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Der Larsen Effekt

Pressemitteilung vom: 7. Dezember 2001

DER LARSEN EFFEKT
Prozeßhafte Resonanzen in der zeitgenössischen Kunst

Datum: 08.12.2001 - 07.02.2002

Verbinden. verdichten. verdrehen. verfälschen. verflechten. verformen. vermischen. verschieben. verschmelzen. vertauschen. verwickeln …

Die Ausstellung Der Larsen Effekt (benannt nach dem dän. Physiker Soren Larsen und bei uns bekannt als das elektroakustische Phänomen der Rückkoppelung zwischen Mikrophon und Lautsprecher) fokussiert auf die Dynamik zeitgenössischer Kunstwerke, welche unterschiedliche Komponenten, Systeme oder Elemente miteinander verbinden, so daß aus der Assoziation, Verdichtung oder Vernetzung Neues entsteht.
Der Titel dient als Metapher und ist ein Bild für die Charakteristik der gezeigten Werke.

Viele der präsentierten Arbeiten basieren auf einem unberechenbaren Zufallsmoment, das wohl von den meisten KünstlerInnen beabsichtigt, aber nicht kontrollierbar ist. Es zeigt sich nicht nur die Bedeutung des äußeren Einflusses auf das finale Kunstwerk, sei es durch unterschiedliche Ortskontexte, soziales Verhalten, individuelle Auswahlkriterien etc. sondern auch ein dynamisches, vitales Moment, das den Larsen Effekt prägt.

Den BetrachterInnen bietet sich der Blick in eine Welt voller Widersprüche: die Auflösung von Zeit und Raum, das Relativieren von Seinszuständen oder die Verschiebung des Ortsspezifischen.

16 internationale KünstlerInnen dreier Generationen sind versammelt. Sie zeigen neben den klassischen Medien wie Zeichnung, Fotografie und Skulptur auch Medieninstallationen, Videoarbeiten und Performances.

Kurator
Moritz Küng ((°1961, Luzern, Schweiz) lebt und arbeitet in Brüssel und Luzern;
studierte Architekturdesign an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam.
Seit 1991 ist Moritz Küng freier Kurator und hat seither über 60 Ausstellungen in Belgien, Frankreich, Deutschland, Holland und der Schweiz kuratiert.

Kooperationspartner
Die Ausstellung erfolgt im Auftrag und in enger Zusammenarbeit von Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain, Dir. Enrico Lunghi und O.K Centrum für Gegenwartskunst OÖ, Dir. Martin Sturm

Das Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain bekannt durch die Ausrichtung der
‘manifesta 2’ (1998)" ist sowohl vom Programm als auch von den Rahmenbedingungen her mit dem O.K vergleichbar. Ähnlich einer Kunsthalle veranstaltet es das ganze Jahr über Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Die dreizehn Räume des umgebauten historischen Gebäudes werden dynamisch genutzt: verschiedene Projekte können so gleichzeitig stattfinden und werden ergänzt durch ein abwechslungsreiches Begleitprogramm, das von allgemeinen und thematischen Führungen über Konferenzen und Gespräche, bis hin zu Begegnungen mit zeitgenössischer Musik reicht.
www.casino-luxembourg.lu

Im Rahmen der Ausstellung stellt sich das Casino Luxembourg mittels Literatur, Video- und Audiodokumentationen in Linz vor; das O.K wird sich im Frühjahr in Luxemburg präsentieren.

Katalog
Ein reich illustrierter Katalog mit der Dokumentation sämtlicher Arbeiten sowohl im Casino Luxembourg als auch im O.K erscheint Mai 2002 und wird in Luxemburg präsentiert. (Triton Verlag, 26,— Euro)

Kunstvermittlung und Führungen:
Nach Anmeldung bietet das O.K Vermittlungsteam speziell konzipierte Führungen und Vermittlungsprogramme an;
Tel: +732.784178-243, Fr. Mayr)
An Wochenenden steht das Team interessierten BesucherInnen für Kunstauskunft zur Verfügung, zu dem wird Samstags und Sonntags jeweils um 15.00 Uhr eine allgemeine Führung angeboten (ohne Anmeldung und ohne zusätzliche Kosten)

Weihnachtsöffnungszeiten:
24.12.2001 und 31.12.2001 (MO) geschlossen
25.12.2001 und 01.01.2002, 13.00 - 20.00 Uhr
ansonsten reguläre Öffnungszeiten (10.00 - 18.00 Uhr)


Sven Augustijnen/B

Erika, Guido, Johan, Rudi…, 2001

DVD, 20’, Courtesy Künstler, Bruxelles, Koproduktion Huis a/d Werf, Utrecht;
OK Centrum, Linz; Casino Luxembourg

Der für die Ausstellung produzierte Film ‘Erika, Guido, Johan, Rudi…’ von Sven Augustijnen deckt dynamische Aspekt von Sprache auf.
Als Filmemacher untersuchte Augustijen wiederholt den Grenzbereich zwischen Dokudrama, Human Interrest und Fiction. Er stilisierte seine letzten Filme ‘Iets op Bach’ (1998, BetacamSP, 37’, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück des belgischen Regisseurs Alain Platel von Les Ballets C. de la B.) oder ‘L’école des pickpockets’ (2000, Video, 50’, basierend auf der erfundenen Tatsache eines Ausbildungszentrums für Taschendiebe) so, daß Dokumentarfilm, voyeuristisches Home-Movie, Fact und Fiction nicht mehr auseinander zu halten waren. In seinem für die Ausstellung "Der Larsen Effekt" produzierten Film nähert sich der Künstler dem narrativen Aspekt auf einer mehr konzeptuellen Ebene.

