Sidenavigation and Modules


Biennale Cuvée 06

Pressemitteilung vom: 9. Februar 2006

Biennale Cuvée 06
Weltauswahl der Gegenwartskunst

Presseinformation vom: 09.02.2006

Datum: 11.02.2006 - 09.04.2006

Kuratoren: Martin Sturm, Genoveva Rückert

Künstler: Johanna Billing /SE, Candice Breitz /ZA/DE, Tania Bruguera /CU, Chen Chieh-jen /TW, Donna Conlon /US, José Damasceno /BR, Calin Dan /RU, Muratbek Djoumaliev & Gulnara Kasmalieva /KG, Juan Manuel Echavarría /CO, Quin Ga /CN Diango Hernandez /CU, Markus Huemer /AT/DE, Karl-Heinz Klopf /AT, Isabelle Krieg /CH, Yaron Leshem /IL/US, Maider López /ES, Jakub Moravek /TZ/DE, Oscar Muñoz /CO, Deimantas Narkevicius /LT, Adrian Paci /AL/IT, Robin Rhode /ZA/DE, Gerwald Rockenschaub / AT/DE, sowie eine neue Version von "Black Market Worlds" der Kunsttriennale Vilnius (ein Projekt früher bekannt unter dem Namen BMW)

Selbstbewußt, sinnlich, spielerisch, pointiert und nach wie vor interessiert an heiklen, gesellschaftspolitischen Themen – so präsentiert sich heute eine jüngere, internationale Künstlergeneration. Eine Generation, die für die formale und inhaltliche Entwicklung ihrer Themen ohne Scheu vor großen Vorbildern Anleihen aus der zeitgenössischen Pop-, Film- und Designkultur nimmt und mit hoher Professionalität umsetzt. Auch ein „Gefälle“ je nach geopolitischer Lage gibt es nicht mehr, im Gegenteil: ein Großteil der interessanten Arbeiten entsteht an den Rändern oder außerhalb Europas.

So lautet das Resumé eines „O.K best of“ der renommierten Biennalen von Venedig, Istanbul, Prag und Vilnius 2005. „Biennalen“ gibt es wie Sand am Meer – die wichtigen von ihnen sind aber nach wie vor die Trendsetter in der Kunst, Gradmesser dafür, wohin die Reise geht. Weniger kommerziell orientiert als die Kunstmessen, sind sie sowohl Bühne für „big names“ als auch begehrte Plattform für junge, unbekannte, aufstrebende KünstlerInnen, die sich im internationalen Rampenlicht präsentieren.

Die Ausstellung „Biennale Cuvee“ präsentiert eine „Weltauswahl“ von 38 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die beispielhaft für die interessantesten Entwicklungen im Bereich der Gegenwartskunst stehen. Linz wird damit zum ersten Mal Schauplatz für eine solche aktuellen Leistungsschau der Kunst. Ein Ziel der Ausstellung ist es, das ‚Fenster zur Welt‘ zu öffnen und die nationale bzw. lokale Debatte über ‚Gegenwartskunst‘ durch den internationalen Vergleich zu bereichern.

Eine solche Auswahl aus hunderten Kunstwerken ist naturgemäß subjektiv. Der Focus liegt – gemäß den Zielsetzungen des O.K als Kunstlabor der Gegenwart – auf einer jüngeren Künstlergeneration, das Interesse konzentriert sich auf aktuelle ästhetische Ausdrucksweisen, auf dezidiert raumbezogene oder mediale Arbeiten und auf Projekte, die gesellschaftliche Fragestellungen aufgreifen.

1) Film- und Videoinstallationen sind das dominierende Genre. Unter dem Titel "Experimente in den Medien" hat das O.K Arbeiten zusammen gefasst, die neue, zukunftsweisende Perspektiven im künstlerischen Umgang mit technischen Medien aber auch mit den klassischen Medien der Bildenen Kunst aufzeigen. Auffällig ist dabei, dass die digitalen Technologien in der gegenwärtigen Medienkunst keine dominierende Rolle spielen. Vielmehr werden Methoden der Popkultur aufgegriffen und kreativ verwertet (z.B. Remix, Cut & Paste bei Robin Rhode und Candice Breitz) und die spezifischen Qualitäten und Grenzen des Mediums durch kunsthistorische Referenzen, bzw. im Spiel mit klassischen bildnerischen Genres wie der Malerei und der Skulptur ausgelotet (z.B. bei Gerwald Rockenschaub und Markus Huemer). Ein weiterer Trend sind hochprofessionelle Filmproduktionen (z.B. Chen Chie-jen und Johanna Billing) und der ironisch-spielerisch Umgang mit dokumentarischem Material (z.B. Isabelle Krieg und Deimantas Narkevicius)

