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Biennale Cuvée 10

Pressemitteilung vom: 2. März 2010

OK | BIENNALE CUVÉE 10
Weltausstellung der Gegenwartskunst

Presseinformation vom: 02.03.2010

Datum: 03.03.2010 - 02.05.2010

Unter dem Titel BIENNALE CUVÉE zeigt das OK heuer zum vierten Mal eine Auswahl künstlerischer Projekte von neun der wichtigsten internationalen Biennalen des Jahres 2009. Neben der berühmten „Biennale von Venedig“, die nicht nur den eingefleischten Kunstfans ein Begriff ist sind Arbeiten der Kunst-Biennalen von Istanbul, Lyon, Thessaloniki, Mechelen (BE), Seoul, Taipei, Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate) und Havanna zu sehen.

Biennalen sind das wichtigste Format zeitgenössischer Kunstausstellungen. Sie sind Gradmesser und Trendsetter für Gegenwartskunst, experimentierfreudiger und weniger marktorientiert als Kunstmessen. Sie sind der Ort profilierter kuratorischer Statements und bieten zahlreiche Entdeckungen international noch weitgehend unbekannter Künstlerinnen und Künstler.

Das Ziel der Ausstellung BIENNALE CUVÉE ist nicht ein repräsentationssüchtiger Überblick aktuellen Kunstschaffens, der quantitativ in der Fülle des Angebots ohnehin nicht möglich wäre und qualitativ auch nicht anzustreben ist, weil damit ein falscher Eindruck von „Homogenität“ entstünde. Nach „big names“ wurde also nicht Ausschau gehalten, und an aufgeladenen Orten wie Venedig eher die Nebenschauplätze und abgelegenen Ecken abgesucht. Andere Biennalen, aus eurozentristischer Sicht mit dem Exotenbonus ausgestattet, bieten mehr Platz für „Entdeckungen“.

33 Künstlerinnen und Künstler sind in Linz zu Gast. Gemeinsam ist ihnen, dass Sie bisher kaum in Österreich zu sehen waren, dass sie überwiegend zu einer jüngeren bis mittleren Generation gehören und hohes Potential haben. Sie befinden sich, zumindest aus OK Sicht, auf der „Höhe“ des gegenwärtigen Kunstdiskurses. Ihre künstlerischen Mittel und Methoden sind innovativ, spielerisch und ästhetisch oft auch überraschend.
Die Ausstellung findet im OK und in der Zentrale unsers Wirtschaftspartners Energie AG statt.

Die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler können als herausragende Einzelpositionen bestehen, lassen sich aber auch in thematische Gruppen gliedern, die als durchaus repräsentativ für Strategien zeitgenössischer Kunst gelten können:

