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Dialog III - Re:Location

Pressemitteilung vom: 6. April 2001

DIALOG III
Re:Location

Datum: 07.04.2001 - 15.07.2001

Künstler: Pawel Althamer/PL, Karl-Heinz-Klopf/A, Thomas Latzel-Ochoa/A, Dominik Lejman/A, Andi Strauss/A
Kurator: Adam Budak/PL

Mit RE:LOCATION, der Dialog-Ausstellung OÖ-Polen, setzt das O.K Centrum für Gegenwartskunst eine Reihe fort, die bereits zum dritten Mal oberösterreichischen KünstlerInnen die Möglichkeit gibt, sich intensiv mit der Kultur und der Kunstpraxis eines anderen Landes auseinander zu setzen und sich und ihre Arbeit in einen internationalen Kontext zu stellen.

Eine kleine Gruppe österreichischer und polnischer Künstler erarbeitet ein gemeinsames, stark auf die räumliche Struktur des O.K bezogenes "dialogisches" Ausstellungsprojekt.

Unterschiedliche kulturelle Erfahrungsmuster auf der einen Seite, transnationale, globale Kriterien zeitgenössischer Kunstproduktion auf der anderen Seite bilden den spannungsvollen Ausgangspunkt für diese Projektreihe.

RE:LOCATION in Bezug auf den Ort und die Ausstellungsräume -
RE:LOCATION aber auch als Ab- und Austausch von Standpunkten, Meinungen und Wahrnehmungen.

Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog , der im Rahmen der Polnischen Nacht am 14.6.2001 präsentiert wird.

RE:LOCATION

Jenseits der bereits abgenutzten Dichotomie Innen und Außen bietet RE:LOCATION eine Reihe von Begegnungen mit dem Phänomen der Oberfläche und ihren Variablen. Schwerpunkt der Ausstellung sind die geistigen und physischen Prozesse des Verortens und des neu Ortens in Bezug auf die Oberfläche als Ort des Geschehens, wobei die Oberfläche an sich ein transzendentes Feld ist.

Alle der in dieser Ausstellung versammelten Künstler haben aus meiner Sicht verschiedene Strategien der Relokation in ihren bisherigen Arbeiten angewendet: von Überlagerungen über Abtrennungen, Integration, Akkumulation, Umgestaltungen bis hin zur Transmission. Sie setzen sich ebenso mit einer Vielzahl von Oberflächen auseinander: Die Aspekte reichen von der Fläche einer Leinwand über die endlosen offenen Gänge des öffentlichen Raumes und die rhizomatischen Bildschirm-Landschaften virtueller Environments bis hin zu den scheinbar vertrauten Orten unserer Alltagsumgebung.

Im Umgang mit Fragestellungen, die sich auf Vorstellungen von Raum und Architektur beziehen, pendeln sie zwischen den Prozessen der Identitätskonstruktion und der konstruierten Identität: Immer wieder besuchte und untersuchte Orte werden auf der spiegelhaften sur_face kartografiert und reloziert in die grenzenlosen Felder einer neuen Bedeutung.


Pawel Althamer/PL

POLNISCHER KLUB / Polski Klub

ARBEITER

Mit den Arbeiten POLNISCHER KLUB und ARBEITER setzt Pawel Althamer sein Interesse an der Übersetzung von Alltagssprache im Ausstellungskontext fort. Vorübergehend wird der Ausstellungsraum den Mitgliedern des Polnischen Klubs, einer Vereinigung von in Linz lebenden polnischen Gruppierungen, zur Verfügung gestellt. Für die Dauer der Ausstellung RE:LOCATION wird ein Raum des O.K-Centrums als Arena für die gemeinsamen Aktivitäten des Polnischen Klubs umfunktioniert - von Freizeitaktionen über Integrationssitzungen bis hin zu reinen Kulturveranstaltungen. "Animiert" wird dieser Raum durch die Anwesenheit der polnischen nationalen Minderheit - eine Art öffentliches "coming out" als Versuch, einen eigenen Platz und eine eigene Identität innerhalb der bestehenden oberösterreichischen kulturellen und sozialen Umgebung zu etablieren. Das Öffentliche vermischt sich mit dem Privaten, das Politische mit dem Kulturellen, das Nationale mit dem Multikulturellen, und schließlich - oder besser: vor allem, das Reale mit dem Fiktiven …