2) Die „Politische Kunst“ hat nach wie vor Konjunktur. Im Gegensatz zum eher „trockenen“ Dokumentarstil und der „Soziologenkunst“ der 1990iger Jahre werden gesellschaftspolitische Themen wieder „symbolisch“, mit allen Mitteln zeitgenössischer Ästhetik, sinnlich und eindringlich formuliert (z.B. die Situation der Afro-Kolumbianer in der Videoinstallation von Juan Manuel Echavarría). Zahlreiche Arbeiten fokussieren und analysieren minutiös ganz spezifische gesellschaftliche Zustände aus dem unmittelbaren kulturellen Umfeld der KünstlerInnen – ein Beleg für den großen Einfluss der „Kulturwissenschaften“, wie bei Tania Bruguera die Postcolonial Studies. Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind zahlreiche Projekte, die den Kommunismus bzw. die postkommunistischen Verhältnisse aufarbeiten (z.B Adrian Paci und Django Hernández) oder solche die sich mit den Massenmedien beschäftigen.

3) Ein Unterthema dieses Bereichs ist die Stadt: Mapping, Recherche und dokumentarische Bestandsaufnahme urbaner Phänomene sind ebenso Teil der Auseinandersetzung mit Stadt, wie spielerische und leichtfüßige Arbeiten, etwa die Videos von Donna Conlon. In der Auseinandersetzung mit Architektur und Urbanismus stehen weniger die skulpturalen Qualitäten als die räumliche und soziale Dimensionen und die Wandlung des öffentlichen Raums im Vordergrund. Neben ortspezifisch entwickelten Arbeiten, wie der Intervention "Mind the Steps" in Istanbul von Karl-Heinz Klopf zeigt das O.K Calin Dans poetische Beschäftigung mit Bukarest, in der ein Mann eine Türe durch die im Wandel befindliche Stadt trägt.

4) Die Zeit der großen, charismatischen Kuratoren, die mit visionären Ausstellungsthemen das Kunstfeld prägen, scheint vorbei zu sein (in diesem Sinn ist es durchaus bezeichnend, dass der Schweizer Künstler Gianni Motti dem großen, im Vorjahr verstorbenen Ausstellungsmacher Harald Szeemann in den Gardini der Biennale Venedig eine eigene „Strasse“ gewidmet hat). Während Prag auf den ersten Blick vor allem mit Quantität punktete – zwei Biennalen (!) zur gleichen Zeit, mit über 500 Kunstprojekten, zahlreichen KuratorInnen und Sub-Themen – überzeugte Istanbul durch ein auf die Stadt bezogenes kuratorisches Gesamtkonzept zum Thema Urbanismus mit Auftragsarbeiten, die vor Ort ausgeführt wurden. Die großen kuratierten Ausstellungen im Italienischen Pavillon und dem Arsenale in Venedig sind persönlich gehalten, thematisch eher unscharf und stellen das Einzelkunstwerk in den Mittelpunkt – ein Trend, der sich in den großen nationalen Pavillons der Gardinis fortsetzt. Ganz anders definieren die Kuratoren der Baltic-Triennale ihre Rolle. „Tarnen und Täuschen“ ist nicht nur abgehandeltes Thema der Schau sondern wird zur Grundstrategie des Projektes. Alle Konventionen des modernen Ausstellungsmachens – vom Marketing über die Ausstellungsarchitektur bis hin zur Präsentation der einzelnen KünstlerInnen – werden ironisiert und spielerisch unterlaufen. Black Market Worlds ist ein Regelbruch. Für das O.K wurden deshalb nicht einzelne Kunstwerke ausgewählt, sondern mit den Kuratoren eine neue Version der Ausstellung entwickelt.


Oscar Muñoz

Re/trato, 2003

Video

Ereignisse und Dinge, die in Bewegung sind, die einen Beginn, aber keine eindeutige Gestalt und kein Ende haben – sind Themen von Oscar Muñoz. In Re/trato ist es der vergebliche Versuch, ein Portrait mit Wasser auf Stein zu fixieren. Eine ewige Wiederholung der gleichen Bewegung, die niemals ans Ziel kommt. Muñoz betont das frustrierende Moment, das in der Wiederholung steckt und wie eine spielerische Variante des Mythos von Sisyphus wirkt. Genaugenommen wird aber nicht dasselbe wiederholt. Das Gesicht, das immer wieder aufgepinselt wird, wird fortlaufend, so der Künstler, aus der Erinnerung rekonstruiert und unterscheidet sich deshalb vom vorhergehenden.
Muñoz, der sich theoretisch und künstlerisch immer wieder mit Fotografie beschäftigt hat, verweist damit auf die Unmöglichkeit, das Gegenüber, den Anderen, die Welt eindeutig einzufangen.

