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PRESSEMITTEILUNG
29.5. - 14.7.
2002 Komplex
und global - wahrscheinlich zwei der am häufigsten
verwendeten Begriffe in Fernseh- und anderen Diskussionen. KünstlerInnen:
Die Ausstellung erfolgt in Kooperation mit dem Grazer Kunstverein: Ausstellung Zur Ausstellung erscheint ein gemeinsamer Katalog. Wargame Rauminstalation, O.K , 2002 2 Snooker Turniertische, Bälle graviert, Tonabnehmer in den Banden und in den Löchern Der Ausstellungsraum
ist ein Kriegsspielplatz, auf den ersten Blick allerdings als Billardsalon
getarnt: Zwei Snookertische und gedämpftes Licht, denn die Hohlräume
der großen Doppelfenster sind gefüllt mit feinen Schnitzeln
der alten europäischen Geldscheine, die seit Anfang des Jahres
in Papierwölfen gehäckselt werden. Auf den Billardqueues sind die Namen machthabender Staaten eingetragen: USA, Russland, Japan, England, Deutschland, Frankreich. In die Kugeln dagegen sind die Namen der Länder eingraviert, die von "den Großen" manipuliert oder bekriegt werden: Afghanistan, Iran, Irak, Israel, Palästina, Tschetschenien. Ausnahme ist die weiße Kugel mit den Buchstaben der UNO. Wenn wie üblich mit der weißen Kugel eine weitere so angestoßen wird, dass eine dritte ins Rollen gerät und möglicherweise ins Loch fällt, erbebt aber für einen kurzen Moment der schwere Tisch unter dem ohrenbetäubenden Lärm einer Bombenexplosion. Auf dem zweiten Tisch tragen die Queues die Namen von Religionen und Ideologien während die Kugeln wieder Ländernamen tragen. Soll man mit der Islam-Queue eine Frankreich-Kugel ins Loch kicken, oder mit der USA-Queue die Irak-Kugel anstoßen? Der Besucher hat keine Wahl. Sobald er der Aufforderung folgt und einen Billardstab anlegt, macht er sich schuldig. Es gibt kein Entrinnen, denn das Spiel verspricht Überraschung und Spaß, jeder möchte mitmachen, die Verführung ist groß. *1942 in Marseille
und Nantes
A proposito del
desborde Öl auf Leinwand Armando Mariño bedient sich sowohl in seiner Malerei als auch bei seinen Installationen und Skulpturen einer ironischen Sprache, mit der er gleichsam als Leitmotiv "das Leben und Abenteuer eines Farbigen" paraphrasiert. Wie Till Eulenspiegel hinterfragt er mit scheinbarer Naivität Aktualität und Wirksamkeit zeitgenössischer europäischer Kunstproduktion. Als Vorlagen dienen ihm in dieser Ausstellung Werke von Jean Louis David, Mario Merz und Joseph Beuys. *1968 in Kuba Cildo Meireles Babel, 2001 Installation aus Radios Unsere moderne Kommunikationsmedien füttern uns unablässig mit einer nicht mehr rezipierbaren Menge an Information. Der Turm aus 350 Radios ist Bild dafür, dass ein Mehr an Informationsquellen nicht unbedingt ein Mehr an verwertbarer Information bedeutet. * 1948 in Rio
de Janeiro, Danica Dakic Zid/Wall, 1998 Videoinstallation Identität ist
das zentrale Thema, das Danica Dakic's Arbeiten wie ein roter Faden
durchzieht. Immer wieder macht sie Sprache bzw. das Sprechen als entscheidenden
Faktor der Identitätsbildung aus. Mit einem kleinen
Unterschied: Der Blick des Betrachters wird nicht erwidert, sondern
dringt ein ins Innere des Gegenübers und verliert sich in dem dunklen
Schlund. * 1962 in Sarajevo,
Studies for Queen Bees (1996-2000) 13 tlg 40 x 75cm, Fotografien Tische, jene Möbelstücke, die - neben den Stühlen - am meisten benutzt werden, interessieren die Künstlerin seit jeher. An ihnen wird gegessen, geredet, studiert, konferiert, verkauft und vieles mehr. Bei Tisch werden Kinder erzogen und Beziehungen geknüpft oder gelöst. Hinter dem Tisch wird Recht gesprochen und Politik gemacht. Von der niedrigsten bis zur höchsten Ebene wird am Tisch verhandelt und beschlossen. Die Interpretation der Künstlerin ist eindeutig. Der Tisch steht nicht nur im Mittelpunkt des menschlichen Handelns, sondern symbolisiert auch die Hierarchie in der Familie, im Betrieb, in jeder Institution. Queen Bees versucht, fünfzehn weibliche Topmanager am Beispiel ihres Konferenztisches und ihres häuslichen Esstisches, der traditionellen Domäne der Frau, zu porträtieren. Die Suche nach den Managerinnen (51 an der Zahl) gestaltete sich wie die nach der Nadel im Heuhaufen. Weibliche Aufsichtsratsmitglieder von multinationalen Konzernen sind so selten wie Bienenköniginnen. Nur zwölf Frauen arbeiteten schließlich an dem Projekt mit, wobei drei von ihnen zwar den Konferenztisch, nicht aber den Esstisch zeigen wollten. Und was stellte sich heraus? Die Auswahl und Aufstellung der "weiblichen" Konferenztische unterscheidet sich kaum von der der "männlichen" Pendants - abgesehen von vereinzelten Blumensträußen. Zu Hause sehen die Tische etwas persönlicher aus, wiewohl der klassische und imposante Stil überwiegt und die Übereinstimmung mit denen auf Arbeit relativ groß ist. Häufig entsteht der Eindruck, dass die Managerinnen die häusliche Macht an Haushälterinnen oder andere Professionals abgeben mussten - von einigen Ausnahmen abgesehen. * 1966 in Enschede