Ein anderer Teil wird von einer "schmerzhaft" angeeigneten Situation "besetzt", die für viele im Ausland lebende Polen und Polinnen sehr typisch ist: Arbeit an einer Baustelle. Eine Wand des O.K-Centrums wird von polnischen Arbeitern während der Ausstellung WIRKLICH umgebaut. Ihr Arbeitsbereich wird sorgfältig und genau so gestaltet, dass er eine glaubhafte Version einer typischen polnischen Baustelle samt der ganzen lokalen Attribute darstellt: Kostüme/Kleider, Requisiten/Werkzeug, Bühnenbild/Materialen, Schauspieler/echte polnische Immigranten … Eine solche Oszillation am Rande der Wirklichkeit, die Inszenierung und der Aspekt des "sich bewegenden Bildes" verwenden die Strategie einer Verschiebung zwischen Orten und Rollen bis zu den Extremen der Unheimlichkeit und der Verwirrung. Althamers Zugang zum Konzept Relokation und dem Hauptveranstaltungsort, eine Fläche, führt zur Idee einer neuen Überlegung der Repräsentationsmodi an sich. In diesem Fall geht es um den Modus, der sich auf das Stereotypische sowie das Klischeehafte (der nationalen Unterschiede) konzentriert - die oftmals OBERFLÄCHLICHE Betrachtung einer Person oder einer Gemeinschaft auf Grund der immer zu allgemeinen und flachen Lesung der Tradition und der Geschichte des eigenen Landes, eine Lesung, die das Bild verzerrt und sich von einer Wahrheit entfernt.

Pawel Althamer/PL
geb. 1967, studierte Bildhauerei an der Universität für Bildende Kunst Warschau;
Ausstellungen (Auswahl): European Biennale for Young Artists GERMINATIONS 8 (1994, Academie St. Joost/Hogeschool West-Brabant, Breda; Zacheta Gallery, Warsaw); documenta X (1997, Kassel); manifesta 3 (2000, Ljublana), Foksal Gallery (1996, Warsaw), Kunsthalle Basel (1997), Chicago Museum of Contemporary Art (2001).


Karl-Heinz Klopf/A

WAWEL

Die Videoinstallation WAWEL von Karl-Heinz Klopf wurde während seines Aufenthalts in Krakau, Polen realisiert. Die Arbeit verweist deutlich auf die reichhaltige Geschichte und Tradition Krakaus, einer Stadt mit besonderer Bedeutung für die polnische nationale Identität, da sie früher die Hauptstadt des Landes war und heute noch als geistiges Zentrum betrachtet wird.

Die Arbeit von Klopf zielt auf eine Begegnung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen dem Lokalen und dem Kosmopoliten, zwischen innerhalb (einer Tradition und einer Geschichte) und außerhalb (als die Anwesenheit des kulturell Anderen) durch die Strategie zweier sich überschneidender Bilder: ein bedeutendes Bild für den nationalen Aspekt, das Wahrzeichen - das königliches Schloss WAWEL mit seiner mittelalterlichen und Renaissancearchitektur - und ein einmaliges Bild - das MANGGHA, das japanische Zentrum für Kultur und Technologie, das einzige Beispiel postmoderner zeitgenössischer Architektur in einer so extrem konservativen Stadt, das an die Vergangenheit und das nationale Kulturerbe Krakaus angeheftet wird. Das Bild erscheint in einer verdoppelten Umrahmung: es geht nicht nur um die Architektur, die ein sehr wichtiges Zeichen ist, sondern auch um einen gegenwärtigeren Bezug, nämlich die aktuelle Ausstellung im MANGGHA Zentrum, die sich auf ein sehr populäres Phänomen der japanischen Kultur, die Manggha Zeichentrickfilme, konzentriert.

Gegenüberstellungen von bunten Manggha Animationen mit der Solidität der historischen Bedeutung des WAWELs erzeugen eine ungewöhnliche Spannung. Ergänzt wird das Hauptbild durch Interviews mit drei Bewohnerinnen der Stadt: ein japanisches Mädchen mit Wohnsitz in Krakau sowie zwei polnische Mädchen, wovon eines fließend Deutsch spricht und das andere auf Englisch befragt wird. Sie sprechen über die Rolle sowie den kulturellen, ideologischen und nationalen Wert des Schlosses WAWEL für die Konstruktion der individuellen und der Gruppenidentität. Das Werk Klopfs beschäftigt sich mit dem Thema Relokation in Bezug auf eine Annäherung der eigenen Tradition und nationalen Identität. Es prüft die Bestandteile der Identität und grenzt sie gleichzeitig ein, womit eine Plattform für einen kulturellen "Austausch" von einem nationalen Vokabular gesetzt wird.

