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Prinzgau / Podgorschek: Fadenbrand - Werkschau

Pressemitteilung vom: 7. Oktober 2004

PRINZGAU/podgorschek
Fadenbrand – Werkschau

Presseinformation vom: 07.10.2004

Datum: 08.10.2004 - 10.11.2004

Eröffnung: 07.10.2004 - 20:00

KuratorInnen: Genoveva Rückert, Martin Sturm

In der Dialektik von Nutzen und Umwidmung, funktionalem und ästhetischem Wert, Vorgabe und Neu-Definition entstehen die pointierten und leichtfüßigen Arbeiten von PRINZGAU/podgorschek.

Die KünstlerInnen halten Ihre Arbeit gerne in der Schwebe – frei von einer Zuordnung in künstlerische Genres bewegen Sie sich zwischen Bildender Kunst, Architektur, Design und Film.
Alles was sie angreifen kann Träger Ihrer künstlerischen Interventionen werden. Vielfältig in ihren künstlerischen Strategien, manifestieren sich ihre Arbeiten in allen möglichen Stadien – vom Entwurf über architektonische Improvisationen bis zum präzise ausgeführten Körpern. Ihr Interesse gilt sozialen und politischen Fragestellungen, sei es Verkehr, Ökonomie oder Arbeitsbedingungen, die sie auf einer symbolischen Ebene verhandeln. Schelmisch hinterfragen sie gängige Wahrnehmungsmuster, bieten irritierende Ansätze und erstaunliche Lösungen, egal ob in kleinteiligen Skizzen oder radikalen großräumigen Konzepten.

Die Werkschau, die im Rahmen des Artists in Residence Aufenthalt im O.K entwickelt wurde, bietet neben der eigens für die Ausstellung erarbeiteten Installation Fadenbrand, 2004 erstmals einen Überblick über die zwanzigjährige Zusammenarbeit und ihr vielschichtiges Werk. Von Arbeiten im öffentlichen Raum, deren wohl bekanntestes das freigelegte Autobahnstück bei Mistelbach (Die Entdeckung der Korridore, 1995) ist, über Multimedia Arbeiten, Objekte, großräumige topographische Planungen bis zu einem breiten filmischen Oevre reicht das Spektrum. Dem filmischen Schaffen ist ein eigener Schwerpunkt gewidmet. Neben dem im O.K Medienstudio erstellten umfassenden Video-Porträt Paarläufer, 2004 wurde das Film- und Videoarchiv neu aufbereitet.

Im Rahmen der Werkschau werden zwei Installationen wieder gezeigt – der ironischer Weise mit the right man at the right place, 1996 betitelte Schussapparat, der ein selbst abgefeuertes Projektil durch ein Rohr direkt am Hinterkopf (in einen Stahlkäfig) aufprallen lässt und die Brunnenskulptur Ressourcengeflecht, 1995, wo Wasser unaufhörlich über einen Turm aus gestapelten Tischen fließt.
Ressourcenverteilung vor dem Hintergrund sozialer Bedingungen von Textilarbeiterinnen in Indien – ist Thema der neu entwickelten Multimedia Arbeit Fadenbrand, 2004. Neben einem Dokumentarfilm über Ihre Recherchereise wird im großen Saal des O.K ein textiler Arbeitsvorgang aufgenommen. Fäden umgelenkt über zahlreiche Spulen ziehen sich durch und aus dem Raum auf den Vorplatz und werden gegenläufig aufgespult. Wie eine Garnmaschine nehmen die sich stetig drehenden Endpunkte über die Dauer der Ausstellung alles Material auf, füllen sich um die eigene Mitte und bekommen eine satte Rundung.

Arenaplatz

Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst und Glück, 2002

Die verzinkte, perforierte Metalltrommel und wurde von PRINZGAU/podgorschek erstmals 2002 im MQ in Wien aufgestellt. Sie ist 39 cm breit, hat einen Durchmesser von 125 cm und ist in zwanzig Sprachen mit dem Titel beschrieben. Die Trommel hat einen Geldeinwurf-Schlitz, enthält zwei Bongos und eine Becken, die das Geldes klingen lassen. Der Einwurf bringt wahrscheinlich Glück – zumindest dem Klang des Geldes nach – und der Erlös unterstützt darüber hinaus u. a. zukünftige Kunstaktionen.

Schlucht

Ressourcengeflechtsturm, 2004

Erstmals realisiert wurde dieser Brunnen für die Ausstellung „Hall20 – der Biß ins Wasser“, 1995, in der PRINZGAU/podgorschek auch in der Rolle der KuratorInnen und als HerausgeberInnen des Kataloges auftraten.
In mehreren Ebenen übereinander gestapelte gebrauchte Tische bilden die Struktur von Ressourcengeflecht. Das Wasser schwappt von den Tischplatten über die in Kübeln stehenden Tischbeine und rinnt über das Becken ab. Der Fluss des Wassers wird zu einer Metapher für Versickern und Umverteilen von Ressourcen.