51. Biennale Venedig, 2005

Oscar Munoz, geboren 1951 in Popayàn, Kolumbien, lebt und arbeitet in Kali.


Tania Bruguera

Poetic Justice, 2002 – 2003

Videoinstallation

Die in Havanna lebende Tania Bruguera ist mittlerweile eine der bekanntesten Künsterlnnen Kubas. Sie arbeitet va. mit Installationen, aber auch Performances und Zeichnungen. Ihre Arbeit ist eine Reflexion ihrer kulturellen Umgebung, in der sie das Verhältnis von Ideologie und Macht (durchaus auch aus feministischer Perspektive), aber auch Emigration und Postkolonialismus thematisiert. Sie steht damit in der Tradition von KünstlerInnen, die kulturwissenschaftliche Themen aufgreifen und in ihrer Arbeit künstlerisch übersetzen.

Die Idee für die Installation Poetic Justice entstand bei einem Aufenthalt in Indien, und reflektiert eine koloniale Situation. Der Teebeutel in Indien wird zu einer perfekten Metapher für das Verhältnis von Kolonialherren und Kolonialisierten, ein Verhältnis, das sich nicht nur durch (einseitigen) wirtschaftlichen Transfer sondern auch durch kulturelle Übernahmen und Umdeutungen beschreiben lässt. Bruguera zeigt, wie das Produkt Tee als eine indische Tradition nach England gebracht und dort zur einer original britischen Ware uminterpretiert wurde. Zurück in Indien mutierte der Tee zu etwas Fremdem – zu einem „elitären“ Produkt der Kolonialmacht. Die historische Ebene fügt sie über 8 teesäckchengroße Monitore, auf denen Filmmaterial aus unterschiedlichen Zeiten und Orten gezeigt wird, ein.

51. Biennale Venedig, 2005

Tania Bruguera, geboren 1968 in Kuba, lebt und arbeitet in Havanna u. Chicago
www.taniabruguera.com


Donna Conlon

Espectros Urbanos / Urbane Phänomene, 2004

Video

Zivilisationsmüll und ausrangierte Gegenstände sind das Material mit dem Donna Conlon arbeitet. Ihre Methode bezeichnet sie als „sozio-archeologische Untersuchungen“. Dabei interessiert sie sich u.a. für das widersprüchliche Sozialverhalten einer Wegwerf-Gesellschaft.
Gebrauchte Getränkekapseln, Gummistücke und Zündholzschachteln werden in dem Animationsvideo Espectros Urbanos zur Skyline von Panama City aufgestapelt. Der Müll ist als solcher auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Mit ironischer Geste wird die Repräsentationsarchitektur eines urbanen Zentrums aus Abfall-Materialien neu zusammengesetzt.

51. Biennale Venedig, 2005

Donna Conlon

Coexistencia, 2003

Video

Coexistencia zeigt Blattscheideameisen in einem Wald in Panama. Donna Conlon deponierte Friedenssymbole und kleine Flaggen der 191 Mitglieder der Vereinten Nationen, die von den Ameisen ebenso aufgegriffen und transportiert wurden wie Blätter. Die gesamte Aktion dauerte ca. eine Stunde; das Dokumentationsvideo wurde so geschnitten, dass nur mehr Flaggen von Ländern zu sehen sind, die in der jüngeren Geschichte in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt waren bzw. sind.