Karl-Heinz Klopf/A
geboren in Linz, lebt und arbeitet in Wien.
Ausstellungen (Auswahl): KASCHIERUNGEN Austrian Cultural Institute New York (1992), PLANEN Secession Wien (1993), SPLACE Galerie Stadtpark Krems (1996), CHECK IN/CHECK OUT Za Moca Foundation Tokio (1996), CITIES ON THE MOVE Secession Wien (1997), Kiasma Museum of Contemporary Art Helsinki (2000), PLUG IN Salon3, London (1999), EXPAND (mit S. Kurz) Galerie Grita Insam Wien (2000)


ThomasLatzel-Ochoa/A

DAS FELD
PUBLIC

Das Projekt DAS FELD von Thomas Latzel-Ochoa bezieht sich unmittelbar auf die architektonische und funktionelle Vergangenheit des O.Ks als ehemalige Schule. Es ist außerdem ein interessantes Beispiel einer Rekontextualisierung einer Umgebung: Die "Schlucht" wird vorübergehend in ein herkömmliches, öffentlich zugängliches Basketballfeld verwandelt.

Ähnlich wie Lejman (die Betrachtenden werden beim Eingehen betrachtet) und Althamer (Arbeitsstation/Baustelle) verwendet Latzel-Ochoa eine ready-made Situation: Die BesucherInnen des O.Ks können während der Öffnungszeiten der Ausstellung in ein Basketball-Match miteinbezogen werden. Hier wird eine Freizeitaktivität (Sportfeld) vermischt (oder eher reloziert) innerhalb der (vorgegebenen) Grenzen des Ausstellungsraumes.
Ergänzt wird das Projekt DAS FELD, welches das Interesse Latzel-Ochoas an Institutionskritik manifestiert, von der Klanginstallation PUBLIC, die aus anonymen, in einem öffentlichen Schwimmbad aufgenommenen Stimmen besteht. Der Treppenaufgang wird von PUBLIC sowohl metaphorisch (vox populi) wie auch wörtlich (mit den BesucherInnen) "angefüllt". PUBLIC läßt auch die "private", die individuelle "Stimme" des Künstlers in einer Reflexion über den Status von Ausstellungszentren und deren Rolle als "Felder" des künstlerischen Ausdrucks zu Wort kommen.

Thomas Latzel-Ochoa/A
geb. 1961, Wien;
1995 Universität für Gestaltung Linz;
Ausstellungen (Auswahl): U-TOPOS, Installation, Artspace, Sidney, 1997*; PERIMETER, 6 Projekte im öffentlichen Raum, Waidhofen/Y, 1998* (*Zusammenarbeit mit Katharina Struber); 1999,
Mitglied von S.L.O.W


Dominik Lejman/PL

TRESPASSING
SCHIFAHRER/INNEN
OHNE TITEL

Dominik Lejman verwendet in seinen Arbeiten vielschichtige Strukturen, um ephemere Momente und Aspekte der Wirklichkeit zu beschreiben.
In der Ausstellung RE:LOCATION, die eine besondere Akkumulation von imaginierten Schichten und Ebenen zur Konstruktion von Oberfläche hervorhebt, spielt Lejman mit der Wahrnehmung der BetrachterInnen durch die Überschneidung zweier Projektionen: vorgefilmtes Videomaterial mit Aufnahmen einer anonymen Menschenmenge und eine verzögerte Aufnahme der Betrachtenden beim Betreten des Ausstellungsraumes.
Dabei wird das Private beim Eingang automatisch in das Öffentliche eingetaucht und die einzelnen Besucher und Besucherinnen sind mit der Erfahrung überrascht, dass ihr Bild wie in einem Spiegel reflektiert wird.

Ähnlich wie die Arbeit Althamers, handelt TRESSPASSING von der Bewältigung des Raumes und der Umgebung. Der Raum wird dabei paradoxer Weiser "heimlich" durch die Verwendung "unheimlicher" Mitteln (Überwachungskamera) beobachtet.

TRESSPASSING findet auf der O.K-Rampe statt, einem aufwendig gestalteten "Laufsteg", der den Eingang in das Zentrum erleichtert. Der Zugang hat hierbei die Qualität eines Übergangsrituals, das auf ironische wie auch symbolische Weise auf DAS BESSERE hinführt.

Geprägt ist Lejmans SCHIFAHRER-INNEN von einer sehr poetischen, ungewöhnlich subtilen und raffinierten Sprache, welche die Betrachtenden mit ihrer Transparenz und ihrer spirituellen Dimension unmittelbar verführt. Einfache Aufnahmen von Schiurlauben in den österreichischen Alpen werden in eine erstaunliche visuelle Extravaganz verwandelt.

Die stilistische Relokation einer Freizeitbeschäftigung auf einer flachen leinwand-ähnlichen Fläche ruft Assoziationen mit der Komposition und den Qualitäten der abstrakten Malerei oder mit der frühen cinematografischen Beschäftigung mit Licht und Schatten hervor. Die Arbeiten Lejmans sind an verschiedenen Stellen außerhalb der üblichen Ausstellungsräumen des O.K’s verteilt: vor dem Gebäude (Rampe), im Eingangsbereich, in den Gängen, im Ausstellungsbereich eines anderen Künstlers. Damit wird die vergängliche Natur seiner Arbeiten betont.