Aphasie ist eine oft durch einen Gehirntumor verursachte Erkrankung, welche das Erinnerungsvermôgen antastet. AphasiepatienInnen können durch diese semantische oder interpretative Störung bestimmte Gegenstände wohl erkennen aber nicht richtig zu- bzw. unterordnen. So wird zum Beispiel von Johan im Film ein ‘Schlüssel’ als ‘Frau’ angesehen.
Sven Augustijnen nutzt die Anwesenheit bei verschiedenen Therapien dazu, das Medium selbst - die Kamera, das Filmen - Teil der Therapie werden zu lassen, wobei das Medium zum Feedback wird.

Sven Augustijnen (*1970/B, Mechelen)


Pierre Bismuth/F

Alternance, 1999

4 Kanal Videoprojektion, DVD, variable Dimensionen, Courtesy Lisson Gallery, London

Link (work in progress), seit 1999
Videoarbeit auf Monitor, Courtesy Lisson Gallery, London, basierend auf dem Film ‘Sleuth’, 1972 von Joseph L. Mankiewicz, 138’,

Das Phänomen der parallelen Weltkonstruktion zeigt sich in den beiden Arbeiten ‘Alternance’ (1999) und ‘Link’ (work in progress ab 1999) von Pierre Bismuth. Er entwirft ein Szenario das konzeptuell durch Zeit, Raum und Zufall bestimmt wird. In der 4-Kanal Videoprojektion ‘Alternance’ überlagern sich alltägliche Handlungsabläufe mit regiessierten Szenen. Eine fixe Kamera filmt wiederholt das Geschehen rund um die Metrostation Chatelet auf dem Place Sainte-Opportune in Paris. Unter den anonym zirkulierenden Passanten befinden sich einige Schauspieler, die bei jedem ‘Take’ exakt dieselben, ebenso alltäglichen Handlungsabläufe ‘spielen’ und wiederholen. Die Betrachtung der ‘verdoppelten’ Handlungen auf den scheinbar identischen vier Videoprojektionen erweckt den Eindruck, als ob sich das Pulsieren der Stadt verzögert, ähnlich wie bei einem Echo.

Kontinuität und Diskontinuität bilden ebenfalls ein zentrales Thema in der Videoarbeit ‘Link’, allerdings scheint sich hier alles zu beschleunigen. Als Ausgangspunkt und Basismaterial dient dem Künstler der Filmklassiker "Sleuth", (dt."Mord mit kleinen Fehlern") von Joseph L. Mankiewicz aus dem Jahre 1972 (mit Michael Caine und Laurence Olivier). Für das ‘Remake’ - der bestehende Film wird nochmals abgefilmt - werden Produktionspartner gesucht, die für Pierre Bismuth jeweils 170 Sekunden des im Original 138 Minuten dauernden Filmes ‘produzieren’. Jeder einzelne Take des Originalfilmes wird sodann auf stetig wechselnden Fernsehmonitoren in verschiedenen privaten Wohnungen nochmals Szene für Szene gefilmt, bis der Originalfilm zu Ende ist.
Diese Arbeit, zeigt also eine chronologische Aneinanderreihung von allen ‘Takes’ in verschiedenen Interieurs.

Beide Arbeiten introduzieren eine doppelte Dramaturgie, welche den Ort der Handlung paraphrasiert und dessen Wahrnehmung verlangsamt bzw. beschleunigt.

Pierre Bismuth (*1963/F, Meudon)


Manon de Boer/NL

Mind Mapping

(Ausstellungsversion), Cd-Rom, 2001
PC, Projektion, Büchergestell (210 x 280 cm), Dummy’s, varaible Dimensionen,
Courtesy Galerie Jan Mot, Bruxelles

Von Manon De Boer wird zum ersten Mal die Ausstellungsversion der ursprünglich für die Flämische Bibliothek in Brüssel konzipierten und dort als fixer Teil des Besucher-Informationssystems integrierten Arbeit ‘Mind Mapping’ (2001) gezeigt.

