| PRESSEMITTEILUNG Mai 2001 Candice
Breitz: CUTTINGS Das O.K Centrum für Gegenwartskunst zeigt erstmals eine umfassende Werkschau der eindringlichen, multimedialen Arbeiten von Candice Breitz (SA/USA). Acht Projekte aus den Jahren 96 bis 2001, die internationale Beachtung finden. Furore gemacht hat die 1972 in Johannesburg geborene Künstlerin, die derzeit in New York lebt und arbeitet, 1996 mit den Rainbow Series. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Fotomontagen, in denen schwarze und weiße Körperteile miteinander kombiniert werden um die Problematik stabiler Identitätsvorstellungen und die Gewalttätigkeit von Repräsentationsformen zu untersuchen. In den folgenden Jahren hat sich die Künstlerin konsequent mit der Analyse und "Übersetzung" medial erzeugter Bilder beschäftigt: Fotografien und Filmausschnitte - von National Geographic bis Hustler, von Hollywood Filmen bis MTV - werden als Momentaufnahme' aus einem bestehenden medialen und kulturellen Zusammenhang genommen, (aus)geschnitten, präzise editiert und neu konfiguriert. Die komplexen Fragen der Identitätsbildung und -darstellung, die im Mittelpunkt der frühen Fotoarbeiten stehen, werden auch in den jüngeren Videoinstallationen thematisiert. Diese Installationen zeigen gleichzeitig das zunehmende Interesse Breitz' an den inszenierten Lebensentwürfen der Popkultur und Unterhaltungsindustrie (sie nennt es "scripted life"), deren kulturelle Codes und populäre Ikonen sie mit ihrer Schnittechnik kritisch interpretiert. Wirkungsvoll werden in den Arbeiten von Candice Breitz Filme, Popvideos und Liebeslieder als bekannte Unbekannte neu eingeführt und die BetrachterInnen sind eingeladen, den Ort, an dem öffentliches und privates Gedächtnis aufeinander treffen neu zu bestimmen. Fotoausschnitte, Filmsequenzen und Sprachfiguren werden aus ihrer linearen, vorhersehbaren und einschränkenden narrativen Verklammerung gelöst und auf eine Weise zusammengesetzt, dass sie wie ein Filter wirken und völlig neue Sichtweisen auf den ursprünglichen Zusammenhang eröffnen. Der Sprachfluß wird in Sekundenbruchteile zerlegt und Lauteinheiten zergliedert, Sätze werden aus dem dialogischen Zusammenhang gerissen und die Sprache an den Rand des Verstehbaren getrieben. Multikanal-Installationen
wie Babel Series und Karaoke dramatisieren
auf prägnante Weise, wie sehr unsere alltägliche Erfahrung
durch vermittelte Sprachschablonen geformt wird. Deutlich wird dabei
auch die fundamentale und mitunter bedrohliche Art und Weise, wie das
Vokabular der Mainstream-Medien sowohl die zwischenmenschlichen Beziehungen
als auch die Beziehung zu uns Selbst bestimmt und reguliert. Candice Breitz
wird während der Ausstellung als Artist in Residence im O.K arbeiten
und ihre Ergebnisse am 26.6.2001 im Rahmen der Präsentation NEW
CUTS vorstellen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Presseinformation:
Maria Falkinger, O.K Centrum für Gegenwartskunst OÖ, Dametzstr.
30; A-4020 Linz; +43.732.784178-203; m.falkinger@ok-centrum.at;
http://www.ok-centrum.at
Babel Series (1999) Breitz komponiert ein stotterndes Konzert der ersten Plapperlaute, u.a. mit Madonna, Sting und Prince. In einer Endlosschleife von bruchstückhaften Ausschnitten bekannter Musikvideos leiern die Stars unaufhörlich staccato-artige Wortsilben der Babysprache vor sich her. Die Sprache löst sich auf in eine Serie dissonanter Beats und wird zum wahren Höllenlärm. Den BesucherInnen eine dystopische Spielart der universellen Sprache entgegenschleudernd, verweist die Installation darauf, welchen Herausforderungen die Subjektbildung in einer Welt ausgesetzt ist, in der Kinder die meisten ihrer ersten Worte beim Fernsehen lernen. Karaoke (2000) Die Besucher stehen in einem Kreis von zehn Monitoren. Jeder Bildschirm zeigt ein anderes Gesicht vor einem Karaoke-Musikvideo. Der absolute Mangel an Harmonie, den man erlebt, wenn man inmitten dieses kakofonen Chores steht, verbirgt zunächst die Tatsache, dass alle tatsächlich dasselbe Lied -nämlich Killing Me Softly - singen. Durch die kulturelle Vielfalt der Sänger imitiert die Installation den We Are The World-Utopismus, während sie gleichzeitig über die Opfer und Verluste reflektiert, die mit dem Eintritt des Individuums in eine öffentliche Identität verbunden sind. Four Duets (2000) Ausgangspunkt für Four Duets sind vier sentimentale Liebeslieder, deren Sehnsucht und Nostalgie - verantwortlich für die Generationen überdauernde Beliebtheit solcher Hits wie Close To You von Karen Carpenter oder I Will Always Love You von Whitney Houston - seziert wird. Jedes Duett besteht aus zwei sich gegenüber stehenden Monitoren, die einen verstörenden Dialog führen: Der erste Monitor von "Double Karen" zeigt Karen Carpenter, die in einer verträumten Wiederholung des Textes "me-me-me?" gefangen ist, während der zweite Monitor eine andere Schleife aus demselben Lied abspielt, in der Carpenter ihre melancholische Sehnsucht nach dem anderen mit "you-you-you?" gefühlvoll besingt. Soliloquy Trilogy (2000) In drei Kurzfilmen wird die Aura von Clint Eastwood (Dirty Harry), Sharon Stone (Basic Instinct) und Jack Nicholson (The Witches of Eastwick) destilliert. Ein Großteil des Original- Filmmaterials wurde entfernt und verworfen und die Filme auf die verbalen Momente der jeweiligen Stars reduziert. Soliloquy (Clint) zum Beispiel macht aus Dirty Harry einen sechs-minütigen Film, der ausschließlich aus den Worten, dem Grunzen, Keuchen und Gemurmel von Clint besteht. Diese Laute werde chronologisch so aneinandergereiht, dass ein neuer Film mit einer Länge von weniger als sieben Minuten entsteht, durchzogen von der inkonsequenten Logik des Soundbites.
FOTOKOLLAGEN Group Portraits (2001) Von Werbefotos mit Gruppen- und Zusammengehörigkeitsmotiven wurden die Produkte, für die geworben wird, durch einen bewußt schlampigen Eingriff entfernt. Damit verweisen die Group Portraits auf das Abwesende im Zentrum der Warenwelt und deuten dunkel an, dass unersättlicher Konsum womöglich die einzig verfügbare Verständigungssprache im Schatten des globalen Kapitals sein könnte.
Presseinformation: Maria Falkinger, O.K Centrum für Gegenwartskunst OÖ, Dametzstr. 30; A-4020 Linz; +43.732.784178-203; m.falkinger@ok-centrum.at; http://www.ok-centrum.at
Candice Breitz Geboren in Johannesburg, Südafrika 1972. Lebt zur Zeit in New York. Ausbildung
Einzelausstellungen
Gruppenausstellungen (Auswahl)
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