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OK | FRIENDS: TRAUMSTIP 2013 - Elisabeth Falkinger

18. Juni 2013 –
Ort: Außenstelle PowerTower

Traumstipendium

Elisabeth Falkinger hat das Traumstipendium 2013 mit dem Projekt „Mit dem Traktor vom Theresiental (Ukraine) nach Oberösterreich“ gewonnen!

Jury Begründung:

Elisabeth Falkingers Projekt Mit dem Traktor vom Theresiental (Ukraine) nach Oberösterreich hat die Jury aufgrund seiner poetischen und sozial-politischen Dimension überzeugt. Von den 45 Einreichungen wurde die Reise als Ziel in ihrem Projekt am überzeugendsten thematisiert. Eine Reise verbindet Orte, oft in der schnellst möglichen Zeit. Falkinger stellt sich mit ihrer Reise gegen die übliche Zeit- und Aufwands-Ökonomie und bricht die Vorstellung vom Raum als „euklidischen Raumkasten“ mit punktuellen Verbindungen. Langsam, zäh und erdig nutzt die junge Künstlerin ein landwirtschaftliches Gerät, das auch Teil des globalen Lebensmitteltransportes ist, um das Reisethema widerborstig und humorvoll „bodenständig“ zu interpretieren: Sie kauft in der Ukraine einen Traktor mit Schaufel an, um sich mit diesem auf den Weg zurück nach Oberösterreich zu machen. Sie bietet ihre Arbeitskraft an, ist aber auf Unterstützung, auf Unterkunft und Nahrung angewiesen. Es geht um eine existentielle Erfahrung, um eine Reise abseits der direkten und schnellen Wege. Falkinger ist gefordert sich durchzuschlagen, das Wirtschafts-Kulturgut über die Grenzen zu bringen und einzuführen. Das Arbeitsgerät transportiert den Konsumenten/ die Konsumentin über die Grenzen.
Die Künstlerin bezieht sich ua. auf „A Short History of Tractors in Ukrainian“ von Marina Lewycka. Aber auch David Lynchs Roadmovie „Straight Story“ ist naheliegend. Während es bei Lynch darum geht eine Distanz mit einem Rasenmäher zu überwinden um einen Familienzwist beizulegen – verfolgt Falkinger einen künstlerischen Ansatz: Sie will die Reiseroute mit Artefakten, Fotos und Zeichnungen dokumentieren und das Objekt selbst in den Kunstkontext (in die Ausstellung) überführen. Geprägt durch ihre eigene Herkunft von einem Bauernhof im Mühlviertel ist der Traktor für sie nicht nur ein Arbeitsmittel, sondern auch ein Medium um Verbindungen einzugehen und zu pflegen. In einer Art künstlerischen Feldforschung will sie „Traktor-Spuren hinterlassen und Spuren mitnehmen“.

Projektbeschreibung

von Elisabeth Falkinger, Juni 2013

Ich bin ein Kind vom Bauernhof. Aufgewachsen in der Stritzlmühle im Bezirk Rohrbach, ist der Traktor von klein auf das Fahrzeug, mit dem ich meine Heimat in Verbindung bringe. Vom Tretroller, zum Trettraktor – mit Anhänger!, zum Fahrrad, dann zum großen Traktor, später Moped und Auto. Der Traktor war nicht nur eine hilfreiche Maschine, die die Arbeit erleichtert, sondern mit dem Traktor erzähle ich meine Kindheitsgeschichte. Vom Fiat mit Frontlader, in dem mein Vater und ich bei Tiefschnee in den Wald fuhren um Bäume zu fällen. Vorne dran die Gabel, hinten das Gewicht, Motorsäge eingeklemmt zwischen Windschutzscheibe und Armaturenbrett, Zurrgurte und Seile am Boden, Axt und Keile links zur Tür geschnallt. Der Papa am Fahrersitz und ich links neben ihm am Fenster. Nachkommend die Mama, mit einem 28er Steyr mit Anhänger, mein Bruder am linken Kotflügel, Picknickkorb und Sitzunterlagen am rechten Kotflügel. Geplant war die Ausfahrt als Arbeitseinsatz, aber bei genauerer Beobachtung entpuppt sie sich als ein Familienausflug.
Der Traktor wird somit auch ein Medium um Kontakte zu pflegen, Verbindungen aufzufrischen oder einzugehen, sich kennen zu lernen. In meinem Projekt will ich einer alten Verbindung, der vom Theresiental in der Ukraine zu Oberösterreich, nachgehen.
Im 18. Jahrhundert zur Zeit Maria Theresias wurden in diesem Tal Oberösterreicher angesiedelt, um die Holzwirtschaft effektiver abzuwickeln. Diese Gegend ist sehr dicht bewaldet und die Monarchie brauchte Holz zum Floße zu bauen, damit der Salztransport per Wasser und somit schneller abgewickelt werden konnte als mit Pferd am Landweg. Das Teresvatal (Theresiental) ist mindestens 80 km lang, aber durchschnittlich nur 1km breit.

