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OK | EXTRA Uni – NOT WELCOME

Pressemitteilung vom: 23. Juni 2016

Ausstellung und Performance

Die Studienrichtung Raum & Designstrategien der Kunstuniversität Linz bilanziert sein Jahresthema Not Welcome mit einer Eröffnungsperformance und einer Ausstellung im OK.
Die engagierte Arbeit der Studierenden mit Flüchtlingen war nicht immer einfach. Umso wichtiger ist nun diese Ausstellung:

Donnerstag, 23. Juni 2016

17:30 Ausstellungseröffnung am Martin Luther Platz (neben Thalia, Landstraße) mit Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, Bürgermeister Klaus Luger, Rektor der Kunstuniversität Reinhard Kannonier und Prof. Ton Matton.

Es spielen bzw. singen, eingezäunt hinter einem originalen Grenzzaun (Installation von Senior Artist Pepi Maier von Raum & Design Strategien), ein Orchester der Anton-Bruckner-Privatuniversität und der E medio cantus Chor das Lied der Freiheit (Gefangenen-Chor aus der Oper Nabucco)

Anschließend ab ca. 18.30 Uhr: Begrüßung im OK (Dametzstraße, ehemalige Tankstelle) durch Genoveva Rückert, OK Kuratorin und Führungen von den Studierenden.

Ausstellungsdauer: 24. Juni – 10. Juli 2016, täglich 10:00 bis 20:30 Uhr,
OK Offenes Kulturhaus, OK Platz 1 und ehemalige Tankstelle in der Dametzstraße, Linz.


NOT WELCOME

… der Nachtzug ist voll, alle Plätze sind besetzt mit Flüchtlingen auf dem Weg nach Schweden. Einige liegen auf den Betten in der Schlafkabine, auch in dem Bett, das ich gebucht habe. Was ist zu tun? …

Als wir uns mit dem Studiengang Raum & Design Strategien für Not Welcome als Jahresthema entschieden haben, ahnten wir weder wie das Flüchtlingsthema über den Sommer 2015 in die Mitte der Europäischen Politik rückten sollte noch, dass ein Jahr später die Grenzen geschlossen sind. Mit unseren Erfahrungen über das Jahr, wurden wir Zeugen eines europaweiten Umbruchs.

Paradoxerweise erleben wir im Gegenzug eine Renaissance der „Willkommenskultur“: wir teilen unsere Wohnungen mit Couchsurfern, öffnen unsere Räume unbekannten Facebook-Freunden, praktizieren direkt gelebte zivilgesellschaftliche Hilfe für MigrantInnen und AsylbewerberInnen, und wollen „teilen, teilen, teilen“ (dem Mantra der Sharing-Economy entsprechend). Gleichzeitig machen wir die Grenzen zu Europa und Österreich zu. Die Berliner Mauer wurde zwar abgerissen, jedoch gibt es mehr Kilometer Grenzzäune als jemals zuvor. Vom abgeschlossenen Privatgrundstück hin zur Gated Community, von „my-home-is-my-castle“ hin zur „Frontex’s Festung Europas“ – aus kleinen Abgrenzungen wurden große Systeme der Abwehr.

Gemeinsam mit AsylantInnen renovierten die StudentInnen das SOS Flüchtlingsheim in Linz, kochten zusammen mit Flüchtlingen in der Hot Welcome Mensa und erforschten die Willkommenskultur in Brasilien, wo Immigration mit nationalem Stolz verbunden ist.

Das Flüchtlingsthema spaltet in der Politik und in den Medien sofort in „-Neonazi-rechts“ oder „-Gutmensch-links“. In der über die Dokumentation des Projektes hinausgehenden Ausstellung Not Welcome zeigen Studierende ihre Arbeiten; engagiert, manchmal naiv, manchmal mit Humor, manchmal einen Tick zu zynisch. Aber immer mit dem Ziel, die Zweifel, die Sorgen, die Möglichkeiten und die Hoffnungen der Flüchtlingsproblematik zurück in die Mitte der politischen Debatte zu bringen.

http://www.calaisjungledoc.com/
http://www.strategies.ufg.at/


Weltweit entstehen Trampelpfade nach Europa (Alena Dostthaler):Menschen versuchen zu Fuß, im LKW (Mahsa Teymouri), PKW, Schlauchboot oder mit dem Fahrrad hierher zu gelangen. Sie haben Angst – Angst vor dem Krieg, Angst vor der Armut. Und sie wollen nach Europa, zu uns, zu dem scheinbar Besten was die Welt zu bieten hat!

Mit Hilfe von verschiedenen Tools werden die zahllosen Grenzen, Hindernisse und Türen mit Seitentoren (Zitat Werner Faymann) überwunden. Strategien werden entwickelt: wie Spezial-Schuhe zum Über-den-Zaun-Klettern, oder ein Loch in den Zaun schneiden (Lukas Kopf); nur das Notwendige an Gepäck im Rucksack (Martha Hofmann), damit man jeden Dornbusch (Sandra Ivanschütz) durchqueren kann; Passbild-Fälschungen auf dem Ausweis (Stepana Cihlova), die Augenform manipuliert für die eye-scanner (Nai-Mei Wei).