  • Politisch-gesellschaftliche Fragen sind für die Künstler nach wie vor ein wichtiges Anliegen. Sie werden aber nicht mehr überwiegend dokumentarisch aufbereitet sondern mit einem breiten Repertoir an bildnerischen Stilmitteln ästhetisch ‚gestaltet’. So zeigt etwa Maryam Jafri das „Gespenst des Kolonialismus“ durch ein höchst kunstvolles Spiel mit verschiedenen filmischen Genres. Zu nennen wäre hier auch die eigenwillige, kollaborative Arbeit von Haejun Jo, der in „Amazing Father“ seinen Vater motiviert, persönliche Erlebnisse während des Koreakrieges mit dokumentarischen, naiv anmutenden Zeichnungen aus dem Gedächtnis nach zu erzählen. Andere Beispiele sind Carlos Mottas Grafitti-Scherenschnitte oder Nida Sinnokrots Luftzug-bewegter „West Bank Schmetterling“.
  • Witz und Ironie sind wichtige Stilmittel der Gegenwartskunst. Das demonstriert z.B. die argentinische Gruppe Etcétera…, ein gern gesehener Gast auf Biennalen in den letzten Jahren. In Linz sind sie mit ihrem anarchisch-dadaistischen „Errorist Kabaret“ vertreten. Ein anderes Beispiel sind die Luft-Plastiksäcke von Sheung Chuen Pak (China/Honkong), deren Volumen genau dem Raum entspricht, dem sie entnommen wurden. Die lapidare Beschreibung liest sich wie ein Erzählung aus Alice im Wunderland: „Der Künstler lebte in der kleinen Wohnung so lange, wie er dazu brauchte, die Luft des kleinen Ortes zu sammeln. Nachdem er die Luft in transparente Plastiksäcke gesammelt hatte, verließ er den Ort, als alle Säcke die Wohnung ausfüllten.“ (Tobias Berger) Dass solche ironischen Verfahrensweisen nicht neu sind bzw. auf einer klassisch-konzeptionellen Tradition aufbauen zeigt etwa Vyacheslav Akhunov, der bereits 1972 mit Zündholz-schachteln auf kleinstem Platz eine große Werkschau ausgerichtet hat. Seine Arbeiten waren eine der Entdeckungen auf der Biennale Istanbul im letzten Jahr.
  • Performative und inszenatorische Ansätze spielen in der Videokunst und Fotografie eine wichtige Rolle. Erwähnt seien hier Sylvie Blochers Obama-Song oder die Transmutations-Videos von Bestué-Vives. Ein anderes Beispiel ist Laurent Grassos Videodokumentation über einen Falken, der für seinem Flug mit einer Miniaturkamera ausgestattet wird und sich ihn eine Drohne ‚verwandelt’ oder das Video von Erkan Özgen, der einen beklemmenden Auftritt deklamierender illegaler afrikanische Einwanderer inszeniert. Dass solche performativen Prozesse nicht nur filmisch dokumentiert werden, zeigt Sue Williamsons Fotoserie „What About El Max?“, die auf eine aktionistische Häuser-Beschriftung zurückgeht.
  • Dem „Material“ selbst wird nicht nur eine verweisende Funktion zugeschrieben. Vielmehr beginnt das Material selbst, mit seinen spezifischen Qualitäten und der kulturellen Bedeutung, die ihm anhaftet, ‚eine Geschichte’ zu erzählen: Die Kopierer und endlosen Videobänder von mounir fatmi verweisen nicht nur symbolisch auf unsere Mediengesellschaft, sondern werden selbst vom Bildträger zum Bild. Die „Bleistiftspitzer-Abfälle“ in Taysir Batniji Installation evozieren nicht nur Schulerinnerungen, sondern entrücken den realen Ort und das Foto im Ausstellungsraum durch ihr (staub)artiges Arrangement. Die Putzmaschine der Künstlergruppe In Serial ist nicht nur ein skulpturales Arrangement, sondern auch eine reale Versuchsanordnung. Rosa Barbas fünf 16 mm Projektoren sind wirklich ein Chor. Carlos Coronas verwandelt den Ausstellungsraum nicht nur symbolisch in einen Ort der Schönheit. Ähnliches gilt für die leuchtenden Elektrogeräte von Chu Yun, die sich in der Dunkelheit in poetische, fast entmaterialisierte Lichtobjekte verwandeln.

Die Ausstellung findet im OK und in der Zentrale unsers Wirtschaftspartners Energie AG statt.


Eija-Liisa Ahtila

Where is Where?, 2007–2008

Ausgangspunkt des Films ist ein Ereignis aus dem französisch besetzten Algerien, als zwei algerische Buben ihren französischen Schulfreund töteten. Ahtilas raumgreifende filmische Installation verbindet politische und persönliche, cinematografische und theatralische Aspekte, Vergangenheit und Gegenwart, Kindheits- und Erwachsenenerfahrungen. Durch die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Zeitebenen und die Auflösung der narrativen Erzählstruktur verändert sie die Wahrnehmung von Zeit und Raum.

4. Biennale of Moving Image Contour 2009
* 1959 in Hämeenlinna, Finnland. Lebt in Helsinki.


Vyacheslav Akhunov

1 m², 2007

Seit den 1970er Jahren ist Akhunov als Künstler, Autor und Philosoph tätig, der sich mit der Ästhetik sowjetischer Propaganda und dem Moskauer Konzeptualismus beschäftigt. Die Installation 1 m2 zeigt einen Quadratmeter Zündholzschachteln, gefüllt mit kleinformatigen Reproduktionen des Künstlers, Zeichnungen und Pläne, die er seinen zahlreichen Tagebüchern und Alben der Jahre 1976 bis 1991 entnommen hat - vermutlich die größte retrospektive Ausstellung, die je auf so kleinem Raum gezeigt wurde.

