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Roman Signer - Werke / Works

Pressemitteilung vom: 29. Mai 2005

ROMAN SIGNER
Werke / works

Presseinformation vom: 29.05.2005

Datum: 04.06.2005 - 24.07.2005

Eröffnung: 03.06.2005 - 20:00

Kuratorin: Genoveva Rückert

Bekannt für seine präzise choreographierte Versuchanordnungen u.a. mit Fahrzeugen, Feuerwerkskörpern und Alltagsgegenständen entwickelt Roman Signer Skulpturen und bezieht, entsprechend seinem erweiterten Skulpturenbegriff, die Zeit als vierte Dimension und formendes Moment mit ein.
Seine Arbeiten sind Untersuchungen elementarer Kräfte und dem Material eigener Energien und Möglichkeiten. Signer bezeichnet sie als Zeitskulpturen oder Ereignisse.
Im Spannungsfeld zwischen Auslösung oder Kraftentladung und dem punktgenauen Ablauf der eigenwilligen, teilweise absurden Kombination und Manipulation von Objekten entwickelt sich der feinsinnige Witz und Charme seiner Werke.

Signers Arbeiten manifestieren sich in unterschiedlichen Stadien und Aggregatzuständen, wobei ein wesentliches Charakteristikum die Prozeßhaftigkeit ist. In den Skulpturen ist meist nur das Endresultat, das Ergebnis des vorangegangenen Prozesses, sichtbar, allerdings sind alle vorhergehenden Werkphasen eingeschlossen. Den Ausgangspunkt bilden Konzeption, Vorbereitung und der Aufbau des möglichen Ereignisses. Die verwendeten Elemente werden gleich einer Versuchsanordnung in die Ausgangsposition gebracht. In der zweiten Phase, dem eigentlichen Transformationsprozess, wird die Anordnung meist vom Künstler initialisiert und nimmt ihren Lauf und die vorbestimmte Bewegung in Raum und Zeit.
Im Gegensatz zu einem performativen Ansatz, in dem das Verbleibende meist als Relikt bezeichnet wird, beinhalten bei Signer die ausgestellten Arbeiten alle zeitlichen Stadien, sind schon „abgelaufen“ oder bleiben „vorläufig“ und enthalten dann noch alle Möglichkeiten der Transformation.
Die bildliche Dokumentation dieser flüchtigen Prozesse oder perpetuum-mobile-artigen Wiederholungen in Foto, Film und Video, meist durch Aleksandra Signer, spielt in Signers Werk eine zentrale Rolle.

Eigens für das O.K und entsprechend der räumlichen Struktur des Hauses hat Roman Signer nun eine große Einzelausstellung mit zahlreichen neuen Installationen und Arbeiten entwickelt.

Das zentrale Element der Ausstellung im O.K Centrum ist Luft in ihrer bewegten und bewegenden Form - als Wind und Kraft, oder gegenständlich als Ventilator und Gebläse.
Neben den Luft- und Wind-Arbeiten, (Schwebender Tisch, 2005; Kanal, 2005; Tisch mit Hut, 2005; Haus, 2004,) beinhaltet die Ausstellung auch Werke mit Wasser (Wasser, 2005; Ski, 2004; Kajak, 2003/2004), wie die fünf in der Bibliothek gezeigten Videos (Frosch 2001, Helikopter auf Brett, 1998, Wasser, 2005, Hotspring 1994); sowie perpetuum-mobile-artig bewegte (Kanal, 2005; Telefonkabine, 2004) und interaktive Arbeiten (Tisch mit Hut, 2005; Haus, 2004). Neben aggressiveren Arbeiten (Rauchertischchen, 2005; Wegweiser, 2005; Schweben in der Kiste, 1999) gibt es welche, wo das Ereignis schon stattgefunden hat (Kabine, 2005; Wegweiser, 2005), welche im Vorzustand, aber auch die dokumentarische Form der poetischen und klaren Fotoserien und Videos (insbesondere Steirischer Wald, 2004).
Roman Signer hat für die Ausstellung eine Choreographie entwickelt: Beginnend mit einer Art „Ferienlager“, im großen Saal führt er uns über die zellenartig konzipierten Räume mit solitären Installationen über den verbindenden Gang zu den Arbeiten, die inhaltlich oder räumlich den Bezug nach Außen öffnen. In der Arbeit „Wasser“, 2005 ergießt sich vom „Mediendeck“ des O.K aus ein Wasserstrahl auf einen vorspringenden Giebel am Dach des benachbarten Ursulinenhofs und schafft so eine Verbindung nach Außen.

Im konzertartigen Zusammenspiel einzelner Skulpturen im großen Saal ist ein Traumbild, ein absurdes Camp, entstanden: Neben Sportgeräten stehen eine Hütte und ein Wegweiser, auf einem Tisch liegt ein Hut. Die Dinge sind ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und haben ein Eigenleben, das der Besucher auslösen kann. Auf Knopfdruck bekommt die Hütte Flügel, wenn sich in der präzise ausgetüftelten Konstruktion unter heftigem Getöse die Dachflächen in der Mitte hochklappen. In orkanartiger Geschwindigkeit lässt sich der Hut verblasen, und weist uns, wie der umgefallene Wegweiser auch, wieder bei der Türe hinaus in die Ausstellung.