Manon de Boer fragte 30 Personen - teils FreundInnen, teils unbekannte UserInnen - eine Top-Ten Liste ihrer bevorzugten Bücher, CD’s und Videos aufzustellen und sich selbst kurz zu umschreiben (z.B. als transparente Frau, Bibliothekscasanova, Taugenichts etc.).
Aus diesen Listen destillierte die Künstlerin fiktive Porträts; "fiktiv" weil solche Listen immer Momentaufnahmen sind und der/die Porträtierte nur über Treffwörter beschrieben und nicht namentlich genannt wird.
Alle Bücher, CD’s und Videos die sowohl in den 30 Listen als auch im Bestand der Bibliothek vorkommen, sind mit Aufklebern versehen, die wiederum auf das jeweilige Porträt bzw. das Projekt ‘Mind Mapping’ verweisen.

In der Integration von individuellen Erinnerungen realer aber abwesender Personen trifft der/die BibliotheksbenutzerIn auf verschiedene Porträts und somit verschiedene kulturelle Referenzkader und Geschichten, die auf Computerterminals abgerufen werden können. Die ersten 15 sind zudem mit Text-, Bild- und Tonfragmenten versehen, die über Links wiederum auf andere Titel und Porträts verweisen. Die Bibliothek und all ihre BenutzerInnen werden so ein Teil eines Meta-Porträts kultureller Referenzen.

Manon De Boer (*1966/NL, Kodaicanal, India)


Gerhard Dirmoser/A

Denken - Ein Netzwerk, 1996-2001

83 Zeichnungen (21 x 29,7 cm) auf 6 Tischen (80 x 194 x 70 cm), variable Dimensionen,
Courtesy Künstler, Linz

Performance Art Context, 2000-2001
Poster aus 4 Ink Jet Prints, 240 x 168 cm, Courtesy Künstler, Linz

Gerhard Dirmoser ist Informatiker und versteht sich nicht als Künstler im eigentlichen Sinne.
1999 realisierte er aber in Zusammenarbeit mit dem Künstler Boris Nieslony das monumentale Diagramm ‘Performance Art Context’, das ein vielfältiges Bezugsnetz unter KünstlerInnen, AutorInnen, VermittlerInnen, Institutionen, Galerien etc. herstellt und anhand von 64 Ansichten zweitausend Statements über Performance-Strategien zeigt. Dadurch wird das Diagramm selbst Teil des von ihm dargestellten Kontextes.

‘Denken - Ein Netzwerk’, an dem Gerghard Dirmoser seit 1996 gearbeitet hat, wurde eigens für die Ausstellung fertiggestellt. Das Projekt schematisiert und visualisiert das Denken an sich und bringt 1670 Denkbegriffe und 7000 sogenannte Vernetzungskanten zusammen, die auf über 30 Begriff-Plateaus geordnet sind: räumliches, zeitliches, bewegtes / musikalisches, akustisches / ethnologisches, anthropologisches, asiatisches, anthroposophisches, religiöses / unternehmerisches, werbendes / zu ‘Flusser’ / erfahrungs / strukturales, implizites / ganzheitliches, ordnerisches Gedächtnis / athmosphärisches / forschendes / kontextuelles / philosophisches, vernünftiges / technisches, wissenschaftliches, informatisches, mediales / mimetisches / morphologisches / Kunst theoretisches, sprachliches, schriftliches / ‘zu Wahrburg’, physiognomisches / kreatives, leidenschaftlich wissendes / körperliches / pädagogisches, alltägliches / feministisches / androgynes / politisch ethisches / ästhetisches / psychoanalytisches, psychologisches / dunkles wildes / und materielles Denken.

Beide gezeigten Arbeiten bewirken einen Loop-Effekt, ein sich kontinuierliches Verstricken und Verlieren im Netzwerk. Das Feedback entsteht in erster Instanz mit dem Publikum, das während des Lesens selbst Teil des dargestellten Systems über Denkwelten oder Performance-Strategien wird.

Gerhard Dirmoser (*1958 / A, Linz)


Dan Graham/USA

Yesterday/Today, 1975

Videokamera, Audioaufnahmegerät, Monitor, Lautsprecher, variable Dimensionen, Sammlung Van Abbemuseum, Eindhoven

Bereits die ersten Arbeiten von Dan Graham, der nacheinander Galerist, Kritiker, Photograph, Performer, Videokünstler, Künstler-Architekt und Künstler-Historiker war, untersuchten soziopsychologische Interaktionsprozesse: 1969 mittels Performances, 1970 mit Videokamera und -monitor und ab 1974 mit Videoinstallationen, in denen er die Begriffe von Identität, Subjektivität und Objektivität in Frage stellte.

‘Yesterday / Today’ trennt die beiden Kontinuitäten (Bild und Ton) voneinander um sie zeitlich verschoben (gestern und heute) erneut wieder zusammen zu führen. Auf einem Monitor in einem öffentlich zugänglichen Raum sind in Direktübertragung die alltäglichen Handlungen aus einem benachbarten ‘privaten’ Raum (O.K Sekretariat) zu sehen. Das Bild auf dem Monitor wird von der entsprechenden Geräuschkulisse ergänzt, welche aber exakt 24 Stunden vorher zur gleichen Zeit aufgenommen wurde und als Play-Back abgespielt wird. Beide Kontinuitäten, welche denselben zeitlichen Ablauf haben, können gleichzeitig oder voneinander getrennt betrachtet werden, wobei nicht auszuschließen ist, daß zufälligerweise Bild und Ton, Handlung und akustisches Ambiente sich ergänzen und synchron verlaufen.

