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OK | LABOR: Bill Fontana - Werkschau

Pressemitteilung vom: 5. September 2014

OK | Labor Bill Fontana
Akustische Visionen / Acoustic Visions

4. September – 19. Oktober 2014

Presseinformation vom: 05.09.2014
Datum: 04.09.2014 - 19.09.2014

Bill Fontana, einer der bekanntesten Audiokünstler weltweit entwickelt parallel zum Ars Electronica Festival eine neue Arbeit für den Höhenrausch im OÖ Kulturquartier.

Seit den späten 60er Jahren verwendet Fontana Klang als skulpturales Medium. Er hat seither über 50 Klangskulpturen und 20 z.T. interkontinentale Radioskulpturen geschaffen, mit denen er international große Aufmerksamkeit erregt hat und die 2009 mit der Goldenen Nica des Prix Ars Electronica gewürdigt wurden. Das OK widmet ihm die erste Personale im deutschsprachigen Raum. Die Spannbreite seiner Arbeiten reicht von den legendären Audioinstallationen im öffentlichen Raum, die der Künstler Ende der 80iger Jahre in Graz und Wien mit dem Ö1 Kunstradio produziert hat bis hin zu seinen jüngeren „Akustischen Visionen“ (Acoustic Visions), die neben dem Klang auch das Medium Video einbeziehen.
Im Zentrum der Werkschau steht eine neue Arbeit, die er eigens für die Ausstellung in Linz entstanden ist: Mittels Liveübertragung von Ton und Bild wird das Warmwalzwerk am Werksgelände der voestalpine AG Linz in ein akustisch-visuelles Instrument transformiert.

Linear Visions, 2014
Live 4-Kanal Sound Installation mit Live-Video
Auftragsarbeit: OK Offenes Kulturhaus
Mit der Unterstützung der voestalpine AG in Linz

Bill Fontana transformiert das Warmwalzwerk der voestalpine und überführt die Schwingungen im Raum in eine akustische und visuelle Arbeit. Die Anlagen zur Stahlverarbeitung des Technologiekonzerns voestalpine werden als Instrument verwendet. Ähnlich wie bei früheren Arbeiten macht Fontana zunächst eine Übertragung, die in Folge zu einem Zeitdokument wird. Mit vier versteckten Mikrofonen und einer hoch auflösenden Mini-kamera werden diese Töne und Bilder live ins OK Offenes Kulturhaus übertragen. In dieser Medienarbeit betrachtet eine Videokamera die linearen Bewegungen von Blechen aus heißem, geschmolzenem Stahl, wie sie durch einen Teil des Stahlwerkes der voestalpine rollen. Die Klänge stammen von vier Schwingungssensoren, die auf dem mechanischen Fließband befestigt sind. Dabei schwenkt die Kamera von der gleißenden Walze zu heißen Dampfwolken und weiter zu horizontal dahinfließenden, gelbe und rote Funken sprühenden, heißen Stahlblechen.

Landscape soundings /Klanglandschaften, Wien, 1990
Ö1 Kunstradio - Radiokunst

Für Landscape Soundings wurde in der niederösterreichischen Stopfenreuther Au ein Abhör- bzw. Überwachungssystem mit 16 Mikrofonen installiert. Überwacht und abgehört wurden Vögel, Frösche, Insekten, das Wasser, Flugzeuge, Glocken und zufällig vorbeikommende Menschen. Das Abhörsystem registrierte 14 Tage lang rund um die Uhr sämtliche akustischen Signale und Daten in seiner Reichweite. Die Mikrofone waren an 16 Postleitungen angeschlossen. Diese führten bis zu einer vom ORF errichteten Richtfunkstrecke, mit deren Hilfe die 16 Audio-Signale zum Kahlenberg und von dort ins Kunsthistorische Museum gefunkt wurden. Bei den Audiokanälen handelte es sich um zwei, in kleinere Einheiten aufgeteilte Videokanäle, deren Signale im Kunsthistorischen Museum wieder in Tonfre-quenzen zurückverwandelt wurden, bevor sie an 70 auf dem Platz und an den Museumsfassaden verteilte Lautsprecher weitergingen. Die entstandene Live-Skulptur beinhaltet neben dem Raum des Maria Theresien-Platzes auch alle ORF Radios, die jederzeit in das Geschehen hineinhören konnten und diese Möglichkeit auch intensiv nutzten.

Speeds of Time, London, 2004
[Geschwindigkeit der Zeit]
Acht-Kanal-Sound-Installation
Auftragsarbeit für: The Parliamentary Works of Art Committee, installiert im Palace of Westminster

Bill Fontanas Speeds of Time ist eine musikalische Dekonstruktion einer akustischen Ikone, die ein Symbol für die Zeit selbst ist – des Big Ben in London.
Die Acht-Kanal-Klanginstallation überträgt den gesamten 12-Stunden-Zyklus der Glocken und des Uhr-werks des Big Ben in eine raumgreifende Klangskulptur. Sensoren und Mikrofone wurden im Mechanismus des Uhrwerks und nahe der Glocken positioniert und generierten so eine räumlich-akustische Komposition, in der durch Sound-Überlappungen und Wiederholungen ein musikalischer Raum entstand, in dem sich das Ticken des Mechanismus und das Klingen der Glocken in ständig wechselnden Kompositionen verbanden.