Eine geschlossene räumliche Situation stellt sich dagegen in dem benachbarten Projektionsraum dar: Das Video „Schweben in einer Kiste“, 1999 gibt den Todeskampf eines eingesperrten Modellhubschraubers wieder. Man ist geneigt dem Fluggerät ein Eigenleben, etwas Lebendiges, zuzugestehen, wenn man beobachtet wie es sich insektenartig bewegt, sich aufbäumt und langsam verendet.

Ebenfalls animalisch muten die im Windkanal schwebenden, rollenden Lampions im Foyer an. Auf quadratischem Grundriss hat Roman Signer für die neue Installation „Kanal“, 2005 eine umlaufende Wanne gebaut und an deren Ecken jeweils einen Ventilator positioniert. Der erzeugte Wind wird im buchstäblichen Sinne zur treibenden Kraft. In ihrer ruckartigen Bewegung erzeugen die erstmals für eine Arbeit eingesetzten Lampions ein starkes akustisches Moment.

Ein in der Schwebe gehaltener Holztisch befindet sich an einem Punkt höchster Spannung. Durch ein Loch im Boden des Gangs geführt, hält ihn ein starkes Gebläse in einem schwankenden, aber permanent schwebenden Zustand.
Die ebenfalls im Gang angebrachten Fotoreihen zeigen den eigenständigen Charakter des Mediums in Signers Gesamtwerk. Die zwischen 1984 und 2004 entstanden Fotografien, Super-8 Filmstills und Videostills geben in der Serie zeitliche Stadien einer Aktion wieder.
„Stiefel“, 1995 zeigt das Verhalten des Stiefels unter massivem Druck von Kohlensäure. Das Gas zischt aus Gummistiefeln und lässt sie durch den starken Rückstoss wegfliegen. Die „Bücher“, 1984/2004, hat Roman Signer in einem unter St. Gallen durchfließenden Fluss ausgesetzt und auf der anderen Seite durchnässt und aufgequollen wieder eingesammelt. „Ballon“, 1988/2000 zeigt, wie ein Ballon unter einer Eisschicht positioniert, diese durch sein stetig anwachsendes Volumen sprengt und ihn letztendlich frei gibt.

In zwei ehemaligen Klassenzimmern hat Signer jeweils eine Kabine aufgestellt. Durchaus bedrohlich ist die in permanenter Bewegung befindliche Installation in einem der beiden Räume. Die „Telephonkabine“, 2004 ist im Innenraum mit einem Telefonapparat bestückt, der abgehoben das mittels Funkmikro aufgenommene Sausen eines um die Kabine rotierenden Hörers verstärkt wieder gibt.
Die andere, Kabine, 2005, ist eine Holzkonstruktion mit Spuren von Durchschuss und Einschlag in der Wand. Der gesamte, in dieser neuen Zeitskulptur enthaltene Ablauf bedarf der Rekonstruktion. Wir lassen sie in unserer Vorstellung nochmals entstehen, rekonstruieren wie Roman Signer mit geladenem Revolver bewaffnet in den Raum geht, abdrückt; stellen uns vor wie er starkem Druck ausgesetzt ist, wie die Bleiprojektile einschlagen, abprallen und zu Boden fallen.

Fern jeder Raucherdiskriminierung zeigt die Skulptur Rauchertischchen, 2005 einen Vorzustand, die Möglichkeit den Kopf in eine Holzkonstruktion zu stecken um dann den auf eine Zigarette zielenden Revolver auszulösen.

In Installation, 2005 schwebt in der Mitte eines abgedunkelten Raumes ein weißer Luftballon, umgeben vom dröhnenden Lärm von Bomberflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg. Das wiederkehrende Geräusch erzeugt den Zustand einer ständigen Bedrohung.
Der fragile Luftballon ist ein wiederkehrendes Element, ein inzwischen archetypischer Gegenstand im Werk von Roman Signer. Die Arbeit hat einen äußeren, historischen Bezug, aber auch, wie viele Arbeiten einen persönlichen. Wie die wirbelnden Hüte auf einer zugigen Brücke, das Kindheitsbild, das Signer für die Arbeit Tisch und Hut inspirierte, ist das Geräusch herannahender Bomber eines, das Signer noch aus seiner Kindheit vertraut ist. „Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Leben und Kunst. Ich meine, dass die Anregungen für meine Kunst direkt aus meinem Leben und aus meiner Kindheit kommen.“ Es zeigt sich wie eng die Werkstoffe und Elemente mit seinen eigenen Erfahrungen verbunden sind und man beginnt zu verstehen wie elementar und radikal, im Sinne von an die Wurzel gehend, das künstlerische Werk Roman Signers ist.

Roman Signer

geb. 1938 in Appenzell, lebt und arbeitet in St. Gallen
Ausstellungen (Auswahl): "Objekte, Konstruktionen", Galerie Lock, St. Gallen (1973); Kleiner Ausstellungsraum, Künstlerhaus Hamburg (1980); "Schnelle Veränderungen", Künstlerhaus Stuttgart (1985); documenta 8, Kassel (1987); steirischer herbst (1993); Raum aktueller Kunst, Wien (1993); "Neue Arbeiten", Galerie Hauser & Wirth, Zürich (1997); "Alpenblick. Die zeitgenössische Kunst und das Alpine", Kunsthalle Wien (1997); "Ich war hier - I was here", The Swiss Institute, New York (1997); Schweizer Pavillion, 48. Biennale Venedig (1999), Camden Arts Centre, ‘Roman Signer’, London (2001), Sammlung Hauser und Wirth, ‘Roman Signer’, St. Gallen (2003), O.K Centrum für Gegenwartskunst (2005)


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