‘Yesterday / Today’ verschränkt auf einfachste Weise zwei unvereinbare zeitliche Größen - Vergangenheit und Gegenwart - und läßt daraus eine unwirkliche, neue Dimension entstehen.

Dan Graham (*1942/USA, Urbana, Illinois)


Margarete Jahrmann & Max Moswitzer

Objectiles - http://www.climax.at, 2001

Machinima-Movie, Data-Objectiles , Flat-Screen, variable Dimensionen,
Courtesy Künstler, Wien

Das ‘Objectile’ ist ein aus der Datenmasse eines Netzwerkprogrammes destilliertes taktiles Objekt. Es transformiert abstrakte Information in eine dreidimensionale Gestalt. Dieser Datenkörper ist ein Äquivalent zum gerade ablaufenden Programm, es übersetzt also einen Feedbackprozeß auf den Bildschirm.

Durch das Bewegen der Maus dringt man in die Netzstruktur vor, durch das Anklicken wechselt man die drei ‘internen’ Kamerastandpunkte. Die Software des Films basiert auf verschiedenen, sogenannten "Game-Engines" die im Netzwerkprotokoll laufen. Die Bildästhetik des Films ergibt sich einerseits aus dem zufälligen Zusammenspiel der einzelnen Programme (zu vergleichen mit einem Ping-Pong Spiel) und dem spontanen Einwirken des Betrachters mittels der Maus.
Die gezeigte Arbeit verbindet also mehrere Rückkopplungen auf verschiedenen Ebenen: abstrakte Dateninformation wird einerseits virtuelles Ambiente und andererseits konkrete Masse.

Margarete Jahrmann (*1967 / A, Oberwart)
Max Moswitzer (*1968 / A, Wien)


Daniela Keiser/CH

Felloni & Buonvicini, 1999

variable Dimensionen, 23 Textblätter (21 x 29,7 cm) auf 11 Tapeziertische 61 x 100 x 72 cm),
23 Stühle, Kartonplattenwände, CD-Player, Boxen (Stimmen: Silvia Buonvicini),
Courtesy Galerie Stampa, Basel

Wie sehr sprachliche Begriffe dehnbar, respektive verschieden interpretierbar sind, zeigt sich in der Arbeit ‘Felloni & Buonvicini’ von Daniela Keiser.
In einem offenen, aus Kartonwänden gebauten ‘Modellraum’ liegen auf aneinandergereihten Tapeziertischen 23 Textbläter. Es handelt sich dabei um Übersetzungen eines Polizeiprotokolls über ein Geldfälschungsdelikt, welchem die Künstlerin selbst zum Opfer gefallen ist.
Die Polizeiakte wurde nacheinander vom italienischen Original ins Deutsche, Schwedische, Türkische, Tschechische, Französische, Japanische, Kurdische, Russische, Englische, Romanische, Spanische, Arabische und zwischendurch einige male ins Deutsche übersetzt.
Beim Lesen der Protokolle werden die, durch das wiederholte Übersetzen entstandenen, leichten oder gravierenden Verschiebungen des Sinns sichtbar. Die Textquelle wird zur Quelle von Mehrdeutigkeiten, Missverständnissen, Umdeutungen und Verkürzungen, welche nicht zuletzt auf den verschiedenen Sprachkulturen basieren. " … UNA BANCONOTA DA 50.000 lire italiane (Cinquantamilalire), avente raffigurato numero di derie MB 363993R, perchè ritenuta presumibilmente falsa." wird in der Deutschen Übersetzung zu "Eine 50’000 Lire Note (fünfzig tausend) mit Serien-Nummer MB 363993R, die man angenommen hat, es sei eine Fälschung." Wie Hans Rudolf Reust richtig bemerkt kann hier die Übersetzung verschieden interpretiert werden: heißt es nun ‘von der man angenommen hat, es sei eine Fälschung’? oder ‘die man angenommen hat, wohl wissend, dass es eine Fälschung ist.

Die Mehrdeutigkeit der Sprache in der globalen Kommunikation wird hier aufs deutlichste sichtbar; anhand der ‘sich verfälschenden’ Urkunde eines Fälschungsdeliktes aber auch relativiert und persifliert.

