „Alleinsein“ – Ein Tatsachenbericht
mit Juliane Werner und Bettina Buchholz
Gebärdensprache: Gertrude Dirnberger
Konzept/Inszenierung:
Ernst M. Binder
Bühne: Carlos Schiffmann
Kostüme: Andrea Plabutsch / Lisa D
Dramaturgie: Alexandra Rollett
Licht: Geari Schreilechner
Produktionsleitung: Andrea Speetgens
Uraufführung
der Trilogie: 18. November 03, 20.00 Uhr
O.K Centrum für Gegenwartskunst, Dametzstr. 30, 4020 Linz
Weitere Aufführungen: 22., 23., 26., 30. November 03, jeweils 20.00
Uhr
Info und Karten: Preis 10,-- / 5,-- Euro
Vorverkauf: Landestheater Linz, Tel: 0800 218 000 (kostenfrei aus ganz
Österreich!)
Telefon international: (+43 70) 76 11-400
e-mail: kassa@landestheater-linz.at
Abendkassa: O.K
Centrum für Gegenwartskunst, Tel: 070-784178,
office@ok-centrum.at
Zur Autorin:
Elfiede Jelinek

Es gibt nur wenige Autoren, die so heftig gehasst und wenige, die so
euphorisch bejubelt werden wie Elfriede Jelinek. Sie hat sieben Romane
und 13 Theaterstücke geschrieben, daneben etliche Hörspiele,
Libretti, Drehbücher, Essays sowie Übersetzungen verfasst
und egal, welches Ausgangsthema den Texten zu Grunde liegt: Sie lösen
etwas aus, eine öffentliche Reaktion. Sie sind polemisch, sarkastisch,
frivol oder irritierend und sperrig, auch zutiefst persönlich und
voller Trauer, aber in jedem Fall eins: unbarmherzig wahr. Sie haben
stets etwas Aufklärerisches, das auf das Ganze geht, statt auf
das einzelne Private.
Elfriede Jelinek
stand immer abseits von Strömungen und Trends. Aufrührerisch
und teils blasphemisch stellte sie genau jene Positionen in Frage, auf
denen man sich gerade bequem niedergelassen hatte: Zu Zeiten, als der
Feminismus auch bei Männern Mode wurde, führte sie mit „Die
Liebhaberinnen“, „Clara S.“ und „Krankheit oder
Moderne Frauen“ den Frauen ihre selbstverschuldete Unmündigkeit
vor. Als die neue Innerlichkeit aufkam und alle wieder sensibel wurden,
schrieb sie ihren mit Selbsterniedrigung und Selbstekel gespickten Roman
„Die Klavierspielerin“. Und schließlich hat sie sich
in „Ein Sportstück“ und „In den Alpen“
sogar noch am allerheiligsten Kult der Gegenwart vergriffen: dem Sport.
Als Produzentin
derart widersetzlicher Werke wurde sie zu einem willkommenen Angriffsziel
rechtsorientierter Kreise und der Boulevardpresse, die seit dem Tod
Thomas Bernhards ja niemand mehr hatten, den sie als „Nestbeschmutzer“
beschimpfen konnten. Doch wie Elfriede Gerstl, Schriftstellerkollegin
und enge Freundin Jelineks, meint: Wer vor Jelineks Texten erschrickt,
erschrickt vor sich selbst, vor seinen Rachefantasien, seiner Wut auf
die Beschränktheit der Mitmenschen, auf die einengende Mutter,
den übermächtigen Vater etc.
Was an der Autorin
aufregt, sind vielleicht weniger ihre provokanten Themen als vielmehr
die Auflösung der Persönlichkeit, die Jelinek betreibt. Das
Ich löst sich auf in medialem Sprechen: Wenn eine Person ihr Innenleben
formuliert, so tut sie es mit Versatzstücken aus Presse, Fernsehen,
Werbung, politischen Ideologien und Geistesgeschichte. Das von vorgetäuschter
Gemütlichkeit vollgepropfte Gesülze der Heimatfilme, die von
Gehässigkeit dampfende Rede der Politiker, die von reaktionärer
Verstocktheit geprägte Alltagssprache wird ebenso satirisch verdichtet
und dem Verlachen preisgegeben wie das von Floskeln überbordende
Geschwafel der künstlerischen Elite. „Sieh deiner Selbstentfremdung
ins Gesicht“, fordert die Autorin und zeigt uns mit beißendem
Humor und einer gehörigen Portion Sarkasmus unsere Befangenheit
in Vorurteilen und Klischees.