51. Biennale Venedig, 2005

Donna Conlon, geboren in Atlanta/USA, lebt und arbeitet in Ciudas de Panama


Chen Chieh-jen

Factory, 2003

Ein-Kanal-Videoinstallation

In den 1960er Jahren war Taiwan als Billiglohnland eines der Hauptzentren der Textilindustrie. Ab 1990 wanderte die intensive Produktionsindustrie jedoch in Länder mit noch niedrigeren Produktionskosten ab, viele Taiwanesen wurden arbeitslos.
2003 lud Chen Chieh-jen einige Textilarbeiterinnen in die sieben Jahre vorher geschlossene Lien Fu Textilfabrik, in der sie über zwei Jahrzehnte gearbeitet hatten, um einen Film zu drehen. Die verlassene Fabrik präsentiert sich wie ein Relikt der Vergangenheit: Viele Objekte waren noch vorhanden: Kalender, Stechuhren, Arbeitsgeräte sowie Transparente und Megaphone vom Protest der Arbeiter gegen die Schließung. Mit den Arbeiterinnen wurde vereinbart, für den Film ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Die Kamera konzentriert sich auf ihre Körpersprache während der Arbeit, auf einfache Handgriffe und die Atmosphäre des Raumes. Einige bruchstückhafte Sequenzen aus der Zeit des Protestes gegen die Schließung der Fabrik wurden eingeschnitten. Dem Wunsch der Frauen entsprechend, nicht sprechen zu müssen, wurde der Film ohne Ton aufgenommen. Chen Chieh-jen nimmt ein Phänomen der Globalisierung auf und übersetzt es in einen hochprofessionell in 35mm gedrehten Film.

51. Biennale Venedig, 2005

Chen Chieh-jen, geboren 1960 in Taipei, Taiwan, lebt und arbeitet dort.


Deimantas Narkevicius

Once in the 20th Century, 2004

DVD PAL, Edition von 5

Im Zentrum von Narkevicius Schaffen steht das Verhältnis von Individuum zu Geschichte, von persönlichem Erleben zu medialer Vermittlung. Obwohl er sich mit zeitgenössischen Themen auseinandersetzt, reichen die zugrunde liegenden Probleme weit in die Geschichte zurück. Die Arbeiten entstanden in einer Zeit des dynamischen Umbruchs in der postkommunistischen Gesellschaft, in der weder Zeit für geschichtliche Reflexion noch für die Entwicklung von Zukunftsperspektiven blieb.
In der Arbeit im O.K greift Narkevicius auf found-footage Material aus dem nationalen litauischen TV Archiv zurück und lässt die Handlung rückwärts laufen. „Once in the 20th Century“ hinterfragt die Glaubwürdigkeit der Bilder. Der Film zeigt eine fröhliche Menschenmenge in Vilnius, die scheinbar nicht dem Sturz, sondern der Errichtung einer Lenin-Statue beiwohnt.

1. Biennale der National Galerie Prag, 2005

Deimantas Narkevicius, geboren 1964 in Utena, Litauen, lebt und arbeitet in Vilnius


Muratbek Djoumaliev, Gulnara Kasmalieva

Trans Siberian Amazons, 2004

Videoinstallation

Die auf der Biennale Venedig im erstmals installierten zentralasiatischen Pavillon gezeigte Arbeit nimmt die Situation der Kofferhändlerinnen in Kirgisien auf und übersetzt diese in eine Rauminstallation mit drei Monitoren.
Nach der Auflösung der Sowjetunion und der Liberalisierung des Marktes fiel der Lebensstandard der Bevölkerung rapid, die Aneignung bisher unbekannter Marktmechanismen wurde zur Überlebens-Notwendigkeit. Eine neue Form des Handels, sogenannte „Kofferhändlerinnen“ überschwemmen den Markt mit importierten Waren. Die unaufhörliche Migration zwischen Produzenten und Konsumenten zwingt diese Kofferhändlerinnen, riesige Distanzen zu überwinden, oft mehrere Grenzen zu überschreiten und praktisch alle Möglichkeiten des öffentlichen Verkehrs zu benützen. In Zügen in ganz Asien begegnet man solchen Frauen, sie tragen karierte chinesische Taschen voll Waren aus China.

51. Biennale Venedig, 2005

Muratbek Djoumaliev, geboren 1965 in Bischkek/Kirgisistan & Gulnara Kasmalieva geboren 1960 in Bischkek/Kirgisistan; leben und arbeiten dort.


Yaron Leshem

Köy / Village, 2004

Leuchtkasten

„Village“ ist ein 4,7m langes Panoramabild, zusammengestellt aus digitalen Farbbildern, 50 Fotos wurden mit einer Mittelformat-Kamera aufgenommen und auf einem Leuchtkasten montiert.
Zu sehen ist ein von der israelischen Armee errichtetes Modell eines Palästinenserdorfes. Das Attrappendorf wurde in realer Größe zu Trainingszwecken für israelische Soldaten gebaut, um mögliche Angriffsszenarien auf palästinensische Siedlungen zu simulieren.
Die Arbeit setzt in digitaler Collagetechnik ein gestochen scharfes Bild in Szene, sie erscheint in ihrer mit bloßem Auge nicht wahrnehmbaren Detailtreue und der Hinterleuchtung ästhetisch überhöht und wird damit zu einer hyperrealen Metapher für den Israel-Palästina Konflikt.