Wir haben es geschafft ist der Titel eines auf Lesbos mittels oranger Schwimmwesten entstandenen „Unesco-Monuments“ (Florian Hummer). Aber das war erst die erste Etappe, um in die Wartehallen von Europa zu gelangen (Not Welcome Atlas). Dort steht man erst mal Schlange ( Amanda Augustin, Lorena Höllrigl), es wird einem geholfen (Carina Nimmervoll) oder man wird beschimpft. Schnell wird es doch weniger komfortabel. Europa ist nicht so wie man erwartet, man ist nicht so willkommen, wie es verbreitet wurde. Unsere Arbeit im SOS Mitmensch-Haus in der Rudolfstraße in Linz gibt Einblick in die Asylanten-Zimmer (Arina Zhdanova, SOS Plakate). Man fragt sich, wer hier eigentlich welche Hilfe braucht. Auch in einem netten Zimmer macht das Warten verrückt. Die Uhr tickt, Sekunde um Sekunde, es geht langsam ( Jane Lam). Die erlebten Geschichten sind schrecklich, und es sind viele, sehr viele. Sie verblassen, langsam, sehr langsam werden sie zum Schatten (Jessica Freivoltová, Simon Strobl) und zur Erinnerung (Maya Yosifova, Ka Ying Li).

Die Angst der Flüchtlinge spiegelt sich in der Angst der Europäer, spiegelt sich in uns selbst (Liga Mukane). Sie wird ruchbar: Angstlandschaften (David Simon Dobetsberger), und die Gerüchte-Küche brodelt (Kaja Weniger). Die europäische Willkommensrhetorik ist nicht deckungsgleich mit der gelebten Praxis. Die Brasilianisierung des Westens (Ulrich Beck) warnt vor der drohenden Kluft zwischen Arm und Reich, wie sie Brasilien schon erlebt. Auch in der Abschottung in den Privat-Wohnungen zeigt Brasilien wo die Zukunft hinführt, was wir auch auf unserer Forschungsreise erlebt haben (Franziska Schink, Moritz Oliver Benatzky). Aber anders als in Brasilien, wo zwar keiner abgeschoben wird — dafür viele fast verhungert am Straßenrand leben — rücken auch wir in diese Richtung: Die Studienrichtung konkret mit dem unter dem Mindestgehalt bezahlten Mensa-Koch aus Syrien. Gesellschaftlich entsteht in Europa in der Willkommenskultur eine Polarisierung, die Festung Europa grenzt sich wieder ab. Jedes Bild, das wir zu sehen bekommen, hat eine gute Seite und eine Schatten-Seite (Marie Puls, Yujing Cheng). Die Angst wird umgesetzt in Dünger, der die Debatte füttert (Rudolf Wittmann, Anže Juvan). Wie dumm, es braucht doch Vernunft ( Waleed Qasem). Es braucht Respekt, es braucht Aufklärung (Özlem Aksoy, Larissa Meyer). Es gibt nichts zu lachen! (Melina Brunner); Schnell wird jeder Witz zum Zynismus, Super-Mario als Flüchtling (Michael Dorfer) erzählt von dem Weg und den Gefahren. Wird Agent 008 sich selber retten können, uns retten kommen (Atena Ghaznavi); oder braucht es dazu doch einen Aufstand (Romy Feist)?

Immerhin sind die Flüchtlinge nicht wegen einer Revolution hierher gekommen, auch nicht für kulturelle Experimente beim Wohnen auf 12 m2 (Sebastian Moik), wie schön es auch gebaut sein mag. Sie sind hier, weil sie geflüchtet sind! Sie bringen alle ein Stück ihrer Heimat ( Veronika Platz), ein Häufchen Sand unter ihren Schuhen (Ayan Rezaei) mit. Die Hoffnung liegt in der Weisheit und vielleicht in der beruhigenden Wirkung von Schnee (Elisabeth Holzinger).

Sie sind Welcome to visit NOT WELCOME*

*eine hochaktuelle und einzigartige (Verkaufs-)Ausstellung (Barbara Seyerl) der cutting-edge Artisten von Raum & Design Strategien der Kunstuniversität Linz.

Özlem Aksoy
Amanda Augustin
Moritz Oliver Benatzky
Melina Brunneder
Yujing Cheng
Stepana Cihlova
David Simon Dobetsberger
Michael Dorfer
Alena Dostthaler
Romy Feist
Jessica Freivoltová
Atena Ghaznavi
Martha Hofmann
Lorena Höllrigl
Elisabeth Holzinger
Florian Hummer
Sandra Ivanschütz
Anže Juvan
Lukas Kopf
Jane Lam
Ka Ying Li
Larissa Meyer
Sebastian Moik
Liga Mukane
Carina Nimmervoll
Veronika Platz
Marie Puls
Waleed Qasem
Ayan Rezaei
Franziska Schink
Barbara Seyerl
Karin Stöckl
Simon Strobl
Mahsa Teymouri
Nai-Mei Wei
Kaja Weniger
Rudolf Wittmann
Maya Yosifova
Arina Zhdanova


Pressefotos

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Mahsa Teymouri, 71. Foto: Antoine Turillon
Mahsa Teymouri, 71. Foto: Antoine Turillon
Liga Mukane, Ohne Titel. Foto: Antoine Turillon
Liga Mukane, Ohne Titel. Foto: Antoine Turillon
Florian Hummer, Transnational monument. Foto: Antoine Turillon
Florian Hummer, Transnational monument. Foto: Antoine Turillon