Auszeichnungen (Auswahl): Staatsstipendium für
Literatur, Österreich (1972), Drehbuchpreis der BRD (1974), Heinrich-Böll-Preis
(1986), Literaturpreis des Landes Steiermark (1987), Würdigungspreis
der Stadt Wien (1989), Peter-Weiss-Preis (1994), Bremer Literaturpreis
(1996), Georg-Büchner-Preis (1998), Heine-Heine-Preis der Stadt
Düsseldorf (2002), Theaterpreis Berlin (2002), Dramatikerpreis
der Stadt Mülheim (2002), Else-Lasker-Schüler-Preis (2003),
Lessing-Preis für Kritik (2004).
Werke (Auswahl):
Lyrik: Lisas Schatten (1967), Ende (2000). Romane: Wir sind Lockvögel
Baby! (1970), Die Liebhaberinnen (1975), Die Ausgesperrten (1980), Die
Klavierspielerin (1983), Lust (1989), Die Kinder der Toten (1995), Gier
(2000). Theaterstücke: Clara S. (1981), Wolken.Heim. (1988), Raststätte
(1994), Stecken, Stab und Stangl (1996), Ein Sportstück (1998),
Macht nichts - Eine kleine Trilogie des Todes (2000), In den Alpen (2002).
Zum Stück:
Wer will allein sein
Viel
stärker als mit allen unerwünschten Themen und Entheiligungen
verletzt
Elfriede Jelinek den Narzissmus mit der Auflösung des Persönlichen.
Sie hat das
Subjekt als Person, Persönlichkeit, Individuum weggenommen. Sie
hat es im
entfremdeten Sprechen, in Konsumentensprachen, Sprechweisen untergehen
lassen. Das heißt, eigentlich hat nicht sie das getan, sondern
die Geschichte.
Sie fiktionalisiert einen realen Zustand.
Stefanie Carp
Seit jeher war die
Selbstwahrnehmung der Frau eines der Hauptthemen in Jelineks Stücken:
als Arbeiterin, als Denkerin, als moderne Ehefrau, als Sexobjekt, als
Gebärmaschine. In :WER WILL ALLEIN SEIN:, einer Trilogie aus den
Texten „Körper und Frau“, „Das Schweigen“
und „Alleinsein“, erzählen die auftretenden Frauengestalten
über ihre Probleme mit dem Weiblichkeitsbild der heutigen Gesellschaft,
über ihr Scheitern am Mitmenschen, an der Gesellschaft, an der
Geschichte, an der Kunst und vor allem an sich selbst.
Der Monolog KÖRPER
UND FRAU ist die Geschichte des Verschwindens eines Unterwäschemodels
namens Claudia hinter Schminke, Mode und cellulitefreien Oberschenkeln.
Davor steht jedoch eine Zwiesprache der Frau mit ihrem Körper:
Das Lustobjekt, die Projektionsfläche überzogener Schönheitsideale
trifft auf die anderen Aspekte von Claudia: auf die blasierte Göttin,
die biedere Hausfrau, den männermordenden Vamp, die enttäuschte
Tochter. In der für Jelinek so typischen bildgewaltigen, obsessiven
Sprache wird die konventionelle Auffassung jeglicher Identität
dekonstruiert und die Schwierigkeit weiblicher Selbstdefinition auf
den Punkt gebracht.
Im zweiten Teil
des Abends - DAS SCHWEIGEN - nimmt sie das dem Schriftstellerdasein
immanente Streben nach dem Höchsten, dem Ewigen, dem Allumfassenden
aufs Korn, in dem sie den Versuch, eine Biografie des Komponisten Robert
Schuhmann zu verfassen, um-, auf- und be-schreibt. Mit Sprachwitz und
Selbstironie erzählt sie vom Scheitern des Dichters – einem
Scheitern, das nur ins Schweigen münden kann.
Die Inszenierung stellt diesem Monolog eine kontrapunktierende Komposition
von Josef Klammer gegenüber. Die Sprachmusik basiert auf dem von
der Autorin selbst gelesenen autobiografischen Text „Die Zeit
flieht“. Sequenzen aus Silben, Konsonanten und Vokalen ergeben
ein Klanggebilde, das das Schweigen zum Klingen bringt.
Den Abschluss des
Abends bildet der hochaktuelle Text ALLEINSEIN, in dem Jelinek das Frausein
im gesellschaftspolitischen Kontext thematisiert. Sie zeigt „die
politische Aufschaukelung von Terror und Pazifizierung“ als „eine
Art Aufladung der Gegenwart mit Männlichkeit, die die Weiblichkeit
verdrängt“. Gemeinschaft - egal ob im kleinen Kreis der Familie
oder in den unüberschaubaren Netzwerken der globalisierten Welt
- kann nicht existieren, wenn die größere Hälfte der
Menschheit, nachdem man sie verschleiert bzw. in Dirndlkleider gezwängt
und zum Putztrampel degradiert hat, nur mehr die Rolle des Sündenbockes
spielen darf.