9. Istanbul Biennale, 2005

Yaron Leshem, 1972 in Jerusalem geboren, lebt und arbeitet in New York
http://yaronleshem.com/


Calin Dan

Sample City, 2003

Vierkanal Videoinstallation

Mit gesampelten Bild- und Tonsequenzen, die auf vier Projektionsflächen in einem genau kalkulierten rhythmischen Wechsel aufeinander bezogen werden, entwirft Calin Dan ein Stadtporträt von Bukarest. Heruntergekommene Plattenbauten neben neuen Reihenhaussiedlungen, Roma-Familien, die auf Brachland mitten in der Stadt mit ihren Pferdefuhrwerken campieren, kaputte Strassen und neue Einkaufsparadiese – das ehemals kommunistische Bukarest ist heute eine Stadt im Umbruch.
Begleitet von „Manele“, traditioneller rumänischer Volksmusik und einheimischem Hiphop folgen wir den Spuren einer Gestalt, die eine Tür auf dem Rücken durch Bukarest schleppt. Diese absurde Figur ist dem rumänischen Volksgut entnommen, ein „Pacala“(Schildbürger) unserer Zeit. Er ist Stadtführer und Bewohner zugleich. Aus der Spannung zwischen dem unkontrollierbaren, urbanen Wildwuchs und dem Improvisationsvermögen und der Anpassungsfähigkeit seiner Bewohner entsteht die emotionale Dimension der Stadt.

1. Biennale der National Galerie Prag, 2005

Calin Dan, 1955 in Rumänien geboren, lebt und arbeitet in Amsterdam & Bukarest


Qin Ga

Miniature Long March, 2002 – 2005

23 Fotografien und 2 Videos

Der historische „Lange Marsch“ ist der zentrale Heldenmythos der Kommunistischen Partei Chinas. Nachdem der Aufstand der Kommunisten von der nationalen Armee niedergeschlagen wurde, zog sich Mao mit seiner Gruppe in das Jinggang-Gebirge zurück. Nach weiteren Niederlagen begründete Mao Zedong die eigenständige Linie des chinesischen Kommunismus und marschierte von Zunyi nach Yan`an. Nach der Gründung der Volksrepublik China wurde der „Lange Marsch“ als Symbol der Stärke und Widerstandsfähigkeit propagiert.

Qin Ga`s zweiteilige Arbeit stellt eine sehr eindrückliche Verbindung zwischen der Bewegung durch den öffentlichen Raum, Gedächtnis und kollektiver Geschichte dar. 2002 machte sich ein Künstler-Team auf den Weg von Ruijin nach Yan`an. Qin Ga, der in Peking geblieben war, ließt sich den Verlauf des Weges Stück für Stück auf den Rücken tätowieren und fotografieren. Als zweiten Teil der Arbeit legte der Künstler 2005 den Weg persönlich zurück und ließ sich während der Aufenthalte von der Luding-Brücke bis nach Yanàn tätowieren.

1. Biennale der National Galerie Prag, 2005

Qin Ga, 1971 in der inneren Mongolei geboren, lebt und arbeitet in China
www.longmarchspace.com


Django Hernández

Palabras, 2005

Videoinstallation

Django Hernández ist ein international äußerst erfolgreicher politisch arbeitender Künstler, der seine Anliegen in ein breites künstlerisches Spektrum – von Raum- und Klanginstallationen, Videos, Internet-Animationen sowie Fotos und Zeichnungen – in eine poetische und durchaus humorvolle Sprache übersetzt. Statt eindeutiger Antworten wirft Django Hernández immer wieder Fragen auf: nach der problematischen Beziehung zwischen Amerika und Kuba, nach dem amerikanischen Selbstverständnis oder der kubanischen Kunst der Improvisation, die aus der Krise geboren zum Dauerzustand geworden ist.
Im Vordergrund der Videoinstallation Palabras lehnen ausrangierte Telefonmasten, in der Projektion werden in einer Art Nachspann die Präsidenten und Premierminister der sozialistischen Länder zu dem Song „E penso ate“ von Mina abgespielt. Die Masten sind eine Referenz an die Lobpreisung der Kommunikationstechnologie in der kommunistischen Propaganda – in der Elektrizität unter Lenins Formel „Kommunismus - das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“ (Lenin, Sämtl. Werke, Band XXVI) eine Schlüsselrolle zukam.