Daniela Keiser (*1963/CH, Neuhausen am Rheinfall)


Dieter Kiessling/D

ohne Titel, 1997

3 Videokameras, 3 Stative, 2 Videomischer, Monitor, Sockel, variable Dimensionen
Courtesy: Rolf Hengesbach, Raum für aktuelle Kunst, Wuppertal

Die Videoinstallation von Dieter Kiessling entwickelt in der medialen Überlagerung verschiedener räumlicher Konfigurationen eine Art geschichtetes Panorama.
Drei identische Videokameras auf Stativen sind in einer gleichschenkligen Dreieckanordung so aufgestellt, daß jede der drei Kameras im Uhrzeigersinn ihr gegenüberliegendes Pendant filmt. Die drei Aufnahmen werden digital gemischt und auf einen einzigen Monitor übertragen. Da die Kameras symmetrisch zueinander installiert sind, ist ihr jeweiliges Abbild auf dem einen Monitor deckungsgleich. Durch die vollkommene Überlagerung wird deren Sichtbarkeit medial auf nur eine reduziert, im Gegensatz zu den gleichzeitig registrierten Umräumen der Kameras, die sich übereinander schieben und einen neuen virtuellen Raum bilden. Indem die verschiedenen Dialogpartner (Kameras und Monitor) voneinander getrennt sind, sich aber in einem Bild vereinen, entsteht eine Tautologie des "räumlichen Raumes", zwischen den sich die Betrachterinnen und Betrachter auch selbst hineinschieben können. Im Gegensatz zu dem sich endlos verschachtelnden Raum wird hier der Raum ‘aufgefächert’.

Kiessling ist weder am Narrativen noch am Didaktischen des Mediums interessiert. Im Gegenteil, mit seinen Arbeiten versucht er das Medium zu überlisten und es spielerisch auf sich selbst zurückzuwerfen.

Dieter Kiessling (*1957/D, Münster)


Ken Lum/CAN

Mirror Works, 1998

Spiegel, Holz, Fotos, 46 x 37 cm resp. 137 x 100 cm,
Courtesy: Andera Rosen Gallery, New York

Ken Lum führt uns den Spiegel sowohl als Gegenstand als auch als Metapher der räumlichen Spiegelung vor. Indem mehrere ‘Mirror Works’ (1998) zueinander in einem Verhältniss der Korrespondenz gehängt werden, thematisiert er einerseits den Bildraum durch den einfachen Akzent des Holzrahmens und dekonstruiert andererseits den Umraum, der sich vielfältig verzweigt und endlos ausweitet.

"The mirror is an utopia as much as it is a place without a place. In the mirror I see myself where I am not: in an unreal space which appears virtually behind the surface; I am there where I am not, a kind of shadow that endows me with my own visibility, shows me where I am absent. But the mirror sends me back to the place I am actually occupying; from the mirror I discover myself to be absent in the place where I am, as I see myself there".

Die vom Künstler hinzugefügten, anonymen Familienfotos, welche in den Holzrahmen gesteckt sind, schaffen eine weitere Bedeutungsebene, die wie ein narrativer Schleier zwischen Raum und Raumspiegelung hängt. Das eigene Gegenüber (das andere Ich im Spiegel) verstrickt sich in der sentimentalen Umgebung ‘fremder’ Snapshots. Realiät und Fiktion, Schichtung und Ge-Schichte, Vorder- und Hintergrund verschmelzen ineinander.

Ken Lum (*1956 / Can, Vancouver)


Matt Mullican/USA

Psycho Architecture: Experiments in the Studio November 5th - 7th 2001
(useless motivation / shooting / playing with color and light / motivation / not waking up), 2001

Performances unter Hypnose, Projektion und Video auf Monitor
Courtesy: Künstler, New York
Produktion O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz / Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain, Luxemburg

Untitled - Bulletin Board of Vintage Photographs, 1971-2001
122 x 244 x 6 cm
Courtesy: Mai 36 Galerie, Zürich / Klosterfelde, Berlin

Untitled - Bulletin Board of Working Database Material, 1995
122 x 244 x 6 cm
Courtesy: Mai 36 Galerie, Zürich / Klosterfelde, Berlin

Die für die Ausstellung produzierten Hypnose-Performances "Psycho Architecture: Experiments in the Studio November 5th - 7th 2001, 2001" von Matt Mullican, welche als Videoaufzeichnungen und auf Monitoren präsentiert werden, wird die subjektive Weltkonstruktion thematisiert. Im Gegensatz zu seinen ersten Hypnose-Performances zu Beginn der 70er Jahre (‘Drawing the Outline of My Family’, 1973, CalArts, Valencia, Californien / ‘Untitled (Entering the Picture)’, 1973, Project Inc. in Boston / oder jener neueren Datums ‘Pattern / Spa / Lecture’, 1998, Festival a/d Werf, Utrecht) bezieht sich der Künstler zum erstenmal auf die Medien (Fernsehen, Licht, Musik, Literatur) um so ein Referenzfeld verschiedener Realitätseinflüsse abzustecken.
Im Gegensatz zur Hypnose in der Psychterapie behält in der Performance der Künstler die Kontrolle bzw. die Regie über vorweg abgesprochene Suggestionen. In der Hypnose, die hier mit einem Trancezustand vergleichbar ist, ‘surft’ der Künstler mental zwischen Wirklichkeiten und Fiktionen, zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, zwischen der realen Welt und dem von ihm über Jahre hinweg konstruierten kosmologischen Modell. Er kann sozusagen in die von ihm selbst geschaffenen Bilder eintreten und sie durchschreiten, ohne aber das Resultat dieses Ausfluges vorherzusehen. Der Künstler kann so die Identität von verschiedenen Personen annehmen, aber deren Eigenschaften oder Reaktionen nicht steuern. Wie Marianne Brouwer interessanterweise bemerkte, spielt sich die Performance unter Hypnose "nicht in einer messbaren Zeit, sondern in einer ‘unbewohnten’ Zeit außerhalb der Kausalität von heute, gestern und morgen ab". Unter dem experimentellen Einbezug verschiedener Medien erreicht Mullican somit auch den ‘unbewohnten Ort’; in Trance erforscht er die Grenzen seines Ateliers, manipuliert Farben und Licht, nimmt zum ersten Mal unter Hypnoses selbst die Kamera in die Hand oder findet sich in der Person seiner 7jährigen Zwillingstochter (!) wieder. Er distanziert sich vom eigenen "Ich". Matt Mullican der Performer ist eine andere Person als Matt Mullican der Künstler.