Ernst M.
Binder
freier Autor, Regisseur und Musiker; seit 1987 Leiter des forum stadtpark
theater / dramagraz.
60 Inszenierungen im In- und Ausland, davon 39 Ur- und Erstaufführungen;
3 Einladungen zum Mülheimer Theatertreffen, 3 Nominierungen zum
Berliner Theatertreffen, 2 Einladungen zum Heidelberger Stückemarkt
sowie weitere Teilnahmen an renommierten Theaterfestivals. Wichtigste
Inszenierungen u. a.: Die Osiris Legende von Peter Glaser (steirischer
herbst 1988), Mein Hundemund von Werner Schwab (Schauspielhaus Wien
1992), Totentrompeten von Einar Schleef (Mecklenburgisches Staatstheater
Schwerin 1995), Aus nichts wird nichts von Bertold Brecht (Berliner
Ensemble 1997), Es singen die Steine von Gert Jonke (Stadttheater Klagenfurt
1998), Woyzeck (Slowenisches Nationaltheater DRAMA Ljubljana 2002),
Black Jack von Franzobel (Festwochen Gmunden 2003).
Josef Klammer
Komponist und Schlagzeuger; Mitglied des Klammer&Gründler Duos;
Mitbegründer von V:NM (Verein zur Förderung und Verbreitung
Neuer Musik) und Organisator des gleichnamigen Festivals; seit 1988
Theatermusik in Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Martin Kusej, Ernst
M. Binder, Zdravko Haderlab u. a.; Konzeption und Sound- und Musicprogramming
für Klangprojekte; Komposition und Gestaltung etlicher Sendungen
für ORF/Ö1/Kunstradio; Auftragskompositionen für das
musikprotokoll (steirischer herbst), die Stadt Graz, das Diagonale-Filmfestival,
das Institut für Elektronische Musik und Akustik der Musikuniversität
Graz usw.
Juliane Werner
© Wolf/dramagraz
Schauspielstudium am Mozarteum Salzburg; Engagements im Ensemble des
Residenztheaters München und Schauspielhaus Graz; Zusammenarbeit
u. a. mit Andreas Kriegenburg, Thomas Bischoff, Wolfram Apprich, Klaus
Emmerich. Lebt seit 1999 als freie Schauspielerin in Berlin. Produktionen
der Volksbühne Berlin (Wer tötete Bruce Lee); Landestheaters
Linz (Der reizende Reigen), des ensembles für städtebewohner
(Narrenturm), des steirischen herbst (Der Tod und das Mädchen I-III)
und des Wiener Burgtheaters (Das Werk) sowie weitere Off-Projekte in
Deutschland, der Schweiz und Österreich. Zahlreiche Rollen in Film
und Fernsehen.
Bettina Buchholz
© Binder/dramagraz
Schauspielstudium an der Hochschule f. Musik und Theater „Felix
Mendelson-Bartholdy“, Leipzig; erste Engagements an den Schauspielhäusern
in Konstanz und Dresden; Ensemblemitglied in Heidelberg, Gießen
und Freiburg. Zur Zeit am Landestheater Linz tätig, wo sie mit
Regisseuren wie Gerhard Willert, Sabine Mitteregger, Ingo Kerkhof, Christian
Wittmann, Bernada Horres usw. arbeitete. Darstellung etlicher weiblicher
Hauptpartien in Theaterklassikern z. B Lady Macbeth, Penthesilea, Alkmene
in „Amphytrion“, Nina in „Die Möwe“, Eve
in „Der Zerbrochene Krug“, Blanche in „Endstation
Sehnsucht“ usw. Ihr Interesse gilt verstärkt der zeitgenössischen
Dramatik. So spielte sie in Schwabs „Der reizende Reigen nach
dem Reigen des reizenden Herrn Schnitzler“ und Kanes „4.48
Psychose“.
Presseinformation:
Maria Falkinger, O.K Centrum für Gegenwartskunst OÖ, Dametzstr.
30, 4020 Linz;
www.ok-centrum.at;
m.falkinger@ok-centrum.at
Elisabeth Mann, Landestheater Linz, Promenade 29, 4020 Linz, elisabeth.mann@landestheater-linz.at;
www.landestheater-linz.at
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