| Ars
Electronica 2009 3.9.2009
PRESS (english)
Die CyberArts 2009 vereint die besten und interessantesten Einreichungen des Prix Ars Electronica, des internationalen Wettbewerbs für Computerkunst hervor und sind eine Leistungsschau der digitalen Kunst weltweit. Das OK präsentiert die Preisträgerprojekte und Anerkennungen der Kategorien Interactive Art, Digital Musics und Hybrid Art. Die KünstlerInnen präsentieren ihre Werke vor Ort und sind großteils während des Festivals anwesend. Kennzeichnend für die Arbeiten des heurigen
Jahres ist eine starke Verwebung des realen mit dem digitalen Raum:
Die Arbeiten von Eduardo Kac und Shiho Fukuhara /Georg Tremmel sind nicht nur spannende Beiträge zur aktuellen Debatte um die Gentechnik. Sie zeigen auch die Herausforderungen an den Kunstbetrieb bei sogenannten Projekten der „Bio-Kunst“: Das betrifft die komplexen Genehmigungsverfahren ebenso wie Fragen der Autorenschaft, des Copyrights, des Kunstbegriffs und damit zusammenhängende Grauzonen im Bereich gesetzlicher Rahmenbestimmungen. Auch das Ars Electronica Animation Festival (4. – 8.9.) ist heuer wieder Teil des Programms im OK: knapp 40 Stunden Videoprogramm von experimentell-abstrakten Produktionen, Soundvisualisierung, Short-Cuts und Special Effects bis hin zum klassischen Storytelling. Die OK Night am 5. September startet
um 20.00 im Moviemento Sommerkino mit dem Electronic Theatre,
der Filmshow mit den besten Computeranimationen (2. Vorstellung um
22.30 Uhr). Bei der anschließenden Konzertnacht sind mit dieb13
und Skylla MusikerInnen aus dem klingt.org Umfeld
der Wiener Impro-Szene in Linz zu Gast. Medienkünstler Boris
Kopeinig (aka Boris / Dubsquare Records) spielt ein DJ-Set
im Spannungsfeld von Techno und Dubstep. Während des Festivals Ars Electronica ist
das OK täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr geöffnet. Ab 9. September
09: täglich 11.00 – 22.00 Uhr Sowohl das Pressebüro im OK als auch das Ars Electronica Festivalbüro (+43.732.7272-38) stehen für Anfragen gerne zur Verfügung. Fotos zum Download finden Sie unter www.ok-centrum.at/presse 2. OBERGESCHOSS
Der Perpetual Storytelling Apparatus ist
eine Methode und ein Gerät zur Enthüllung der Beziehungen
zwischen Erfindungen.
Tantalum Memorial nutzt alte Strowger-Telefonschalter,
um eine Skulptur als Denkmal für die mutmaßlich vier Millionen
Menschen zu errichten, die in den seit zehn Jahren dauernden „Coltan-Kriegen“
im Kongo umgekommen sind. Das aus Coltanerz gewonnene Metall Tantal
ist ein zentraler Bestandteil von Mobiltelefonen. Mit Bezug auf das
durch den Coltanabbau verursachte Chaos im Land und die in Folge entstandene
internationale kongolesische Diaspora, wird über die Skulptur
ein soziales Telefonnetzwerk für Kongoflüchtlinge betrieben
– ein konkretes Mahnmal für die sozialen, geografischen
und finanziellen Verwerfungen der Globalisierung.
In der Computertechnologie meint bios
(„basic input output system“) das Modul, das den grundlegenden
Austausch zwischen Hard- und Software koordiniert. Es enthält
also den unabdingbaren Code, die fundamentale Programmschrift, auf
der jedes weitere Programm aufbaut. Wie ein Mönch in einem Skriptorium
kalligrafiert ein Industrieroboter im Lauf von sieben Monaten alle
66 Bücher der Bibel auf Papierrollen. Damit thematisiert die
Arbeit die fundamentale Bedeutung der Schrift für die Religion
und für die Wissenschaft – zwei grundlegende kulturelle
Systeme unserer Gesellschaft.
In the Line of Sight verwendet 100 computergesteuerte
Taschenlampen der Firma Smith & Wesson, die für ihre Feuerwaffen
bekannt ist. Jede dieser Lampen wirft einen Lichtkreis auf die Wand,
alle zusammen erzeugen in einer 10-mal-10-Matrix eine Darstellung
des Quellvideos, das auf einem Videomonitor sichtbar ist. In niedriger
Auflösung werden Videoaufzeichnungen „verdächtiger“
menschlicher Bewegungen projiziert. Wandern BesucherInnen zwischen
Wand und Lichtquelle hin und her, werden sie vom betrachtenden Subjekt
zum Objekt, auf das 100 Lampen gerichtet sind.