11. Istanbul Biennale 2009
* 1948 in Och, Kirgisistan. Lebt in Tashkent, Usbekistan


Nevin Aladag

Teppich / Läufer, 2001/2010

Den Ausstellungsbesuchern wird ein „roter Teppich“ ins OK angeboten. Die Arbeit spielt mit der einladenden Geste und der Unmöglichkeit, ihr zu folgen. Vor allem anderen sind die Teppichläufer ein schwungvoller, skulpturaler Eingriff, der die strenge, hermetische Fassade des Hauses erfrischend unprätentiös und ohne großes Materialgetöse bricht. Das orientalische Muster verweist darüber hinaus auf einen anderen (inter)kulturellen „Code“, der durch den Gebrauch heimisch geworden ist.

6. Taipei Biennale 2008
* in Van, Türkei. Lebt in Berlin, Deutschland.


Rosa Barba

Coro Spezzato: The future lasts one day, 2009

Barbas Installation präsentiert fünf Projektoren, die gemeinsam einen Text an die Wand werfen. Die kreisförmige Anordnung der Geräte und der rhythmisierte Output der Projektoren imitiert das Arrangement eines traditionellen Venezianischen Chors der Renaissancezeit. Das maschinelle Surren der 16mm Maschinen begleitet und bestimmt den Vortrag. Die handgeschriebenen Textfragmente kreisen um die rätselhafte Phrase „Bald werden wir jeden Gedanken von Wissen und Verständnis aufgeben“.

53. Venedig Biennale 2009
* 1972 in Agrigento, Italien. Lebt in Berlin, Deutschland.


Taysir Batniji

Hannoun, 1972-2009

Die „Bleistiftspitzer-Abfälle“ in Taysir Batniji Installation rufen nicht nur seine - und unsere eigenen - Schulerinnerungen hervor, mit ihrer kaum sichtbaren roten Farbe erinnern die Späne an ein Meer aus fragilen "Blütenblättern". In Palästina heißt *Hannoun* Mohnblume. Die performative Arbeit des Spitzens ist eine Konfrontation des Künstlers mit seinem Schaffen und seinem Atelier in Gaza, zu dem er nicht mehr gelangen kann, seit die Israelis im Jahr 2006 die Grenzen geschlossen haben.

53. Venedig Biennale 2009
* 1966 in Gaza, Palästina. Lebt in Frankreich und Palästina.


Bestué-Vives (David Bestué & Marc Vives)

Proteo, 2009

Die doppelte Videoprojektion zeigt die absurde Transmutation eines Pferdes in die Gestalt eines Mannes, der sich wiederum in ein Motorrad verwandelt. Abgefilmt wird die Performance in einer einzigen Einstellung. Die ‚Verwandlung’ erinnert an den um 1900 weltberühmten Verwandlungskünstler Fregoli. Bestue-Vives arbeiten low-tech und mit gefinkelten Arrangements, die an Theater und frühe Filmproduktionen erinnern. Sie beziehen sich auf dadaistische Traditionen und bringen viel Ironie und Witz ins Spiel.

53. Venedig Biennale 2009
* 1980 und 1978 in Barcelona, Spanien. Leben dort


Sylvie Blocher

A More Perfect Day, 2009

Ein charismatischer Sänger trägt einen Song vor, der Auszüge von Barack Obamas Wahlrede „A More Perfect Union“ beinhaltet. Nach dessen Wahl zum Präsidenten erscheint Amerika wieder als ein erstrebenswerter Ort, der nichts mit dem militärischen, autoritären Bild einer ausgebrannten Demokratie zu tun hat. Durch die Inszenierung der rhetorisch brillanten Rede als Lied wird einerseits die Sehnsucht nach Erneuerung beschworen und andererseits als hohle Phrase parodiert.

10. Lyon Biennale 2009
* 1953 in Saint Denis, Frankreich. Lebt dort.


Carlos Coronas

Sin Lugar / Nowhere, 2007 / 2010

Einen Ort abstrakter Schönheit schafft Carlos Coronas: Seine Skulptur aus Neonröhren schwebt im Raum und schafft eine starke Stimmung. Das Modell der Insel Utopia am Boden (aus Thomas Mores Buch „Utopia“ von 1516) bildet den inhaltlichen Schwerpunkt der Installation: Es imaginiert einen Traumort, der nur als Kunstwerk erlebt werden kann und den es in Wirklichkeit nicht gibt. Politisch bezieht das Coronas auf die leeren und unrealistischen Versprechungen des ‚goldenen’ Westens.

