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PRESSEMITTEILUNG 6.4.2001 DIALOG
III
Künstler: Kurator: Mit RE:LOCATION, der Dialog-Ausstellung OÖ-Polen, setzt das O.K Centrum für Gegenwartskunst eine Reihe fort, die bereits zum dritten Mal oberösterreichischen KünstlerInnen die Möglichkeit gibt, sich intensiv mit der Kultur und der Kunstpraxis eines anderen Landes auseinander zu setzen und sich und ihre Arbeit in einen internationalen Kontext zu stellen. Eine kleine Gruppe österreichischer und polnischer Künstler erarbeitet ein gemeinsames, stark auf die räumliche Struktur des O.K bezogenes "dialogisches" Ausstellungsprojekt. Unterschiedliche kulturelle Erfahrungsmuster auf der einen Seite, transnationale, globale Kriterien zeitgenössischer Kunstproduktion auf der anderen Seite bilden den spannungsvollen Ausgangspunkt für diese Projektreihe. RE:LOCATION in Bezug
auf den Ort und die Ausstellungsräume -
Presseinformation:
Jenseits der bereits abgenutzten Dichotomie Innen und Außen bietet RE:LOCATION eine Reihe von Begegnungen mit dem Phänomen der Oberfläche und ihren Variablen. Schwerpunkt der Ausstellung sind die geistigen und physischen Prozesse des Verortens und des neu Ortens in Bezug auf die Oberfläche als Ort des Geschehens, wobei die Oberfläche an sich ein transzendentes Feld ist. Alle der in dieser Ausstellung versammelten Künstler haben aus meiner Sicht verschiedene Strategien der Relokation in ihren bisherigen Arbeiten angewendet: von Überlagerungen über Abtrennungen, Integration, Akkumulation, Umgestaltungen bis hin zur Transmission. Sie setzen sich ebenso mit einer Vielzahl von Oberflächen auseinander: Die Aspekte reichen von der Fläche einer Leinwand über die endlosen offenen Gänge des öffentlichen Raumes und die rhizomatischen Bildschirm-Landschaften virtueller Environments bis hin zu den scheinbar vertrauten Orten unserer Alltagsumgebung. Im Umgang mit Fragestellungen, die sich auf Vorstellungen von Raum und Architektur beziehen, pendeln sie zwischen den Prozessen der Identitätskonstruktion und der konstruierten Identität: Immer wieder besuchte und untersuchte Orte werden auf der spiegelhaften sur_face kartografiert und reloziert in die grenzenlosen Felder einer neuen Bedeutung.
Pawel Althamer/PL POLNISCHER KLUB
/ ARBEITER Mit den Arbeiten POLNISCHER KLUB und ARBEITER setzt Pawel Althamer sein Interesse an der Übersetzung von Alltagssprache im Ausstellungskontext fort. Vorübergehend wird der Ausstellungsraum den Mitgliedern des Polnischen Klubs, einer Vereinigung von in Linz lebenden polnischen Gruppierungen, zur Verfügung gestellt. Für die Dauer der Ausstellung RE:LOCATION wird ein Raum des O.K-Centrums als Arena für die gemeinsamen Aktivitäten des Polnischen Klubs umfunktioniert - von Freizeitaktionen über Integrationssitzungen bis hin zu reinen Kulturveranstaltungen. "Animiert" wird dieser Raum durch die Anwesenheit der polnischen nationalen Minderheit - eine Art öffentliches "coming out" als Versuch, einen eigenen Platz und eine eigene Identität innerhalb der bestehenden oberösterreichischen kulturellen und sozialen Umgebung zu etablieren. Das Öffentliche vermischt sich mit dem Privaten, das Politische mit dem Kulturellen, das Nationale mit dem Multikulturellen, und schließlich - oder besser: vor allem, das Reale mit dem Fiktiven ... Ein anderer Teil wird von einer "schmerzhaft" angeeigneten Situation "besetzt", die für viele im Ausland lebende Polen und Polinnen sehr typisch ist: Arbeit an einer Baustelle. Eine Wand des O.K-Centrums wird von polnischen Arbeitern während der Ausstellung WIRKLICH umgebaut. Ihr Arbeitsbereich wird sorgfältig und genau so gestaltet, dass er eine glaubhafte Version einer typischen polnischen Baustelle samt der ganzen lokalen Attribute darstellt: Kostüme/Kleider, Requisiten/Werkzeug, Bühnenbild/Materialen, Schauspieler/echte polnische Immigranten ... Eine solche Oszillation am Rande der Wirklichkeit, die Inszenierung und der Aspekt des "sich bewegenden Bildes" verwenden die Strategie einer Verschiebung zwischen Orten und Rollen bis zu den Extremen der Unheimlichkeit und der Verwirrung. Althamers Zugang zum Konzept Relokation und dem Hauptveranstaltungsort, eine Fläche, führt zur Idee einer neuen Überlegung der Repräsentationsmodi an sich. In diesem Fall geht es um den Modus, der sich auf das Stereotypische sowie das Klischeehafte (der nationalen Unterschiede) konzentriert - die oftmals OBERFLÄCHLICHE Betrachtung einer Person oder einer Gemeinschaft auf Grund der immer zu allgemeinen und flachen Lesung der Tradition und der Geschichte des eigenen Landes, eine Lesung, die das Bild verzerrt und sich von einer Wahrheit entfernt.