Man könnte sagen, dass die Vinylschallplatte,
einst für Edisons Grammophon erfunden, das modernste und feinste
Medium im Bereich analoger Aufzeichnungstechniken ist. Yuri Suzuki
misstraut digitalen Aufzeichnungsformaten, da die digitalen Daten
des Klangs für ihn nichts anderes sind als eine virtuelle Kopie
des existierenden Originals. Deshalb zeigt er eine Serie interaktiver
Arbeiten mit fünf einmaligen und kreativen Möglichkeiten,
Vinylplatten zu verwenden. Es ist eine ironische, spielerische und
positive Art den „wahren“ physischen Wert des Klangs (Physical
Value of Sound) zu genießen.
Automatische Schiebetüren öffnen sich,
wenn der Besucher sich nähert, und schließen sich, wenn
er weggeht – eine allgegenwärtige Erfahrung unseres Alltagslebens.
Mit gleichzeitigen Verbeugungen vor der Ästhetik des Minimalismus
und des Mega-Konsum-Spektakels stellt when laughter trips at the
threshold of the divine („Wenn das Gelächter an der
Schwelle zum Göttlichen stolpert“) eine völlig funktionstüchtige
automatische Schiebetür mitten in einen öffentlichen Park.
Natural History of the Enigma ist ein
von 2003 bis 2008 entwickeltes, von Eduardo Kac initiiertes biotechnologisches
Kunstprojekt. Erschaffen wurde eine transgene Petunie, ein Mischwesen
aus Mensch und Pflanze, in der die entschlüsselte DNS aus dem
Blut des Künstlers eine markante rote Änderung der Blüte
hervorruft. Gewählt wurde für diesen Kunstgriff das für
die Identifikation von Fremdkörpern zuständige Gen. Somit
wird Genomforschung als ebenso ideologisch aufgeladene Kulturaktivität
wie die Kunst hinterfragt. Die Arbeit umfasst eine Skulptur im öffentlichen
Raum, eine Serie von Druckgrafiken, Fotografien, „Samensäckchen“,
ein Video, u.a. www.ekac.org
Bill Fontana hat für den medialen Umgang mit
Geräusch und Klang Maßstäbe gesetzt und dabei das
Hören selbst zum Thema werden lassen: Vor allem Alltagsgeräusche
sind es, die er direkt aus ihren angestammten Situationen live in
andere alltägliche Situationen überträgt. Gegenstand
seiner Arbeit Speeds of Time, Versions 1 and 2 ist die Dekonstruktion
einer der berühmtesten Soundmarks der Welt: des Big-Ben-Glockenschlags.
Live-Sensoren und Mikrofone wurden montiert, um eine räumlich-akustische
Komposition zu generieren. Eine zwölfstündige Mehrspuraufnahme,
die als Acht-Kanal-Klanginstallation realisiert werden kann, erlaubt
das Echtzeitgefühl dieses Kunstwerks nachzuempfinden.
Cosmic Revelation ist ein minimalistisches
Lichtkunstprojekt und wissenschaftliches Experiment zugleich. Mit
einem Feld aus 16 blitzenden Spiegelskulpturen, die mit dem KASCADE-Detektorfeld
des Forschungszentrums Karlsruhe verbunden sind, macht es das Auftreffen
hochenergetischer kosmischer Strahlung sinnlich erfahrbar. Präsentiert
wird Cosmic Revelation direkt im Detektorfeld, kann aber
wie im OK auch ferngesteuert gezeigt werden. Als neue Form der Land
Art verweist das blitzende Feld nicht nur auf die physikalischen Prozesse
in der Materie, sondern auch auf die Schutz- und Dämmfunktionen
der Atmosphäre, die die Grundvoraussetzung für die Entstehung
irdischen Lebens bilden.
Ein Raster von Piezo-Lautsprechern wird verwendet
um ein Ultraschall Signal abzuspielen.
1. Obergeschoss
The Turbulence Sound Matrix: Signe ist
eine komplexe Amalgamierung von Umweltklängen, elektroakustischer
Musik und Klanginstallation. Eine 64-Kanal-Klanglandschaft wird in
einen Galerieraum über acht Türme mit jeweils acht Lautsprechern
ausgestrahlt. Diese schaffen einen nahezu kugelförmigen Hörraum,
in dem der Hörer in eine reichhaltige, sich stets wandelnde Geräuschkomposition
eintaucht: Geräusche von alten Schreibmaschinen, Klänge
eines Konzertflügels, Wind-generierte Sinuswellen. Die Produktion
verarbeitet dabei Heimbeckers Untersuchungsergebnisse von Windstrukturen
und baut daraus eine präzise Geräuschkulisse.