Lejmans dritter Ausstellungsbeitrag stellt fotografische Tapeten mit Bildern aus der Wohnung des Künstlers sowie aus dem Innenraum eines Büros dar. Die freskenhaften Flächen weisen auf die weit verbreitete Relokation flüchtiger Orte hin, wobei die Intimität einer temporären Wohnumgebung mit dem anonymen öffentlichen Raum verwoben wird.

Domink Lejman/PL
geb. 1969, ausgebildet an der Academy of Fine Arts in Danzig und am Royal College of Art in London; Ausstellungen (Auswahl): AFTER THE WALL, Moderna Museet, Stockholm, 1999 und Hamburger Bahnhof, Berlin, 2000; LUXURY OF SURVIVAL, Centre for Contemporary Art Ujazdowski Castle, Warsaw, 2000


Andi Strauss/A

ONTHEMOVE

Die Projekte von Andi Strauss zeigen sein Interesse an temporären Orten, die weder eine Identität noch einen stabilen Charakter haben - Gebiete des Nichts, die mit ihren Potentialen und ihrer Offenheit provozieren.

Auch seine Diplomarbeit resultuiert aus dem Wunsch heraus, ein Environment im typischen "Niemandsland" zu schaffen, z.B. unter einer Autobahn in der Nähe von Linz. Einerseits versucht er, Aufmerksamkeit auf sogenannte Nicht-Orte zu ziehen; Orte, die vernachlässigt, zu wenig verwendet, zu wenig geschätzt, nicht existent sind. Anderseits geht es um ein authentisches Bedürfnis, die Orte, an denen wir normalerweise keine lebhaften Aktivitäten erwarten, zu beleben.

Sein Ausstellungsbeitrag, ONTHEMOVE, bezieht sich wörtlich auf das Konzept der "neuen Mobilität" - ein typisches Phänomen unserer Gesellschaft, die aus nomadischen Subjekten besteht und von der Flüchtigkeit des Zugangs und des Standpunktes geprägt ist.

Das pop-up-Schlafzimmer von Strauss ruft sowohl die privaten Erinnerungen an die spielzeughafte Märchenwelt der Kindheit hervor, wie auch einen öffentlichen Kommentar zum flüchtigen Charakter der zeitgenössischen Wohnumgebung.

Die Flächigkeit ist eine raffinierte Version einer neuen Tiefenlosigkeit, die typisch ist für die postmoderne Konzentration auf die Oberfläche als Hauptbereich der Kommunikation und Geschehnisse.

Hier bietet sich die Gelegenheit, einen Grundsatz der Philosophie zu überprüfen: Auf der Oberfläche ist nichts verborgen, doch nicht alles ist sichtbar.

Andi Strauss/A
geb. 1968, lebt und arbeitet in Linz;
Mitglied der KünstlerInnengruppen Time’s up und S.L.O.W.;
Ausstellungen (Auswahl): DER FUSS IN DER TÜR, Künstlerhaus, Wien, 2000; KANTINESTRAUSS, Approbant, Linz, 1999


POLNISCHE NACHT

14.7.2001

im Rahmen des Linz Festes:
mit Live-Musik auf dem Arena-Platz, Videoscreenings und KünstlerInnengesprächen

14.00 Uhr
Grill-Fest des Polnischen Klubs (Unabhängiger Polenverein in OÖ) auf dem Arena-Platz

19.00 Uhr
Vortrag "Neuer Sozrealismus?"
von Goschka Gawlik, Kunstkritikerin und freie Kuratorin in Wien
Nach einer ersten Dekade der beschleunigten Aneignung westlicher Konsumkultur ist Polen mittlerweile dabei, Teil der globalisierten Welt zu werden. Umfasst diese internationale Entwicklung auch Polens Kunstwelt oder wird man angesichts der neuesten Angriffe nationalkonservativer Kreise auf zeitgenössische Kunst das Gegenteil behaupten müssen?

20.30 Uhr
Konzert auf dem Arena Platz
Alchemik/PL
Das polnische Jazz-Ensemble verblüfft das Publikum mit seiner frischen, humorigen Spontanität. Die Gruppe baut überraschende Kontraste, mischt unterschiedliche Stimmungen und vereinigt junge Sounds, Jazz und die Folklore Polen, des Balkans und Skandinaviens.

22.00 Uhr
Video Screenings von zeitgenössischer, polnischer Videokunst:
Anna Baumgart, Mariola Brillowska, Marta Deskur, Maciej Toporowicz, Marek Wasilewski, Piotr Wyrzykowski, Alicja Zebrowska, Artur Zmijewski

24.00 Uhr
Performance
Artur Tajber/PL