Matt Mullican (*1951/USA, Santa Monica, Californien)


Boris Rebetez/CH

ohne Titel, 1998

C-Prints, 80 x 120 cm
Sammlung Artconcern, Kortrijk
Courtesy: Deweer Art Gallery, Otegem

Die Fotografien von Boris Rebetez basieren auf einer denkbar einfachen Collagetechnik. Abbildungen von Landschaften aus diversen Zeitschriften werden zerlegt, montiert, fotografiert und schlußendlich vergrößert. Es entsteht so ein Sampling von Eindrücken, das eine plausible neue Realität suggeriert. Vorder- und Hintergrund, Lichteinfall, Schatten und Gegenstände sind nur solange scheinbar fließend, bis man die wenigen brutalen aber virtuosen Schnitte im Bild erkennt.

Der Künstler arbeitet mit kleinen und präzisen Gesten. Die einzelnen Landschaftsteile behalten ihre "Autonomie", weil sie sich nicht ineinander verzahnen, sondern sich nachfolgend und horizontal schichten. Eine logische perspektivische Abfolge wird dabei untergraben. Ein Pfahl im Vordergrund des Bildes wird gegenüber einer Wiesenlandschaft plötzlich monumentalisiert oder eine Autostraße in direkter Nachbarschaft zu einer Dachlandschaft miniaturisiert. Da die autonomen Plateaus in einer optisch harmonischen Koexistenz nebeneinander liegen, wird die Summe der Fragmente als Einheit gelesen. Es zeigt sich hier ein Vorgang der optischen Rückkopplung, indem die unterschiedlichen Interpretationen vom Teil und des Ganzen, vom ganzheitlichen Teil und vom teilbaren Ganzen nicht mehr auseinanderzuhalten sind.

Boris Rebetez (*1970/CH, Lacoix)


Daniel Roth/D

Untitled (Mansfeld Connection), work in progress, 2001-2002

Die Arbeit ‘Untitled (Mansfeld Connection)’ (2001-2002) visualisiert eine prozeßhafte und sich geografisch situierende Erzählung.
Mittels verschiedener Elemente, Objekte, Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen entwickelt der Künstler eine narrative Struktur, welche auf Mythen, historischen Tatsachen und Fiktionen beruht. Der/Die BetrachterIn kann über verschiedene Stationen in den Geschichtsverlauf einsteigen und sich einen virtuellen Weg durch die Erzählung bahnen.

Die präsentierte Arbeit hat ihren Ursprung in der Ausstellung des Casino Luxembourg ‘Sous les Ponts, lelong de la Rivière’ (Juni, 2001) und handelt vom verschwunden Schloß ‘La Fontaine’ des Baron Pierre-Ernest de Mansfeld. 1604 vermachte dieser seine Liegenschaft inklusive Archiven dem spanischen König, der diese aber verfallen ließ. Auf Grund des desolaten Zustandes der Residenz verschwand das Archiv und die Gemäuer des Schlosses wurden abgetragen um eine Allee zu bauen, welche noch heute nach dem Baron benannt ist.
Auf dieser Allee installierte der Künstler beinahe 400 Jahre später einen Schachteingang, der zum verschwundenen Schloß führen soll. An der Fassade des nahe gelegenen Hauses ‘Rue Jules Wilhelm Nr. 1’ installierte Daniel Roth eine Vitrine, in der fiktive Dokumente und Lagepläne des Schachtsystems die Existenz des verschwundenen Archivs belegen. Der Luxemburger Schacht führt mit dreimonatiger Verzögerung direkt in die erste Ausstellung "Der Larsen Effekt" in Linz, wo sich ein Kanalausstieg befindet, der direkt in den zentralen Raum des Schlosses, mit einem an die Grottenbahn erinnernden Kronleuchter ausgestattet, führt. Sodann ent- und verwickelt sich die Geschichte drei Monate später in Luxemburg. Photos dokumentieren die vorhergegangenen Erzählungen, Zeichnungen suggerieren deren Fortsetzung, wodurch sich der Betrachter immer in einem bestimmten Segment der Geschichte befindet.