Saal

FADENBRAND, 2004

Tragen freiwillige soziale Verpflichtungen von Unternehmen in Form von Verhaltenskodizes tatsächlich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Frauen in der 3. Welt bei oder dienen sie nur zur Beruhigung von KonsumentInnen? Eine 2004 von der Frauensolidarität initiierte Reise zu TextilarbeiterInnen in Indien spürte dieser Frage nach.
Die im Westen geschaffenen „Codes of Conduct“, als Instrument zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen, sind eine freiwillige Verpflichtung der Arbeitgeber und haben daher außer als Label oft keine Konsequenzen.
PRINZGAU/podgorschek begleiteten diese Reise und reagierten mit Ihrer mehrteiligen Multimedia-Arbeit „Fadenbrand“ darauf. Unmittelbar wird die Recherche in der entstandenen Video-Dokumentation „Made in Dignity“ aufgearbeitet.
Die im Zuges des Aufenthalts im O.K entstandene Installation im großen Saal nimmt einen textilen Arbeitsvorgang und dessen Ressourcenverteilung auf. Fäden, umgelenkt über zahlreiche Spulen, ziehen sich durch und aus dem Raum auf den Vorplatz und werden gegenläufig auf- und abgespult. Wie eine Granmaschine nehmen die sich stetig drehenden Endpunkte über die Dauer der Ausstellung alles Material auf, füllen sich um die eigene Mitte und bekommen eine satte Rundung.

Made in Dignity, 2004

Video, 35 Min.
Kamera & Regie: PRINZGAU/podgorschek
Schnitt: Tatia Skhirtladze, O.K Medienstudio
Musik: Raga aufgenommen von einem Vortrag von Laura und Daniel Bradley
Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusik, Uni Wien

globe, 2004

Video, 12 Min. (in italienischer, englischer und deutscher Sprache)
Kamera & Regie: PRINZGAU/podgorschek
Schnitt: Gottfried Gusenbauer, O.K Medienstudio
Text aus Giulietto Chiesa, Marcello Villari: Chi comanda l´economia mondiale? Superclan Feltrinelli 2003

Saalfoyer

the right man at the right place, 1996

Kaum abgedrückt, landet die Kugel nach zwei Umdrehungen direkt am Hinterkopf – allerdings geschützt durch eine kugelsichere Stahlplatte. Ein rundes Projektil gleitet durch die spiralförmig angeordneten, konzentrischen Kreisen aus gebogenen Metallrohr und landet in einem Metallkäfig.
Diese Installation wurde 1996 im Studio der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz auf Einladung von Werner Fenz realisiert.

Gänge EG / 2 OG

Die Spuren der leeren Karyatide, 1994

PRINZGAU/podgorschek durchbohrten mit ihren Beitrag zur Ausstellung „Die Augen der Architektur“ 1994 die Geschosse des O.K und setzten dem horizontalen Bau eine Vertikale entgegen. Ein Loch von 40 cm Durchmesser sorgte für freien Flug von Wassertropfen vom Dach bis in den Keller auf eine glühende Stahlplatte. Ihre Arbeit hinterfragt die Situation von „Kunst am Bau“.

2 OG

Entdeckung der Korridore, 2004

Video, 13 Min.
Kamera & Regie: PRINZGAU/podgorschek
Schnitt: Gottfried Gusenbauer, O.K Medienstudio

Entdeckung der Korridore /Discover of Corridors, 1995-1998

Der öffentliche Raum ist ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt von PRINZGAU/podgorschek. Von zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum, Kunst am Bau und Public Art Projekten ist das wohl bekannteste das freigelegte Autobahnstück in Paasdorf bei Mistelbach. Das Autobahnstück wurde an der unter Hitler geplanten Nordautobahn-Strecke, die Wien mit Tschechien verbinden sollte, umgesetzt. 1998 im Rahmen des Programms „Kunst im Öffentlichen Raum“ des Landes Niederösterreich endgültig umgesetzt, wurde das 6x35x4 m große Teilstück geradezu ein Vorzeigebeispiel für Kunst im Öffentlichen Raum.
Das Projekt ist vom Bau bis zur Eröffnung mit der örtlichen Musikkapelle in einem neu bearbeiteten Video dokumentiert. Der Ort hat sich inzwischen zu einem Kultplatz gewandelt und Gegner und Befürworter von Autobahnen zitieren die Arbeit je nach Vorteil und Umstand. Sie gleicht einem lebendigen Zeichen und ist doch ein Grab, von dessen Geschichte ein erhaltener Bohrkern zeugt, eben die Fundstätte einer Autobahn.