5. Seoul International Media Art Biennale 2008
* 1964 in Avilés, Spanien. Lebt in Asturias, Spanien.


Lado Darakhvelidze

Ideal Media, 2009

Die sozialen und kulturellen Veränderungen im post-kommunistischen Europa, aber auch Machtbeziehungen in hierarchischen Strukturen generell sind Themen in Lado Darakhvelidzes Arbeit. In *Ideal Media* untersucht er die Medienberichterstattung zweier Ereignisse vom August 2008: die Olympischen Spiele in Peking und der russisch-georgische Krieg. Er zeichnet die Zeitungsberichte in einem inszenierten Klassenzimmer mit Tafelkreide ab und zeigt so, wie Nachrichten „gemacht“ werden und worauf die öffentliche Aufmerksamkeit durch unterschiedliche Medienstrategien gelenkt wird.

11. Istanbul Biennale 2009
* 1977 in Kutaisi, Georgien. Lebt in Arnheim, Niederlande.


Etcétera…

Errorist Kabaret, 2009

Das Künstlerkollektiv Etcétera… gründete anlässlich eines Argentinien-Besuchs von George W. Bush 2005 die Bewegung der „Erroristen“. Diese feiert den Fehler im System als eine produktive Qualität in einer kapitalistischen Welt, die auf Effizienz und Erfolg aus ist. Betritt man die Bühne des „Errorist Kabaret“ ist man schon mitten in einer surrealen Szenerie, in der Pappfiguren von Intellektuellen und Revolutionären mit Weinflasche und Teetasse über den Zustand der Welt philosophieren.

11. Istanbul Biennale 2009
Etcétera… (Loreto Soledad Garin Guzman, Federico Zukerfeld), gegründet 1997. Leben in Buenos Aires


mounir fatmi

Ghosting, 2009

Ghosting reflektiert darüber, wie Medienbilder konstruiert, verbreitet, transformiert, bewahrt werden und in unserer Fantasie weiter leben. Die von den Kassetten gezogenen Magnetbänder verteilen sich über Wand und Boden wie eine schwarze, glänzende Flutwelle. Als potentielle Bildträger werden sie in der Installation selbst zum dreidimensionalen Bild. Die Fotokopierer erinnern an die Welt der Verwaltung, der Archivierung. Werden sie aktiviert, produzieren sie nur weißes Licht und schemenhafte Schatten. Was bleibt von dieser Aktion? Was bleibt von dem, was unsere Erinnerungen kopieren?

10. Lyon Biennale 2009
* 1970 in Tanger, Marokko. Lebt in Paris und Tanger.


Laurent Grasso

Untitled, 2009

Durch die Ausstattung eines Falken mit einer Miniaturkamera verwandelt Laurent Grasso die traditionsreiche Praxis des Jagens in ein Instrument des Auskundschaftens - der Falke wird zu einer archaischen Spionage-Drohne. Über geheimnisvolle und unzugängliche Gegenden fliegend filmt der „Spy Falcon“ die wüsten- und mondähnlichen Landschaften, die charakteristisch für die Vereinigten Emirate sind. Mit einem künstlerischen ‚Eingriff’, einer einfachen Geste wird die Grenze zwischen Mythos, Realität und Fiktion verwischt.

9. Sharjah Biennale 2009
* 1972 in Mulhouse, Frankreich. Lebt in Paris, Frankreich.


In Serial

On Track, 2009

Ein mechanischer Besen schwingt als Pendel in konstanter Geschwindigkeit durch ein Becken und verteilt Flüssigkeit. Er hat die „Macht“ und dirigiert mit einem Sensor seine Umgebung; vier als Bürsten maskierte Roboter versuchen gleichzeitig wieder die Ordnung herzustellen, was ihnen aber nicht gelingt. Alles vermischt sich und es entsteht ein Chaos, das hier als ästhetisches Erlebnis folgenlos bleibt, sich aber in der Wirklichkeit katastrophal auswirken würde. Die KünstlerInnen konstruieren ein scheinbar sinnloses, komplexes logistisches System, das globale Zustände der Vernetzung und Verteilung ironisiert.