Acoustical Visions, San Francisco, 2012
[Akustische Visionen der Golden Gate Bridge]
Ein-Kanal-Video mit Stereo-Sound

Anlässlich des 75. Jahrestages der Golden Gate Bridge entstand diese Hommage an eine große Ikone amerikanischer Architektur.
Zentrales akustisches Element dieser audiovisuellen Installation sind die großen Nebelhörner der Golden Gate Bridge, die über weite Entfernungen hinweg zu hören sind. Daneben spielt auch der charak-teristische schlagzeugartige Metallklang eine Rolle, der von passierenden Fahrzeugen erzeugt wird und eine konstante asymmetrisch-rhythmische Textur erzeugt. Dieser verbindet sich mit Filmaufnahmen,
die rhythmische Schattenspiele von Autos zeigen, die in einem eigentlich unzugänglichen Wartungsschacht vorbeifahren. Dadurch wird die der Brücke innewohnende Energie als lebendige Struktur sicht- und hörbar.

Harmonic Bridge, Tate Modern, London, 2006
[Harmonische Brücke]
Ein-Kanal-Video mit Vier-Kanal-Sound

Harmonic Bridge beschäftigt sich mit den unzähligen Geräuschen, die sich in der Struktur der Millenni-um Bridge in London verbergen. Ein Netzwerk von Schwingungssensoren wurde auf der Brücke installiert und verwandelt diese in ein großes Saiteninstrument. Ausgelöst durch die Bewegung der Men-schen, die sie queren, spielt es eine wechselnde musikalische Komposition. Diese wurde simultan in die Turbinenhalle der Tate Modern und in die Southwark U-Bahn-Station übertragen und erzeugte dort eine Überlagerung von tatsächlich vorhandener und akustisch wahrgenommener Architektur.

Studies for Acoustical Visions of the Eiffel Tower, Paris, 2012
[Studien für Akustische Visionen des Eiffelturms]
Zwei-Kanal-Video mit Vier-Kanal-Sound

In Eiffel Tower Studies untersucht Bill Fontana die akustische Qualität einer architektonischen Struktur, die wie viele Objekte seines künstlerischen Interesses eine starke visuelle Präsenz aufweist. Durch ein Netzwerk von Sensoren, Mikrofonen und Kameras, die die gesamte Struktur als Ton und Bild fragmentarisch erfassen und an einen anderen Ort transferieren, wird der Eiffelturm in eine audiovisuelle Komposition verwandelt. Zu sehen ist hier ein Teil der Studie einer architektonischen Ikone, deren Realisierung noch in Planung ist.

Desert Soundings, Abu Dhabi, 2014
[Wüsten-Erkundungen]
Ein-Kanal-Video mit Mehrkanal-Sound
Auftragsarbeit: Abu Dhabi Music & Arts Foundation für das Abu Dhabi Festival 2014

Bill Fontanas Methode, verborgene Klänge hörbar zu machen, wird auch in seiner jüngsten Arbeit Desert Soundings, die 2014 in Abu Dhabi entstand, erkennbar. Mit Hilfe von vergrabenen Schwin-gungssensoren erfasst er die Bewegung jedes einzelnen Sandkorns, wodurch die verborgenen Stimmen der Wüste wahrnehmbar werden. Im Kontrast zu den Bildern der Dünen erinnern die Geräusche der vom Wind bewegten Sandkörner an Meereswellen, die sich an der Küste brechen.
BesucherInnen des Höhenrausch erleben diese Arbeit täglich nach 20.00 Uhr im Sommerkino im voestalpine open space.

"I have created many sound sculptures with iconic structures like the Golden Gate, Millennium, Brooklyn and Sydney Harbor Bridges as well as the Finnieston Crane in Glasgow. These projects have all involved creating live networks of embedded microphones and accelerometers on these structures to reveal them as dynamic musical systems. The most recent of these also had video cameras focused on close-up views on a single point that did not reveal the whole structure but rather a visual point of emanat-ing sonic energy that was a micro-view of a far larger sounding universe."
Bill Fontana

Biografie:
Bill Fontana wurde 1947 in Cleveland geboren. Seine Werke wurden u.a.im Whitney Museum of Ame-rican Art, dem San Francisco Museum of Modern Art, dem Museum Ludwig in Köln, der Tate Modern und Tate Britain in London, gezeigt. In Österreich ist Fontana durch seine im öffentlichen Raum wie auch im Ö1 Kunstradio realisierten Live-Klangskulpturen "Sonic Projections from Schloßberg Graz" 1988, "LANDSCAPE SOUNDINGS / KLANGLANDSCHAFTEN", Wien 1990 bekannt.
Beim Prix Ars Electronica 2009 gewann Bill Fontana mit Speeds of Time Versions 1 and 2 eine Goldene Nica in der Kategorie „Digital Musics & Sound Art“ und 2012 das Prix Ars Electronica Collide@CERN Residency.

Öffnungszeiten:
September täglich 10.00 – 22.00 Uhr, bis 19. Oktober täglich 10.00 – 21.00 Uhr


Pressefotos

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Alle Fotos (außer anders angegeben): Otto Saxinger.

Studies for Acoustical Visions of the Eiffel Tower
Studies for Acoustical Visions of the Eiffel Tower
Desert Soundings
Desert Soundings
linear Visions
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