Karl-Heinz Klopf/A WAWEL Die Videoinstallation
WAWEL von Karl-Heinz Klopf wurde während seines Aufenthalts in
Krakau, Polen realisiert. Die Arbeit verweist deutlich auf die reichhaltige
Geschichte und Tradition Krakaus, einer Stadt mit besonderer Bedeutung
für die polnische nationale Identität, da sie früher
die Hauptstadt des Landes war und heute noch als geistiges Zentrum betrachtet
wird. Karl-Heinz
Klopf/A ThomasLatzel-Ochoa/A DAS FELD PUBLIC
Ergänzt wird das Projekt DAS FELD, welches das Interesse Latzel-Ochoas an Institutionskritik manifestiert, von der Klanginstallation PUBLIC, die aus anonymen, in einem öffentlichen Schwimmbad aufgenommenen Stimmen besteht. Der Treppenaufgang wird von PUBLIC sowohl metaphorisch (vox populi) wie auch wörtlich (mit den BesucherInnen) "angefüllt". PUBLIC läßt auch die "private", die individuelle "Stimme" des Künstlers in einer Reflexion über den Status von Ausstellungszentren und deren Rolle als "Felder" des künstlerischen Ausdrucks zu Wort kommen.
Dominik Lejman/PL TRESPASSING SCHIFAHRER/INNEN OHNE TITEL Dominik Lejman verwendet
in seinen Arbeiten vielschichtige Strukturen, um ephemere Momente und
Aspekte der Wirklichkeit zu beschreiben. Geprägt ist
Lejmans SCHIFAHRER-INNEN von einer sehr poetischen, ungewöhnlich
subtilen und raffinierten Sprache, welche die Betrachtenden mit ihrer
Transparenz und ihrer spirituellen Dimension unmittelbar verführt.
Einfache Aufnahmen von Schiurlauben in den österreichischen Alpen
werden in eine erstaunliche visuelle Extravaganz verwandelt. Lejmans dritter Ausstellungsbeitrag stellt fotografische Tapeten mit Bildern aus der Wohnung des Künstlers sowie aus dem Innenraum eines Büros dar. Die freskenhaften Flächen weisen auf die weit verbreitete Relokation flüchtiger Orte hin, wobei die Intimität einer temporären Wohnumgebung mit dem anonymen öffentlichen Raum verwoben wird. Domink Lejman/PL
Andi Strauss/A ONTHEMOVE
Auch seine Diplomarbeit resultuiert aus dem Wunsch heraus, ein Environment im typischen "Niemandsland" zu schaffen, z.B. unter einer Autobahn in der Nähe von Linz. Einerseits versucht er, Aufmerksamkeit auf sogenannte Nicht-Orte zu ziehen; Orte, die vernachlässigt, zu wenig verwendet, zu wenig geschätzt, nicht existent sind. Anderseits geht es um ein authentisches Bedürfnis, die Orte, an denen wir normalerweise keine lebhaften Aktivitäten erwarten, zu beleben. Sein Ausstellungsbeitrag,
ONTHEMOVE, bezieht sich wörtlich auf das Konzept der "neuen
Mobilität" - ein typisches Phänomen unserer Gesellschaft,
die aus nomadischen Subjekten besteht und von der Flüchtigkeit
des Zugangs und des Standpunktes geprägt ist.
POLNISCHE NACHT
14.00 Uhr
Nach einer ersten Dekade der beschleunigten Aneignung westlicher Konsumkultur ist Polen mittlerweile dabei, Teil der globalisierten Welt zu werden. Umfasst diese internationale Entwicklung auch Polens Kunstwelt oder wird man angesichts der neuesten Angriffe nationalkonservativer Kreise auf zeitgenössische Kunst das Gegenteil behaupten müssen?
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