2. Thessaloniki Biennale of Contemporary Art 2009
In Serial (Linda Dement, Petra Gemeinböck, PRINZGAU/podgorschek und Marion Tränkle), gegründet 2009. Leben in Australien, Niederlanden und Österreich.


Maryam Jafri

Staged Archive, 2008

Ein Mann steigt in ein Auto und erreicht ein unerwartetes Ziel – einen Gerichtsaal, der von Menschen aus seiner Vergangenheit bevölkert ist. Der Kolonialismus, die Schuldfrage und die psychologischen Auswirkungen auf den Einzelnen sind zentrale Motive von „Staged Archive“. Der Film dokumentiert nicht einfach ‚objektiv’, sondern ist als kunstvolles Spiel zwischen Fakt und Imagination in verschiedenen filmischen Genres konzipiert.

4. Bienniale of Moving Image Contour 2009
* 1972 in Karachi, Pakistan. Lebt in Kopenhagen und New York.


Haejun Jo, Donghwan Jo

Amazing Father—Oral Statement Drawing Series, 2005
US Army and Father—Documentary Drawing Series, 2002–2009

2002 begann Haejun Jo mit seinem Vater Donghwan Jo, ebenfalls ein Künstler, zusammenzuarbeiten. Er motivierte ihn, persönliche Erlebnisse während des Koreakrieges nachzuerzählen bzw. nachzuzeichnen. Neben dieser Serie von „Gedächtnisbildern“ zeigt das OK eine weitere ihrer gemeinsamen Arbeiten: „Amazing Father” beschäftigt sich mit der südkoreanischen Kunstgeschichte zwischen 1980 und 1990, als eine Gruppe von KünstlerInnen und AktivistInnen für eine autonomere Kulturproduktion kämpfte.

11. Istanbul Biennale 2009
Haejun Jo, * 1972 in Jeonju, Südkorea. Lebt in Seoul und Frankfurt am Main / Deutschland.
Donghwan Jo, * 1934 in Jeonju, Südkorea. Lebt dort.


Carlos Motta

Untitled Graffiti Cuts: Who Owns the Street?, 2009

Als eine Art negativer Scherenschnitt leuchten politische Botschaften aus schwarz verkleideten Fenstern und definieren diese damit als Schnittstelle zum Außenraum. Die Sprüche wurden auf den Straßen verschiedener Städte gesammelt und verweisen auf die Funktion von Graffiti: den öffentlichen Raum zurück zu fordern, öffentlich soziale Ungerechtigkeit anzuprangern oder für ein politisches Projekt zu stehen. Im Mittelpunkt dieser Text-Licht-Installation steht die Frage wem die Straße wirklich gehört: dem, der sie mit derartigen Botschaften markiert, oder dem, der diese Sätze entfernt haben möchte?

10. Lyon Biennale 2009
* 1978 in Bogotá, Kolumbien. Lebt in New York, USA.


Erkan Özgen

Origin, 2008

Das Video „Origin“ spielt mit der Absurdität nationaler Konstruktionen. Es zeigt eine Gruppe illegaler, afrikanischer EinwanderInnen, die in Spanien in einem Park marschierend singen: „Wie glücklich ist doch derjenige, der sagt, ich bin Türke.“ Das Zitat aus dem nationaltürkischen Gelöbnis „Unser Eid“, das seit den 1920er Jahren als Teil der täglichen Routine in allen Bildungs- und Militärinstitutionen rezitiert wird, verweist auf die Vorherrschaft einer Gruppe und Identität in eigentlich meist multi-ethnischen Nationen.

11. Istanbul Biennale 2009
* 1971 in Mardin, Türkei. Lebt in Diyarbakır, Türkei.


Sheung Chuen Pak

Breathing in a House, 2006

Ausgangspunkt der Installation war ein Aufenthalt in einer durchschnittlichen Wohnung für zwei Personen (6,7 x 2,7 x 2, 2m) in Busan, Südkorea im Rahmen der dortigen Biennale. In diesem wohnte der Künstler solange es dauerte die Luft oder den „Negativraum“ in transparenten Säcken zu sammeln. Diese performative Intervention wurde auf das OK übertragen und Säcke mit der ortspezifisch im Ausstellungsraum vorhandenen Luft aufgeblasen.