51. Biennale Venedig, 2005

Django Hernández, geboren 1970 in Kuba, lebt und arbeitet in Havanna und Düsseldorf


Adrian Paci

Turn On, 2004

Video

Adrian Paci ist einer der wenigen international bekannten albanischen Künstler. Seine Arbeiten – Videos, Malerei, Installationen, Fotografie – thematisieren Lebensumstände wie soziale Ungleichheit und Migration.
Das poetische Video Turn on zeigt in Nahaufnahmen die Gesichter arbeitsloser albanischer Männer, die regelmäßig auf den Stufen des Stadtplatzes von Shkodra, dem Geburtsort des Künstlers, anzutreffen sind. Einer nach dem anderen startet einen geräuschvollen Stromgenerator und bringt so jeweils eine große Glühbirne zum Leuchten. Während sich die Kamera immer weiter zurückzieht, wird langsam die gesamte Stiege mit den für das Projekt angeheuerten Männern sichtbar.
Unsichtbar bleibt, dass einige Ortsbewohner die Aktion für einen politischen Protest gegen die Regierung hielten und sich versammelten, einige Fahnen schwangen.
Die überlebenswichtigen Stromgeneratoren werden zu einer Metapher für die labile Infrastruktur des Landes seit dem Ende des Kommunismus, der schon von Lenin symbolisch mit Elektrizität gleichgesetzt wurde.

51. Biennale Venedig, 2005

Adrian Paci, geboren 1969 in Albanien, lebt und arbeitet in Mailand


Juan Manuel Echavarría

Bocas de ceniza / Aschenmünder, 2003

Serie von 7 Videos

Echavarria war 30 Jahre lang Schriftsteller, ehe er sich der Bildenden Kunst zuwandte um die bildlichen und dokumentarischen Qualitäten dieses Mediums für seine gesellschaftspolitischen Anliegen zu nutzen. In seinen Fotoserien und Videofilmen beschäftigt er sich mit der Macht der Drogenkartelle und verschiedenen Formen der Gewalt in Kolumbien, die — nach 50 Jahren Bürgerkrieg — zur erschreckenden Normalität geworden ist.

Bocas de ceniza /Aschenmünder - nannten die spanischen Eroberer Kolumbiens das Mündungsdelta des Magdalena River, Grund für diese Bezeichnung war der Entdeckungstag (Aschermittwoch). Der Name ist heute zynisch-doppeldeutig: immer wieder treiben im Fluss die Leichen von Opfern der verheerenden Drogenkriege. Im Video porträtiert Echavarria die an der Karibischen Küste ansässigen Afrokolumbianer. Die meisten von ihnen sind arme Bauern, die zwischen alle Kriegs-Fronten geraten ist. Sie singen, ganz in der Tradition mündlicher Überlieferungen, selbst komponierte Lieder über ihre traumatischen Erlebnisse.

51. Biennale Venedig, 2005

Juan Manuel Echavarria, geboren in Medellin, Kolumbien, lebt und arbeitet in Bogota.


Karl-Heinz Klopf

Mind the Steps, 2005 – 2006

Interventionen im öffentlichen Raum

Ein Schwerpunkt der künstlerischen Praxis von Karl-Heinz Klopf liegt im gebauten Lebensraum und den damit verbundenen Konditionen, Wahrnehmungen und Empfindungen. In den unterschiedlichsten Medien von Zeichnungen, Fotografien über Videos, Installationen und Arbeiten für den öffentlichen Raum setzt er seine Projekte im Kontext von Architektur und Urbanismus um.
Die Arbeit im O.K ist eine Weiterführung seiner Intervention im öffentlichen Raum für die Biennale Istanbul 2005. Auf der großformatigen Projektion sind Aufnahmen von fünf Schauplätzen im Stadtteil Galata zu sehen, begleitet vom Originalton der stattgefundenen Performances und Konzerte.
Phänomene der Stadtentwicklung Istanbuls, wie die von Privatpersonen äußerst individuell gestalteten, oft mit skulptural anmutenden Stiegen überbrückten, Gefälle in der Stadt macht Klopf zu temporären Handlungsräumen. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf diesen Zwischenraum von Privatem und Öffentlichem, markiert diese Orte alltäglicher sozialer Interaktion, und stellte sie Nachts als Bühnen ins Rampenlicht.

9. Istanbul Biennale, 2005

Karl-Heinz Klopf , geboren 1965 in Linz, lebt und arbeitet in Wien
http://www.expand.at


Johanna Billing

Magical World, 2005

Video

Melancholie begleitet Johanna Billings Interpretationen von sich wandelnden gesellschaftlichen Situationen. In ihren präzise konzipierten Filmen porträtiert sie Menschen in gestellten Situationen mit komplexen Hintergründen. Die extrem konzentrierten Handlungen bewegen sich zwischen Dokumentation und Fiktion.