Daniel Roth (*1962/D, Schramberg)


Simon Starling/GB

Blue Boat Black

2 Doraden, 2 Meerbarben , 1 Sattelbrasse, 1 europäische Meerbrasse und 3 Barsche, gefischt mit dem Nachbau einer Marseiller "Barque", gebaut aus dem Holz einer Museumsvitrine des National Museum of Scotland in Edinburgh, und anschließend mit Holzkohle gegrillt, zu der das Boot verarbeitet wurde.

Die ‘Um-Ortung’ und Kontextualisierung ist Thema der Arbeit von Simon Starling. Der Titel des ausgestellten Werkes ‘Blue Boat Black’ (1997) verweist bereits auf einen sich verändernden Status, auf eine Transformation, ja selbst ein Schicksal. Der ausführliche Untertitel klärt den Betrachter auf!

Konfrontiert mit den verkohlten Reliquien, die auf einem grossen Tisch ausgebreitet sind, wird der absurde Vorgang, eine schottische Museumsvitrine in ein französisches Fischerboot und alsdann in eine offene Kochstelle umzuwandeln deutlich. Es ist nicht so sehr die Umwandlung, sondern die Rückführung dieses ‘performativen’ Werkes in den institutionellen Kontext, welche zum eigentlichen Feedback führt. Diente die Museumsvitrine ursprünglich dazu Kulturgüter zu zeigen und zu beschützen, gelangt sie über Umwege zurück ins Museum um selbst zum Kultobjekt und Träger von Bedeutung zu werden. Die Rückkoppelung zeigt sich hier einerseits von seiner destruktivsten Seite als entropisches Phänomen, indem sich das Werk sozusagen auflöst, anderseits aber auch sehr optimistisch und vital in der finalen Aufwertung zum Kunstgegenstand.

Simon Starling (*1967/GB, Epsom)


Mitja Tusek/CH

Frühstück (Ausstellungsversion), 1999-2001

Audioarbeit über Radiofrequenz 107,9, 5’14"
1 Radio, 10 Transistorradios
Courtesy: Künstler, Bruxelles und Mermory Cage, Zürich

Mitja Tusek ist vor allem Maler. Die gezeigte Audioarbeit "Frühstück" ist somit weniger repräsentativ für sein Werk, als für seinen feinen Humor.

Das Thema "Feedback" zeigt sich hier vor allem in der interpretativen Reaktion des Publikums auf die Audioarbeit, die für die Dauer der beiden Ausstellungen in Linz und Luxemburg permanent auf einer gemieteten Frequenz über Radio zu hören ist.

Ausgangspunkt bildet dabei ein Sampling populärer Sprichwörter wie "Des einen Freud ist des andern Leid … Lieber Schulden statt Schande … Lieber gesund und arm, als reich und krank …" etc. Im Laufe dieser fünfminütigen Aufzählung werden die moralisierenden Statements durch den Sprecher so uminterpretiert und verdreht, daß das Spiel mit dem Ernst des Lebens zum ernsthaften Spiel mit dem Leben wird: "Aber: das Fleisch wird nicht besser mit mehr Suppe … Gelegenheit macht Millionäre … Wer keine Angst hat, muss nichts verbergen … Der Mensch denkt und Gott lacht …" etc.. Die Kombination der nüchternen Stimme, die uns das Unglaubwürdige glaubhaft macht, mit dem atemlosen Timing, das unsere reflexartigen Unsicherheiten über das Gehörte überrumpelt, verstärkt die Auflösung der Moral.

Das destruktive Moment des Larsen Effektes kommt hier als Schaf im Wolfspelz daher. Es ist ein Spiel zwischen Glauben und Wahrheit, Annahme und Tatsache, die sich gegenseitig aufheben.

Mitja Tusek (*1961/CH, Maribor, Slovenien)


Keith Tyson/GB

Recursive CPK Gameboard no.1 (Central Processing Knot), 2001

mixed Media, Videodokumentation, variable Dimensionen
Courtesy: Anthony Reynolds Gallery, London
Koproduktion O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz / Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain, Luxemburg

Die für die Ausstellung koproduzierte Arbeit von Keith Tyson ‘Recursive CPK Gameboard no.1 (Central Processing Knot’ (2001) zeichnet sich dadurch aus, daß sie keine fixe und finale Form kennt.
In gewisser Hinsicht handelt es sich dabei um die erste ‘tragbare’ Version der ‘Artmachine Iteration’ (ab 1995), einer Reihe, für die sich der Künstler über ein spezifisches Computerprogramm eine Gebrauchsanleitung zur Herstellung einer Skulptur errechnen ließ. Sein Interesse gilt vor allem Gesetzmäßigkeiten und deren Pervertierung, die je nach Kontext ins Absurde ausufert: keine Regel ohne Ausnahme.