Niederlande "from...02/05" (1998/99) 15 Plexiglas-Tafeln, safety instruction cards "Safty-cards"
wie sie jeder von Flugreisen kennt dienen dem in Wien lebenden Künstler
für seine Begrüßungsanweisungen. Händeschütteln
oder Verneigen wird schematisch als Piktogrammen dargestellt, mögliche
"Gefahrenquellen" dabei sind explizit herausgestrichen. *1975 in Qingtian,
China Matthew Ngui "crystal/taste" / a work-in-progress" Rauminstallation, O.K 2002 Matthew Nguis prozeßhafte Arbeit ist nicht nur ein Kunstprojekt sondern auch eine Sozial- bzw. Wirtschaftsstudie, ein kultureller Austausch auf mehreren Ebenen. Während seines mehrwöchigen Aufenthalts in Linz hat er Kontakte zu verschiedenen Unternehmen geknüpft und sich mit ihrer Unternehmenstruktur, ihrer Philosophie und ihrem Umfeld auseinander gesetzt. Seine Videoinstallationen in der Ausstellung sind die Sammlung von Eindrücken, die er während seiner Firmenbesuche und Rundfahrten in ganz OÖ gewonnen hat. Seine mehrtägige "Praxis" in der Küche des "Goldenen Anker" kommt den BesucherInnen der Vernissage zugute. Als Performance wird er in seinem Ausstellungsraum für von ihm persönlich geladene Gäste östereichische und asiatische Gerichte kochen und mit ihnen essen. *1962 in Singapur, lebt und arbeitet in Perth/Australien und Singapur Ostwärts Rauminstallation, O.K, 2002 Zentraler Punkt ihrer Arbeit ist die Kontrastierung kultureller Ausdrucksweisen des Orients mit dem europäischen Blick auf diese. Einerseits werden unsere Klischees einer idealisierten Handwerkskultur mit den schattenrißhaften Eindrücken von Krieg und Terror verknüpft, andererseits erlauben die Textbahnen einen historischen Blick auf die Rezeption des Exotischen. Durch die Verknüpfung von so gegensätzlichen Gestaltungsinstrumentarien wie der orientalischen Teppichtradition und der globalisierten Bildproduktion entsteht ein reflexives Spannungsverhältnis, das den Arbeiten Monika Pichlers inhärent ist. Bei der Serie der
"fliegenden Teppiche" spielt sie mit unseren geprägten
Vorstellungen der märchenhaften und imaginären Welten von
Tausend und einer Nacht. *1961 in Hallein, lebt und arbeitet in Linz Four or Five Roses Rauminstallation, O.K, 2002 Friedl beschäftigte
sich in seinem Werk mit dem Spannungsverhältnis zwischen individuell
erlebtem und wahrgenommenem einerseits und dem des *1960 in Oberneukirchen/Österreich, lebt und arbeitet in Berlin und Wien Wavelinks Spricht man heute
von "Globalkultur", so wird darunter meist ein medial-kommerzieller
Zusammenhang verstanden, den transnationale Konzerne in steter Expansionsbewegung
steuern. Dass unter dieser "korporativen" Ebene aber stets
auch an einem Netz aus "inoffiziellen" Kontakten und Begegnungen
geknüpft wird, kommt selten in den Blick. Die elektronische Musik
der letzten zehn Jahre, so vielgestaltig sie auch sein mag, stellt einen
Paradefall solcher paralleler und oft gegenläufiger Globalisierungsmomente
dar. *1959 in Cleveland/Ohio 11/9 Collage, Spannplatte, 2002 Stefan Eins' Arbeit
geht von der amerikanischen Stickerserie der "Pail Garbage Kids"
aus, welche im drastischen Stil von Struwelpeter Kinder über ihr
Fehlverhalten belehren.
Mittwoch,29. Mai
2002,19.00 Uhr Chantal Mouffe
(University of Westminster/London) Chantal Mouffe arbeitet
am Institut für Politik und internationale Studien an der University
of Westminster in London. Sie lehrt an zahlreichen Universitäten
in Europa, Nord- und Lateinamerika. Chantal Mouffe beschäftigt
sich mit politischer Theorie, besonders mit Pluralismus, sozialen Antagonismen
und radikaler Demokratie. Ihr momentaner Forschungsschwerpunkt ist der
Aufschwung des Rechtspopulismus in Europa sowie der "Dritte Weg"
und seine Grenzen.
McKenzie Wark
(Aus/USA)
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