Brücke der unvollendeten Harmonie, 2002 – 2004

Die Brücke der unvollendeten Harmonie bildet das konvexe Gegenkonzept zur „freigelegten“ Autobahn. Von der Idee, an der Unterseite einer Autobahnbrücke Fahrzeuge gegen die Schwerkraft zu montieren sind im O.K unterschiedliche Versionen vom Modell über ein Objekt bis zur Installation realisiert.
Das Modell wurde in einer seit 2002 bespielten Auslage in der Glockengasse in Wien gezeigt. Wie in der in Chendu in China 2002 erstmals realisierten Version stehen Verpackungsschachteln für die im Stau stehenden Autos. In der Aula der Universität bildeten mit Verpackungsfolie fest verbunden Stühle der Studentinnen das Gerüst der Brücke. Aus diesem Zusammenhang stammen auch die Wandarbeiten.

Wunderkammer Chaosraum

Objekte, Konstruktionen, Möbel, Architekturen, Überlegungen, Zeichnungen, Collagen, Fotografien, Malereien, Skizzen, Modelle.
Eintauchen in die Welt von PRINZGAU/podgorschek kann man in der Wunderkammer Chaosraum, ihrem ins O.K transferierten Wohn- und Arbeitszimmer. Ihre Arbeiten manifestieren sich in allen möglichen Stadien des Seins – vom Entwurf über architektonische Improvisationen bis zum präzise ausgeführten Körper. Abgehängt von der Decke stapeln sich Modelle und Materialstudien, über den Raum verteilt begegnen uns zahlreiche Collagen, Möbel und/oder Objekte aus dem Fundus. Die oft mehrteiligen Werktitel umreißen den theoretischen Raum auf den sich Ihre Arbeiten beziehen, geben eine Interpretationsrichtung vor und vermitteln gleichzeitig die Arbeitsweise der KünstlerInnen.
In der Dialektik von Raum und Materialität entstehen zahlreiche Konzepte und Utopien der beiden KünstlerInnen, wobei sie bevorzugt alltägliches oder gebrauchtes Material einsetzten.

Kino

Paarläufer, 2004

Video, 58 Min.
Kamera & Regie: PRINZGAU/podgorschek
Musik: Uli Scherer
Schnitt: Gottfried Gusenbauer, O.K Medienstudio

Das für die Ausstellung entstandenen Videoportät umfasst einzelne Arbeiten aus allen Bereichen ihrer zwanzigjährigen Zusammenarbeit. Gerade die Interviews mit PRINZGAU/podgorschek und „WegbegleiterInnen“ wie Susanne Neuburger, Katharina Blaas-Pratscher und Martin Sturm bieten einen Einstieg in das komplexe Werk und ihre Arbeitsweise.

GANG 2 OG Lounge

Filme und Videos, Dokumentationen und
dokumentierte Kunstprojekte, u. a.

Kurzfilme:

Pause (2003)

Pedianten (1989)

normall voll (2002)

Traum und Bewusstsein (1998)

Luigi (1998)

Inoten (1991)

Dokumentatioen:

Die Österreicherin (2000)

Spin (1995)

Dayadik Pier, Canada, Wiener Wohnung (2004)

Porträt:

sneaking in, Donald Richie’s Life in Film

Dokumentation 58 Min.
Kamera: PRINZGAU/podgorschek, Jörg Burger, Regie: PRINZGAU/podgorschek
Schnitt Thomas Korschil
Musik: Christoph Kurzmann, Burghart Stangl
Navigator Film, Stockhaus, 3sat, Redaktion: Udo Bremer (Dokumentation)

Eingangsfoyer

max geht weiter, 2004

O.K Edition von 50 Spazierstöcken
Türklinke (Entwurf Max Bill), Formrohr, Gummistoppel

gebrauchshinweis: mit diesem stock gehen sie und die moderne weiter. er ist ein fort-schritt auf dem weg zur vereinfachung des weit gehens und zur weitgehenden vereinfachung der form. „reduce to the max“ soll – wie die kleinschreibung - auf max bill zurückgehen. bill (1908-1994) entwarf für die hfg ulm 1954 den „bill-türdrücker“. prinzgaupodgorschek verlängerten diesen 2004 zum stock. geistige inhaltsstoffe: konkrete kunst, funktionalismus, abstraktion, minimalismus, serialität, konstruktivismus, bauhaus.
(Text: Wolfgang Pauser)


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