‘Recursive CPK Gameboard no.1 (Central Processing Knot)’ ist eine überdimensionierte Spieltruhe aus Eichenholz, die dem Künstler dazu dient, bei jedem neuen Spiel (bzw. Installation) mittels der Spielelemente eine andere skulpturale Konfiguration herzustellen. Die Instruktionen im Deckel bestimmen den Verlauf des Spieles, der durch die unterschiedlichen und nicht vorhersehbaren örtlichen - architektonischen, institutionellen, sozialen oder politischen - Kontexte bestimmt wird. Das Spiel verläuft in drei Etappen: 1) verpackt und inaktiv; 2) fortschreitend und aktiv; 3) vervollständigt und inaktiv. Die Arbeit wird so durch den performativen Akt des Künstlers bestimmt. Ist das Spiel einmal zu Ende gespielt, wird es in seinem letzten Stadium als statische Skulptur präsentiert: ‘game over’.
‘Recursive CPK Gameboard no.1 (Central Processing Knot)’ ist teils Spiel, teils Kunstwerk, teils mathematischer Knoten, teils logisches Diagramm. Durch Feedback-Loops und Datenverarbeitung generiert das Spiel komplexe und unvorhersagbare Muster und Formen.

Keith Tyson (*1969/GB, Ulverston, Cumbria)


Peter Zimmermann/D

Retrospective Boxes, 1993-2001

Offset- und Siebdruck auf Kartonschachteln, sechs verschiedene Typen aus der Serie ‘Temporäre Architektur Präsentation von Schachteln’ (1993 -2001), Gesamtvolumen ca. 150 x 210 x 1100 cm
Courtesy: Klemens Gasser & Tanja Grunert Gallery, New York
Koproduktion O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz / Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain, Luxemburg

"Unsere Umgebung stellt sich als Installation realer Objekte dar, auf die ständig neue Oberflächen projiziert werden. (…) Das Bedürfnis Gedanken dingfest zu machen, produziert so auf einfache Art und Weise ein Außen und ein Innen, eine Hülle und einen Inhalt. Die Zentralperspektive veranschaulicht dieses Bestreben für das Publikum. Sie ist eine Schachtel, die die Fiktion einer geordneten Welt erlaubt. Die Transformation dieses Prozesses in die materielle Welt erzeugt Raum. Die einfachste Art Raum herzustellen ist die Schachtel. Häuser sind Schachteln, die wiederum in diverse Unterschachteln wie Zimmer, Schränke, Schubladen und Bücher unterteilt sind. Es gibt außer den quaderförmigen auch unregelmäßige weiche Schachteln, wie Flaschen, Rucksäcke und Taschen, oder bewegliche wie Autos, Flugzeuge, Züge, usw. (…) Außer ihrer Schutzfunktion besitzt die Hülle die Fähigkeit zur Kommunikation. Die Beschriftung geht in den meisten Fällen über die bloße Inhaltsangabe hinaus. Sie verweist auf das Konzept sozialer bzw. psychologischer Repräsentation, durch das die Gegenständlichkeit der Dinge erst gewährleistet wird. (…) Fernsehen und Computer sind moderne Spielarten dieses Schachtelschemas. Sie bieten den Vorteil des Blickes nach außen/innen und gewährleisten den Kontakt zu anderen Einheiten. (…) Die Grenze zwischen dem Ausgangsmaterial und seiner Imitation verwischt sich zusehends (…)".

Dies ist lediglich ein Textausschnitt von einer der sechs präsentierten ‘Schachteln’ von Peter Zimmermann, die zusammen einen neuen ‘retrospektiven Gedankenkörper’ formen. Die Schachteln (Verpackung, Container, Transportmittel, Meta-Raum) sind hier eine Metapher für Kommunikation schlechthin, die als monumentaler Block ein mehrfaches Feedback oszillieren: als Imitate existierender Verpackungen, als Textcollagen aus unterschiedlichen Quellen (Bücher, Zeitschriften, Kataloge), als Räume, die den Betrachter zu verschiedenen Standorten zwingen, als eine kontextreflektierende Kontextarbeit, als Echo und Referenz auf Andy Warhols monumentales Werk ‘Big Retrospective Painting’ aus dem Jahre 1979, das selbst verschiedene Themen innerhalb des Oeuvres von Warhol reflektiert (Flowers (1964), Kellog’s Corn Flakes Box (1964), Marilyn (1967), Car Crash (1963), Cow Wallpaper (1966), Mao (1972), Campbell’s Soup Can (1962), Early Electric Chair (1963), Self-Portraits (1964)).

Peter Zimmermann (*1956/D, Freiburg)


Pressefotos

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Fotos: Otto Saxinger

PIERRE BISMUTH - Alternance, 1999
PIERRE BISMUTH - Alternance, 1999
KEN LUM - Mirror Works, 1998
KEN LUM - Mirror Works, 1998
MATT MULLICAN - Psycho Architecture: Experiments in the Studio November 5th - 7th 2001
MATT MULLICAN - Psycho Architecture: Experiments in the Studio November 5th - 7th 2001
PETER ZIMMERMANN - Retrospective Boxes, 1993-2001
PETER ZIMMERMANN - Retrospective Boxes, 1993-2001