Die interaktive Installation spielt augenzwinkernd
mit dem Blickkontakt zwischen verschiedenen Spezies, gestischer Choreografie,
Objekt-Sein und autonomer Überwachung. Das Projekt besteht aus
einem 2,5 Meter langen Industrieroboter-Arm, der einer gigantischen
Raupe ähnelt. Oberhalb eines Museumseingangs positioniert und
von einem in Echtzeit arbeitenden maschinellen Sicht-Algorithmus gelenkt,
richtet der Double-Taker (Snout) sein überdimensionales
Glubschauge auf die Vorbeigehenden und folgt ihnen wie ein scheinbar
intelligentes Gegenüber.
Evelina Domnitchs und Dmitry Gelfands Performance
Sonolevitation hat die Form eines physikalischen Experiments
auf der Bühne: In einer eigens erzeugten Mikrogravitation werden
Goldblättchen akustisch zum Schweben gebracht und mit wechselnder
Geschwindigkeit in unterschiedliche Richtungen gedreht. Die Arbeit
ermöglicht die Wahrnehmung stehender Schallwellen und reibungsloser
Bewegung.
Default to Public beschäftigt sich
mit der Diskrepanz zwischen dem Gefühl einer Privatsphäre
im Web und der physischen Welt. Es besteht aus einer fortlaufenden
Werkserie, die die physische Welt mit der Online-Welt auf unerwartete
Weise verbinden, um ein Bewusstsein für die Selbstentblößung
zu schaffen. Die Objekte und Interventionen Status Panel, Tweetleak
und Tweetscreen folgen einem einfachen, aber kraftvollen Prinzip:
Information aus dem Twitter-Netzwerk (das für „Information
im Web“ steht) wird in einem anderen öffentlichen Umfeld
dargestellt; die Dokumentation dieses Prozesses wird wiederum in die
digitale Öffentlichkeit eingespeist, und die Autoren der Information
werden über diese Entführung in Kenntnis gesetzt.
EarthStar rückt die elementaren und
mythischen Eigenschaften der Sonne ins Zentrum. Spektakuläre
Filmbilder von der Chromosphäre der Sonne vermischen sich mit
einer nach Ozon riechenden virtuellen Geruchskomposition. Ergänzt
wird der Eindruck durch einen Echtzeit-Soundtrack aus den von der
Sonne ausgestoßenen Radiowellen. Basierend auf Forschungs-experimenten
bietet diese Untersuchung zur Strahlungs- und Vibrationsenergie der
Sonne eine intensive, poetische Erfahrung für alle Sinne.
Ein Pendel durchschwingt den Ausstellungsraum.
Ein Videomonitor, der das Pendelgewicht bildet, bahnt sich seinen
Weg durch den Raum und eröffnet so, aus seiner jeweiligen Position,
den Blick in eine Welt dahinter. Obwohl das Pendel frei im Raum schwingt,
kollidiert es dennoch mit unsichtbaren, aber hörbaren Objekten.
Ein Computer verfolgt die Position des Pendels und fügt es –
im Computermodell – in eine virtuelle Welt ein. Diese Interaktion
zwischen dem Pendel und seiner mathematischen Umgebung liefert das
Quellmaterial für eine dreidimensionale Klanglandschaft.
Am 12. November 2008, eine Woche nach der Wahl
Barack Obamas, gelangte eine Sonderausgabe der New York Times in Umlauf.
Sie kündigte das Ende der Kriege in Irak und Afghanistan, einen
Höchstlohn und ein neues öffentliches Verkehrssystem an
und brachte 14 weitere Seiten mit Berichten, die „wir eines
Tages zu drucken hoffen“. Die neun Monate vorausdatierte Zeitung
stellte eine Vision dar, einen Plan, der detailliert zeigt, was BürgerInnen
gewinnen können, wenn sie sich organisieren und auf eine gerechtere
Welt hin arbeiten. Neben dem international stark rezipierten Projekt
The New York Times Special Edition, sind zwei Folgeprojekte, Ausgaben
von „Die Zeit“ und „International Herald Tribune“
zu sehen.
Corpora in Si(gh)te ist eine Installation,
die auf in Echtzeit verarbeiteten Umweltdaten beruht. Das Umfeld des
OK ist mit einem Netz von Sensoren versehen, die Temperatur, Helligkeit,
Lärmpegel, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und Windgeschwindigkeit
messen. Dieses Sensorennetzwerk bildet das Nervensystem. Die von ihm
zusammengetragenen Daten werden von einem Programm verarbeitet und
in autonom agierende Knoten übersetzt. Diese „Super Eyes“
sind die Keime für die virtuelle Architektur der „Corpora“,
die ein zelluläres, verteiltes Netzwerk aus Knoten darstellen.