Der im O.K präsentierte Film nimmt den 1968 vom Afroamerikaner Sidney Barnes komponierten Song „Magical World“ auf, der zwar nicht explizit politisch ist, aber zu einem Symbol der 68er Generation wurde. Der Film, 2005 in Zagreb gedreht, bewegt sich zwischen Aufnahmen einer Kindergruppe in einem Musikraum, die diesen Song wiedergibt, und Außenansichten eines Kulturzentrums. Der sozialistische Repräsentationsbau aus den 80er Jahren ist einer der größten seiner Art und steht in Kontrast zu dem Aufbruch, den die kroatischen Kinder mit dem Lied anstimmen.

9. Istanbul Biennale, 2005

Johanna Billing, geboren 1973 in Jönköping, Schweden, lebt und arbeitet in Stockholm
http://www.makeithappen.org/johannabilling.html


Jakub Moravek

Standing Ovation, 2001

interaktive Videoinstallation

Standing Ovation, ist die Abschlussarbeit des jungen tschechischen Künstlers Jakub Moravek an der Akademie der Bildenden Künste in München. Diese Videoinstallation erlaubt es den BesucherInnen durch ihre Bewegung im Raum die Handlung zu steuern, die Seiten wechseln und selbst zum Betrachteten zu werden. Eine festlich gekleidete Gruppe auf der Leinwand reagiert auf den Besucher in dem sie beim näheren Herantreten an die Projektion (gesteuert durch Bodensensoren) immer enthusiastischer applaudiert.
Die Projektion reagiert prompt und individuell auf die jeweils handlungsauslösende Bewegung im Raum. Jeder, ausnahmslos und demokratisch, wird unabhängig von einer Leistung bejubelt und mit tosendem Beifall überschüttet.

1. Biennale der National Galerie Prag, 2005

Jakub Moravek, geboren 1971 in Pribram, Tschechien, lebt und arbeitet in München
www.jakub-moravek.de


Maider López

727 x 800, 2005/2006

Boden und Wandarbeit

Die Arbeiten der jungen spanischen Künstlerin Maíder Lopez bewegen sich zwischen Kunst, Design und Architektur. Unabhängig ob es sich um möbelartige und auch so benutzbare Skulpturen, farbige Türmatten, bunte Markisen oder erfundene Verkehrzeichen im öffentlichen Raum handelt, entstehen ihre Arbeiten im Kontext von Kunst, haben aber einen Nutzen für den täglichen Gebrauch.
Wie in der von der Biennale Venedig übernommen und ortspezifisch im O.K realisierten Arbeit spielt sie mit den verschiedenen Funktionen und Zuschreibungen. Das ehemaligen Eingangsfoyer des O.K ist nun ein Farbraum. Jede einzelne Wandfläche wurde vermessen, ihr dann eine Farbe zugeordnet und diese dann mit der Bemaßung beschriftet. Wobei die farbigen Wände nicht nur Wände sondern, frei nach den kunsthistorischen Referenzen (wie die amerikanischen Farbfeldmalerei der 60er Jahre), derer sich die Künstlerin bedient, auch monochrome Malerei sind. Durch die poppige Gestaltung erfährt der Raum selbst eine neue Wahrnehmung, er wird zur Skulptur.

51. Biennale Venedig, 2005

Maider López, 1975 geboren in San Sebastian, Spanien, lebt und arbeitet dort.
www.maiderlopez.com


Isabelle Krieg

Unerledigt, 2003/2005

Installation

Die Installation besteht aus gebrauchten Kaffeetassen, aufgetürmt in unterschiedlichen Plastikschüsseln, bereit für den Abwasch.
Bei näherem Betrachten entpuppen sich die Schmutzreste in den Tassen als Zeichnungen, die offensichtlich nach Zeitungsbildern angefertigt wurden. Die Arbeit entstand als die Presse voll von Berichten über den Irak-Krieg waren und liefert so ein ungewöhnliches Zeitdokument. Stärker als um den spezifischen Anlass geht es der Künstlerin in der kontinuierlich weiter entwickelten Arbeit aber um die tägliche Zeitungslektüre, bei der, unabhängig ob Kriegsgräuel oder High-Society-News immer ein etwas (in der Tasse) „hängen bleibt“.
Die Bilder selbst, aus Kaffee- und Kakao-Resten gefertigt, erinnern an die Tradition des aus Kaffeesud-Lesens, bilden eine Analogie zur „Schmutzwäsche“, die alltäglich in den Medien gewaschen wird, und verdeutlichen den Abfallcharakter der abgelagerten Bilder.