53. Venedig Biennale 2009
* 1977 in Fujian, China. Lebt in Hongkong, China.


Nida Sinnokrot

West Bank Butterfly—Kite Project, 2009

Die komplexe Arbeit basiert auf einer einfachen formalen Ähnlichkeit zwischen einem Schmetterlingsflügel und der Karte der Westbank: Diese zeigt israelische Siedlungen innerhalb der Grenzen von 1967, die neuen Sperranlagen, israelische Militärstützpunkte und den relativ kleinen Bereich, der von der palästinensischen Behörde kontrolliert wird. Der Flügel zitiert eine gefährdete Schmetterlingsart aus der Region der Gattung der Apharitis cilissa. In der Art chinesischer Drachen gemacht, wird der West Bank Schmetterling zu einer poetischen Metapher für eine gezeichnete Region zwischen Geschichte und Hoffnung.

9. Sharjah Biennale 2009
* 1971 Pennsylvania, USA. Aufgewachsen in Zeralda, Algerien. Lebt in New York.


Jinoos Taghizadeh

Good Night, 2009

Statische Videoaufnahmen geben einen Raum mit einer Babywiege in Grün, Weiß und Rot – den Farben der iranischen Flagge wieder. Die Schlaflieder haben einen ausgeprägt politischen Inhalt: Es sind iranische Revolutionshymnen aus dem Jahr 1979. Inzwischen ist die Aufforderung der Lieder zu sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit als Zündstoff der Revolution zu einem Problem für die herrschenden Klassen geworden. Viele dieser Lieder sind seitdem verboten.

11. Istanbul Biennale 2009
* 1971 in Teheran, Iran. Lebt dort.


Sue Williamson

What About El Max?, 2004–2005

El Max, eine kleine Fischergemeinde in Alexandria, Ägypten liegt an einem Flusses, der ins Meer fließt. Die Gemeinde ist von Delogierung bedroht, da das Militär immer wieder die Mündung des Flusses ins Meer schließt und eine petrochemische Gesellschaft am Beginn des Kanals das Wasser verseucht. Die Bevölkerung malte gemeinsam mit Williamson Sätze wie „Wir sind wie Fische. Wir können entfernt vom Meer nicht leben“ arabisch und englisch an die Hauswände, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

10. Havanna Biennale 2009
* 1941 in Litchfield, England. Lebt in Kapstadt, Südafrika.


Chu Yun

Constellation, 2006

Ganz alltägliche Elektrogeräte sind hier versammelt, sie alle wurden auf „Pause“- oder „Fehler“-Modus eingestellt. Viele Dinge beeinflussen uns maßgeblich, ohne dass wir dessen gewahr werden - erst im Dunklen wird sichtbar, wie sehr wir die vielen Apparate in unserem Alltag übersehen, denn wie sonst würden wir das Chaos all der Geräte und leuchtenden Anzeigen aushalten? Genau dieses Wechselspiel zwischen Unsichtbarem und Allgegenwärtigem ist es, was Chu Yun in seiner Arbeit fasziniert.

53. Venedig Biennale 2009
* 1977 in Jiangxi, China. Lebt in Shenzhen und Peking, China.

BIENNALE CUVÉE im Power Tower der Energie AG

Co-kuratiert von Franz Prieler

Die Ausstellung in der Energie AG steht unter dem Motto „Material und Architektur“. Die Empfangshalle im PowerTower ist ein gelungenes architektonisches Beispiel dafür, welche Wirkung man mit dem überlegten Einsatz von Materialien erzielen kann (als Beispiel sei die große Glasfläche zum Innenhof erwähnt, die den Raum auf eine sehr ruhige und eindringliche Weise öffnet und einen starken Eindruck beim Besucher hinterlässt, der direkt auf diese Glaswand zuschreitet).

Eine ähnlich starke Wirkung kann die Kunst erzeugen, wenn sie ihr Material nicht nur als Ausgangs-stoff für (fantasievolle) Bilder oder Objekte nutzt. Vor allem die Gegenwartskunst verwendet gerne bestehende Materialien und Gebrauchsgegenstände, die sie - oft nahezu unverändert - in ein ungewöhnliches Umfeld setzt und ihnen damit eine neue inhaltliche Bedeutung gibt.