Diese reagieren in Echtzeit, wachsen und schrumpfen wie ein Organismus
und überwuchern das OK.
Das Projekt basiert auf der ersten käuflich
erwerbbaren genetisch veränderten Blume, der blauen Gen-Nelke
„Moondust“, die als Schnittblume in aller Welt erhältlich
ist. Shiho Fukuhara und Georg Tremmel haben mit einer Pflanzengewebekultur
genetisch veränderte blaue Nelken rekonstruiert und so auf elegant
einfache Weise den patentierten Gencode gehackt. In Common Flowers
– Flower Commons züchten und „klonen“ die Künstler
im Do-it-yourself-Verfahren aus den kommerziell verwerteten genmanipulierten
Schnittblumen frische Pflanzen. Die Arbeit verweist auf die Notwendigkeit,
auch in anderen Technologie-Feldern über „Open-Source“-Kultur
nachzudenken. Eigens für die CyberArts-Ausstellung wurde die
blaue Nelke im Biolab des Ars Electronica Centers gezüchtet.
Die von Sosolimited für die Debatten zwischen
John McCain und Barack Obama im US-Präsidentschaftswahlkampf
geschriebene ReConstitution-Software zerlegt Polit- und Unterhaltungs–ereignisse
und setzt sie kritisch neu zusammen. Die maßgeschneiderten Programme
und Interfaces bearbeiten audiovisuelle Live-Daten mit Algorithmen,
die z. B. Worthäufigkeiten erkennen. In den Live-Performances
von ReConstitution konnten so unterschwellige Themen und Strukturen
in den Auftritten der Präsidentschaftskandidaten aufgezeigt werden.
Erdgeschoss
Arien für Alle «Der Rosenkavalier»
von Richard Strauss Zwischen März und Mai 2007 übertrugen
im Zuschauerraum versteckte Wanzen die Vorstellungen des Zürcher
Opernhauses an zufällig ausgewählte Zürcher Telefonanschlüsse.
Die neurokonstruktivistische Installation Silent
Barrage (leise Sperrfeuer), überträgt das Verhalten echter
Neuronenaktivität in den Ausstellungsraum und setzt diese dort
dreidimensional in Szene. Die interaktive Versuchsanordnung erzeugt
eine Feedbackschleife zwischen Publikum und Nervenzellkultur. Die
Besucherbewegungen stimulieren die Neuronenaktivität. Die hier
gezeigten Bildstreifen sind Aufzeichnungen derselben und wurden auf
den Säulen der Installation von Robotern festgehalten.
the idea of a tree setzt die verschiedenen
Sonnenverhältnisse eines Tages in dreidimensionale Objekte um.
Länge bzw. Höhe des entstehenden Objekts hängen von
der Anzahl der Sonnenstunden, Dicke und Farbe des Materialauftrags
von der Sonnenintensität des jeweiligen Tags ab. Jedes Objekt
repräsentiert demnach einen Tag an dem Ort, an dem es erzeugt
wurde. Die während des Festivals entstandenen dreidimensionalen
Abbilder verbleiben gemeinsam mit einem Dokumentationsvideo in der
Ausstellung.
Styroporkugeln werden von fünf Gebläsen
in einem großen transparenten PVC-Zylinder umhergeblasen. Nehmen
Sie Platz im Auge des Sturms! In der Mitte – auf dem Stuhl –
ist es ruhig und sicher. So spektakulär sie auf den ersten Blick
erscheint, diese Installation beginnt nach einer Weile einen geradezu
hypnotisierenden Effekt auszuüben, wie eine Meditationsmaschine.
Man kann die scheinbar zyklischen Muster verfolgen, auf die verschiedenen
Ebenen von 3D-Pixeln schauen oder dem an einen Wasserfall erinnernden
Klang lauschen.
Connect, die „eigenreaktive Skulptur“
von Andreas Muxel, bildet komplexe mechanische Akrobatik auf der Basis
sehr einfacher lokaler Rückkoppelungsregeln ab. Eine an beiden
Enden mit Magneten bestückte Karbonstange schwingt scheinbar
ziellos in einem Gitter aus aufgehängten Metallkugeln umher.
Ihre sorgfältig angepasste Frequenz führt zu einem Schwingen,
das irgendwann den Magneten an der Stange an eine der Kugeln schnappen
lässt. Die sich daraus ergebenden Kräfte lösen ein
Ende wieder ab und lassen in der Folge den Stab durch die Matrix wandern. |
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