| Presseinformation OK I BIENNALE CUVEE 09 Ausstellung im OK Kuratoren: Manray Hsu, Martin Sturm
Biennalen sind das wichtigste Format zeitgenössischer Kunstausstellungen. Sie sind Gradmesser und Trendsetter für Gegenwartskunst, experimentierfreudiger und weniger marktorientiert als Kunstmessen. Sie sind der Ort profilierter kuratorischer Statements und bieten zahlreiche Entdeckungen international noch weit gehend unbekannter Künstlerinnen und Künstler. Aktuell lässt sich vor allem ein deutlicher Trend beobachten: Die Kunst ist endgültig in der Postmoderne angekommen. Es gibt keine Vereinbarung mehr darüber, was Kunst heute sein könnte. Kritische Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus findet sich ebenso wie der feste Glaube an die verzaubernde Wirkung der Kunst, Dokumentarismus steht neben Neo-Minimalismus, karge Ästhetik neben „fetter Kunst“. Solche Brüche gab es immer, aber selten so deutlich und augenfällig wie 2008 in Asien. Auffällig auch die internationale Präsenz europäischer Kuratoren und Kuratorinnen – wie etwa bei der wichtigen Triennale in Yokohama, Japan. Darüber hinaus zeichnet sich 2008 auch eine kleine Renaissance der „Alten Meister“ ab: Etablierte Künstler stellen mit ihren Arbeiten viele junge in den Schatten. Bestes Beispiel ist Hans Haackes Seidentuch-Installation WIDE WHITE FLOW, die vor über 40 Jahren entstanden ist und trotzdem überaus zeitgenössisch wirkt. Sie wird in einer eigens auf die Räumlichkeiten des OK zugeschnittenen Version als einer der Höhepunkte der Ausstellung im Großen Saal präsentiert. Insgesamt sind 38 ausgewählte Künstlerinnen, Künstler und Gruppen aus 23 Ländern mit Ihren Projekten in Linz zu Gast. Neben der Ausstellung im OK agieren heuer die Arbeiterkammer OÖ, der Power Tower der Energie AG OÖ und der Wissensturm als Cuvée-Außenstellen. Es werden dort Arbeiten präsentiert, die einen thematischen und architektonischen Bezug zum jeweiligen Standort haben.
Arbeiterkammer
13. März – 26. April 2009 Energie AG 13. März
– 26. April 2009 Wissensturm 13. März
– 26. April 2009
Der Reiz des Cuvée liegt in der Mischung. Die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler können als herausragende Einzelpositionen bestehen, lassen sich aber auch in thematische Gruppen gliedern, die als durchaus repräsentativ für Strategien zeitgenössischer Kunst gelten können. Fünf solche Aspekte werden hier beispielhaft vorgestellt: (1) Neben der zumeist dokumentarisch aufbereiteten, kritischen Auseinandersetzung mit neoliberalen Zuständen spielt das vielschichtige Thema der Grenze eine wichtige Rolle. Grenzgang und Transfer interessieren Juan
Alfredo Aquilizan & Maria Isabel Gaudinez-Aquilizan:
ihre hausartige Installation ADDRESS besteht aus würfelförmig
gepacktem Übersiedlungsgut, in der Art, in der philippinische
Migranten normalerweise ihre Habseligkeiten nachhause schicken. (2) Die Künstlerinnen und Künstler interessieren sich besonders für hybride Gesellschaftsformen, die sich aus der Überlagerung unterschiedlicher kultureller Muster und Verhaltensweisen entwickeln: In eine Art „dritten Raum“ begibt sich
Nevin Aladag mit ihrem Video FAMILIE TECZAN. Die
Familie mit türkischem Migrationshintergrund interagiert scheinbar
mühelos und leichtfüßig zwischen verschiedenen Sprachen
und Kulturkreisen. (3) Am Beispiel ungewöhnlicher Schauplätze und Objekte werden besonders neuralgische Punkte und sensible Ereignisse einer Gesellschaft „dingfest“ und anschaulich gemacht: Einen seltsamen Ort dokumentieren Nina
Fischer & Maroan El Sani: Die nahe Nagasaki gelegene,
unbewohnte Insel Hashima wurde künstlich errichtet. Sie war zunächst
Kriegsgefangenenlager und bis 1974 eine wichtige Stätte des japanischen
Kohleabbaus. Die jüngere Generation nahm die Insel jedoch vor
allem als Schauplatz eines Sciencefiction - Blockbusters wahr. (4) Die visuelle Macht der Bilder und die Konstruktion der Wirklichkeit durch die Medien sind nach wie vor wichtige zeitgenössische Themen. Das Verhältnis zwischen „Sprache“
und „Bild“ untersucht Christopher Thomas Allen
(The Light Surgeons) auf anschauliche Weise, wenn er in seinem DIALOG
zwei Computerterminals in einer Büroumgebung arrangiert. Während
der Text gesprochen wird, sieht man dazu am Monitor rhythmisch abgestimmte,
assoziative Bilder, die über eine Internetsuchmaschine Wort für
Wort generiert wurden. (5) Methoden der Verfremdung, des Transfers von einem Medium in ein anders, der Spiegelung o. ä. sind wichtige ästhetische Strategien der Gegenwartskunst. Beth Campbell reproduziert eine
Raumarchitektur nach der Methode des Endlosspiegels, ohne einen Spiegel
dafür zu verwenden. Die Illusion ist verblüffend.
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