So auch in der Eingangshalle der Energie AG: in der Mitte ein altes kubanisches Ringelspiel, das mit Schiffen bestückt ist und ein Stück fremde Welt (Kuba) herein trägt. Daneben sechs zu Säulen gerollte Perserteppiche. Vor den Fenstern ein boxender Fernseher, neben dem Empfangsdesk eine magische Miniaturwelt. Ein vertrauter Ort wird ein bisschen fremd und dadurch interessant. Die Dinge selbst sind neu aufgeladen und erzählen plötzlich eine ganz andere Geschichte.


Nevin Aladag

Teppichsäule, 2004/2010

Perserteppiche wurden bei uns Ende des 19. Jahrhunderts populär. Sie wurden als Massenware nach dem europäischen Kundengeschmack mit dekorativen Mustern gefertigt und brachten neben dem Nutzen eine exotische Note in die Haushalte. Bei Aladag werden sie zu „Säulen“ umfunktioniert und „tragen“ die repräsentative Eingangshalle der Energie AG. Der Teppich wird zum Stützpfeiler, die orientalischen Texturen zur Oberfläche moderner Innenraumarchitektur. Virtuos spielt Aladag mit der Vertrautheit und dem „Wert“ alltäglicher Gebrauchsgegenstände. Das Interesse der Künstlerin gilt dem Zwischenraum der Kulturen, der nicht als Problemfeld, sondern als Anreicherung begriffen wird.

11. Istanbul Biennale 2009
* 1972 in Van, Türkei. Lebt in Berlin, Deutschland.


Takahiro Iwasaki

Edinburgh Castle on the bin bag, 2008 und Out of Disorder (Complex), 2008

Aus einem gewöhnlichen schwarzen Müllsack ersteht ein düster thronendes Schloss. Bunte Handtücher formen sich zu wogenden Hügelkämmen, die aus ihnen gezogenen Fäden zu kunstvollen Telefonmasten…

Unter Verwendung einfachster Materialien erschafft Takahiro Iwasaki eine Miniaturwelt, deren überraschende Details man erst beim genauen Hinsehen entdeckt. Er verwandelt mit minimalen Eingriffen und Arrangements banale Alltagsgegenstände in magische Objekte. Die Grenze zwischen ‘Fiktion’ und Wirklichkeit verschwimmt.

10. Lyon Biennale 2009
* 1975 in Hiroshima, Japan. Lebt in London.


KCHO (Alexis Leyva Machado)

The history like a carrousel that appears from the darkness, 2008

Der Künstler Kcho ist einer der wichtigsten Künstler Kubas und hat großen Anteil an der internationalen Beachtung, die der jungen kubanischen Kunst seit den 90iger Jahren zuteil wird. Bekannt wurde er mit großen Installationen, in denen er Kulturgüter und Alltagsgegenstände neu arrangiert und mit ihnen vielschichtige Portraits seiner Heimat entwirft. Besonders gerne verwendet er dafür Bootsrümpfe, Segel und Schiffsmodelle, die auf das geografische und politische „Inseldasein“ Kubas verweisen. Auch sein ausrangiertes und neu bestücktes Ringelspiel erzählt von der Geschichte Kubas, die „wie ein Karussell aus der Dunkelheit auftaucht.“

10. Havanna Biennale 2009
*1970 in Isla de la Juventud, Kuba. Lebt in Havanna, Kuba.


Nika Oblak & Primož Novak

The Box, 2005

Das Künstlerduo Oblak & Novak verblüfft, indem es das mediale Bild und die „Wirklichkeit“ direkt miteinander in Verbindung bringt: Der Monitor ist eine Gummibox, in der ein pneumatischer Mechanismus eingebaut ist. Dieser ist mit dem vorher aufgenommenen Video synchronisiert und wird immer dann aktiviert, wenn die Darsteller im Film gegen die Wand boxen. So wird der „Fernseher“ zu einer Art Zelle und der Ausbruchsversuch ist ein ironischer Verweis auf die allumfassende Medienwelt, der man heute kaum mehr entkommen kann.

9. Sharjah Biennale 2009
* 1975 in Kranj, Slowenien and 1973 in Murska Sobota, Slowenien. Leben in Ljubljana, Slowenien.


Pressefotos

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Alle Fotos (außer anders angegeben): Otto Saxinger.