Meine Idee:
Ich werde mir einen Ukrainischen Traktor mit Schaufel in der Ukraine kaufen und zurück nach Oberösterreich fahren. Der Traktor wird im Zuge der Reise mein Transportmittel, mein Zuhause, mein Werkzeug und meine Kommunikation mit der Umgebung.
Ich kann Hilfe anbieten, werde aber auch Hilfe brauchen. Ich kann Transport anbieten, werde aber einen Unterschlupf brauchen. Ich kann damit Arbeit verrichten, brauche aber Nahrung. Der Traktor, der nicht nur eine Arbeitsmaschine ist, sondern auch mein Reisebegleiter, hilft mir die Gegend und Situation in der wir uns befinden bewusst wahrzunehmen. Auf die gegebenen Umstände kann ich mich und den Traktor passend einsetzten damit wir den Weg nach Oberösterreich weiter beschreiten können.
Mir geht es dabei darum, die Situationen Vorort zu erleben, wahrhaftige Feldforschung zu betreiben. Traktorspuren zu hinterlassen und Spuren mitzunehmen.
Inspirationen dafür waren
`A Short History of Tractors in Ukrainian´ (Marina Lewycka, 2005)
`Ähnlichkeit und Berührung´ (Georges Didi—‐Huberman,1999)
`Notationen´ (Andrea Bear)

Der Traktor, das Archiv der Reise:

Weg: 1000 km

Ukraine: Teresvatal –Synevir–Mukatschewe–Uzhhorod (Grenzübergang)
Slowakei: Kosice–Jelšava - Muranska Dlhá Lúka-Trenčín–Drietoma(Grenzüb.)

Tschechien: Bzenec–Třeboň–Boletice—‐Předni Vytoň (Grenzüb.)
Österreich: Schönegg-Lembach im Mühlkreis

Die exakte Wegführung kann ich nicht angeben, da sich dieser erst mit der Reise ergeben wird.
Ebenso die Grenzübergänge, besonders der zu Oberösterreich, sind derweil nur Annahmen.

Zeitraum:
3 Monate für die Fahrt und 2 Wochen zum Suchen des Traktors.
Entweder diesen Herbst oder 2014 ab April.

Dokumentation:
Tagebuch: Zeichnungen, Fotos, Videos, Niederschriften, Sammelstücke, Reparaturen am Traktor, die die Reise wiedergeben. Der Traktor selbst wird zu einem Archiv, das die Reise erzählen kann.

Ausstellung:
Der Traktor wird in der Ausstellung die Plattform, auf und mit der die Reise erzählt und gezeigt wird. Somit kann ich passendes Material von meiner zusätzlichen Dokumentation (Bilder, Texte, Film, Gegenstände) mit einbauen.

Wenn ich 6.000,- Euro für eine Reise hätte, wohin würde ich fahren, um was zu machen?

Es geht um Realisierung von innovativen Ideen und Konzepten, die eine Reise bedingen, darum z.B. die Reise oder den Residency-Aufenthaltes selbst zum Thema zu machen – ein Reisestipendium einmal unkonventionell zu denken!

Das OK friends Traumstipendium macht BEIDES möglich. Die Reise an den Wunschort und eine Ausstellung in der Energie AG. Die Reiseergebnisse werden im Zuge einer Gruppenausstellung, u.a. mit dem Klemens Brosch Preisträger in der Energie AG präsentiert.

Kriterien:

  • es geht um die beste Idee für eine Reise/einen Auslandsaufenthalt und ein damit verbundenes künstlerisches Projekt. Referenz ist das bisherige künstlerische Werk
  • eingeladen sind bildende KünsterInnen
  • eingeladen sind KünstlerInnen mit OÖ-Bezug (lebt und arbeitet in OÖ, geboren in OÖ, studiert in OÖ oder sonstiger plausibel nachzuweisender Bezug)
  • Projekt enthält einen Auslandsaufenthalt
  • Altersbeschränkung: Jahrgang 1978 oder jünger

Einreichunterlagen:

  • Konzeptvorschlag
  • Ein Portfolio über die bisherige Arbeit
  • Kostenschätzung / Kalkulation
  • Ablaufplan über die Art der Realisierung
  • Präsentationskonzept muss vorhanden sein
  • Biografie und ggf. Referenzen

Jury:

Jury 20. Juni 2013:
Franz Prieler, Energie AG; Genoveva Rückert, OK; Rainer Zendron, Kunstuniversität Linz, angefragt: Gabriele Schor, Sammlung Verbund, VALIE EXPORT, Künstlerin

Einreichfrist: bis 18. Juni 2013
Reiseantritt: ab Juli 2013
Das Ergebnis wird voraussichtlich im Herbst 2014 in der Energie AG präsentiert.
Kontakt: Genoveva Rückert, OK Kuratorin
Einreichungen an: v.karner@ooekulturquartier.at

Ausschreibung erfolgt offen online über:

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