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Candice Breitz - Cuttings

Pressemitteilung vom: 6. Mai 2001

CANDICE BREITZ
CUTTINGS

Datum: 10.05.2001 - 15.07.2001

Das O.K Centrum für Gegenwartskunst zeigt erstmals eine umfassende Werkschau der eindringlichen, multimedialen Arbeiten von Candice Breitz (SA/USA). Acht Projekte aus den Jahren 96 bis 2001, die internationale Beachtung finden.

Furore gemacht hat die 1972 in Johannesburg geborene Künstlerin, die derzeit in New York lebt und arbeitet, 1996 mit den Rainbow Series. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Fotomontagen, in denen schwarze und weiße Körperteile miteinander kombiniert werden um die Problematik stabiler Identitätsvorstellungen und die Gewalttätigkeit von Repräsentationsformen zu untersuchen.

In den folgenden Jahren hat sich die Künstlerin konsequent mit der Analyse und "Übersetzung" medial erzeugter Bilder beschäftigt: Fotografien und Filmausschnitte - von National Geographic bis Hustler, von Hollywood Filmen bis MTV - werden als ‚Momentaufnahme’ aus einem bestehenden medialen und kulturellen Zusammenhang genommen, (aus)geschnitten, präzise editiert und neu konfiguriert. Die komplexen Fragen der Identitätsbildung und -darstellung, die im Mittelpunkt der frühen Fotoarbeiten stehen, werden auch in den jüngeren Videoinstallationen thematisiert. Diese Installationen zeigen gleichzeitig das zunehmende Interesse Breitz’ an den inszenierten Lebensentwürfen der Popkultur und Unterhaltungsindustrie (sie nennt es "scripted life"), deren kulturelle Codes und populäre Ikonen sie mit ihrer Schnittechnik kritisch interpretiert.

Wirkungsvoll werden in den Arbeiten von Candice Breitz Filme, Popvideos und Liebeslieder als bekannte Unbekannte neu eingeführt und die BetrachterInnen sind eingeladen, den Ort, an dem öffentliches und privates Gedächtnis aufeinander treffen neu zu bestimmen. Fotoausschnitte, Filmsequenzen und Sprachfiguren werden aus ihrer linearen, vorhersehbaren und einschränkenden narrativen Verklammerung gelöst und auf eine Weise zusammengesetzt, dass sie wie ein Filter wirken und völlig neue Sichtweisen auf den ursprünglichen Zusammenhang eröffnen. Der Sprachfluß wird in Sekundenbruchteile zerlegt und Lauteinheiten zergliedert, Sätze werden aus dem dialogischen Zusammenhang gerissen und die Sprache an den Rand des Verstehbaren getrieben.

Multikanal-Installationen wie Babel Series und Karaoke dramatisieren auf prägnante Weise, wie sehr unsere alltägliche Erfahrung durch vermittelte Sprachschablonen geformt wird. Deutlich wird dabei auch die fundamentale und mitunter bedrohliche Art und Weise, wie das Vokabular der Mainstream-Medien sowohl die zwischenmenschlichen Beziehungen als auch die Beziehung zu uns Selbst bestimmt und reguliert.
Ob Breitz ihre Schnitte zur Zergliederung der Welt ‚handgreiflich’ mit Skalpell und Klebstoff oder mittels digitaler Software durchführt, in jedem Fall wird das ausgewählte Material mit konzeptioneller Logik zerlegt, einer Logik, die sich darum bemüht, den expressiven Gestus zu vermeiden, der oftmals mit kreativer Arbeit assoziiert wird. Verorten läßt sich ihr Arbeitsprozess eher zwischen den Schnittmethoden einer Redakteurin, einer Übersetzerin, einer Komponistin und einer Gärtnerin.
Die in einem solchen Prozess entstehenden Kunstwerke können somit als Autopsien, als Ableger, als Übersetzungen oder als Fortsetzungen gedacht werden. Durch die Verfremdung und die Neu-Komposition vertrauter kultureller Codes eröffnen die Schnitte der Künstlerin Erfahrungsräume, die uns im alltäglichen, affirmativen Konsum der kulturellen Zeichen kaum zugänglich sind. Die obsessive Schnitt- und Klebetechnik von Candice Breitz erzeugt - verbal und visuell - eine Sprachform, die irgendwo zwischen Esperanto und Babel schwebt. Das legt den Schluß nahe, dass die endgültige Übersetzung Sache des Publikums ist.

Candice Breitz wird während der Ausstellung als Artist in Residence im O.K arbeiten und ihre Ergebnisse am 26.6.2001 im Rahmen der Präsentation NEW CUTS vorstellen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.


VIDEOINSTALLATIONEN

Babel Series (1999) Breitz komponiert ein stotterndes Konzert der ersten Plapperlaute, u.a. mit Madonna, Sting und Prince. In einer Endlosschleife von bruchstückhaften Ausschnitten bekannter Musikvideos leiern die Stars unaufhörlich staccato-artige Wortsilben der Babysprache vor sich her. Die Sprache löst sich auf in eine Serie dissonanter Beats und wird zum wahren Höllenlärm. Den BesucherInnen eine dystopische Spielart der universellen Sprache entgegenschleudernd, verweist die Installation darauf, welchen Herausforderungen die Subjektbildung in einer Welt ausgesetzt ist, in der Kinder die meisten ihrer ersten Worte beim Fernsehen lernen.

Karaoke (2000) Die Besucher stehen in einem Kreis von zehn Monitoren. Jeder Bildschirm zeigt ein anderes Gesicht vor einem Karaoke-Musikvideo. Der absolute Mangel an Harmonie, den man erlebt, wenn man inmit


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