Eija-Liisa Ahtila: Where is Where?, 2007–2008
Eija-Liisa Ahtila: Where is Where?, 2007–2008
Eija-Liisa Ahtila: Where is Where?, 2007–2008
Eija-Liisa Ahtila: Where is Where?, 2007–2008
Vyacheslav Akhunov: 1 m², 2007
Vyacheslav Akhunov: 1 m², 2007
Vyacheslav Akhunov: 1 m², 2007
Vyacheslav Akhunov: 1 m², 2007
Nevin Aladag: Teppichsäule, 2004/2010
Nevin Aladag: Teppichsäule, 2004/2010
Nevin Aladag: Teppichsäule, 2004/2010
Nevin Aladag: Teppichsäule, 2004/2010
Nevin Aladag: Teppich / Läufer, 2001/2010
Nevin Aladag: Teppich / Läufer, 2001/2010
Nevin Aladag: Teppich / Läufer, 2001/2010
Nevin Aladag: Teppich / Läufer, 2001/2010
Rosa Barba Coro Spezzato: The future lasts one day 2009
Rosa Barba Coro Spezzato: The future lasts one day 2009
Rosa Barba Coro Spezzato: The future lasts one day 2009
Rosa Barba Coro Spezzato: The future lasts one day 2009
Carlos Coronas: Sin Lugar / Nowhere, 2007 / 2010
Carlos Coronas: Sin Lugar / Nowhere, 2007 / 2010
Carlos Coronas: Sin Lugar / Nowhere, 2007 / 2010
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Etcétera…: Errorist Kabaret, 2009
Etcétera…: Errorist Kabaret, 2009
Etcétera…: Errorist Kabaret, 2009
Etcétera…: Errorist Kabaret, 2009
mounir fatmi: Ghosting, 2009
mounir fatmi: Ghosting, 2009
mounir fatmi: Ghosting, 2009
mounir fatmi: Ghosting, 2009
In Serial: On Track, 2009
In Serial: On Track, 2009
In Serial: On Track, 2009
In Serial: On Track, 2009
Maryam Jafri: End of End
Maryam Jafri: End of End
Maryam Jafri: End of End
Maryam Jafri: End of End
Haejun Jo, Donghwan Jo: Amazing Father—Oral Statement Drawing Series, 2005 US Army and Father—Documentary Drawing Series, 2002–2009
Haejun Jo, Donghwan Jo: Amazing Father—Oral Statement Drawing Series, 2005 US Army and Father—Documentary Drawing Series, 2002–2009
Haejun Jo, Donghwan Jo: Amazing Father—Oral Statement Drawing Series, 2005 US Army and Father—Documentary Drawing Series, 2002–2009
Haejun Jo, Donghwan Jo: Amazing Father—Oral Statement Drawing Series, 2005 US Army and Father—Documentary Drawing Series, 2002–2009
Carlos Motta: Untitled Graffiti Cuts: Who Owns the Street?, 2009
Carlos Motta: Untitled Graffiti Cuts: Who Owns the Street?, 2009
Carlos Motta: Untitled Graffiti Cuts: Who Owns the Street?, 2009
Carlos Motta: Untitled Graffiti Cuts: Who Owns the Street?, 2009
Nika Oblak & Primož Novak: The Box, 2005
Nika Oblak & Primož Novak: The Box, 2005
Nika Oblak & Primož Novak: The Box, 2005
Nika Oblak & Primož Novak: The Box, 2005
Taysir Batniji: Hannoun, 1972-2009
Taysir Batniji: Hannoun, 1972-2009
Bestué-Vives: Proteo, 2009
Bestué-Vives: Proteo, 2009
Sylvie Blocher: A More Perfect Day, 2009
Sylvie Blocher: A More Perfect Day, 2009
Lado Darakhvelidze: Ideal Media, 2009
Lado Darakhvelidze: Ideal Media, 2009
Laurent Grasso: Untitled, 2009
Laurent Grasso: Untitled, 2009
Erkan Özgen: Origin, 2008
Erkan Özgen: Origin, 2008
Sheung Chuen Pak: Breathing in a House, 2006
Sheung Chuen Pak: Breathing in a House, 2006
Jinoos Taghizadeh: Good Night, 2009
Jinoos Taghizadeh: Good Night, 2009
Sue Williamson: What About El Max?, 2004–2005
Sue Williamson: What About El Max?, 2004–2005
Chu Yun: Constellation, 2006
Chu Yun: Constellation, 2006