1. Biennale der National Galerie Prag, 2005

Isabelle Krieg, geboren 1971 in Friburg, Schweiz, lebt und arbeitet in Zürich
www.isabellekrieg.ch


Robin Rhode

3 Videos / digitale Animationen

Horse, 2002
New Kids on a Bike, 2002
Marongrong, 2002

Im Zentrum des Werkes von Robin Rhode stehen Performances, gewachsen aus den Erfahrungen seiner High School- und Jugendzeit in der Umgebung von Johannesburg. Elemente der Straßenkultur (Sport, Musik, Mode) verbindet er dabei mit der Kultur des „Kunst-Machens“. Seiner Überzeugung nach hat Kunst eine bildende und praktische Funktion, weshalb seine Performances auch im „Alltags-Raum“ — auf Plätzen, Strassen und in Parks der Vorstädte — stattfinden.
Mit Kohlestift zeichnet er ein Motiv an die Wand, mit welchem er dann „dreidimensional“ interagiert und eine Geschichte erzählt. Die drei im O.K präsentierten Videos entstanden aus einer einzigen Kameraeinstellung, einem von oben auf die Straße gerichteten Blickwinkel. Die Einzeleinstellungen ergeben hintereinander gereiht und animiert spielerische Kurzfilme.

51. Biennale Venedig, 2005

Robin Rhode, geboren 1976 in Kapstadt, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin


Candice Breitz

Mother, 2005 & Father, 2005

2 Sechs-Kanal Videoinstallationen

2000 hat Candice Breitz als damals noch aufstrebende Künstlerin mit ihrer erster großen institutionelle Einzelausstellung „Cuttings“ im O.K Furore gemacht. In der für die Künstlerin charakteristischen Methode von Montage und Collage liefern bekannte Hollywoodfilme das Ausgangsmaterial, das die Künstlerin digital bearbeitet, nach einem eigenen Drehbuch neu strukturiert und damit in neue Zusammenhänge überführt.

Mother: Auf sechs Bildschirmen ist je eine bekannte amerikanische Schauspielerin in einer ihrer Rollen als Mutter zu sehen. Das Spektrum der Rollen zeigt Mutterfiguren verschiedener Generationen und unterschiedlichen Charakters und umfasst eine breite Palette von Darstellerinnen – Meryl Streep, Shirley McLaine, Julia Roberts, Susan Sarandon, Diane Keaton und Faye Dunaway. Die Figuren werden aus dem ursprünglichen Filmkontext herausgelöst und erscheinen in Candice Breitz’ Installation vollkommen isoliert vor einem schwarzen Hintergrund.
Ihren fiktionalen Dialogen fehlt der Filmpartner, was ihre emotionalen Reaktionen kaum mehr nachvollziehbar macht. Dennoch entsteht eine eindringliche Atmosphäre, in der die Frauen über ihr "Mutter sein" in Beziehung zueinander stehen und scheinbar aufeinander reagieren.
Die Installation „Father“ enthält Szenen mit Tony Danza, Dustin Hoffman, Harvey Keitel, Steve Martin, Donald Sutherland and Jon Voight.

51. Biennale Venedig, 2005

Candice Breitz, geboren 1972 in Johannesburg, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin


Gerwald Rockenschaub

Ohne Titel, 2001 – 2002

7 Flash-Animationen

Gerwald Rockenschaub zählt zu den international renommiertesten bildenden Künstlern Österreichs. Seine Arbeitsweise ist durch das Prinzip der Konzentration und Reduktion auf wenige, aber wesentliche Elemente und Strukturen geprägt ist. Mit seinen Bildern, Objekten, Animationen und Rauminstallationen bezieht sich Rockenschaub gleichermaßen auf Ideen und Positionen der Moderne wie auf Phänomene der Alltags- und Popkultur.

Neben seinen Auseinandersetzungen mit dem (Ausstellungs-)Raum als komplexe soziale Struktur bietet Rockenschaub die Verwendung digitaler Mittel neue Möglichkeiten. Die für das O.K ausgewählte Videoinstallation ist eine Übersetzung des Tafelbildes in bewegte Bilder und damit eine Weiterführung von Gerwald Rockenschaubs Formensprache und Auseinander-setzung mit der Kunstsystem.

1. Biennale der National Galerie Prag, 2005

Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin und Wien


Markus Huemer

Es gibt Situationen im Leben, da ist das Schicksal ganz klar auf meiner Seite, 2005

Acryl und Öl auf Leinwand

Seit 1194 Tagen ohne Zungenkuss. Davor 1721. Seit 314 Tagen ohne Date. Davor 945. Seit 19 Tagen ohne erotischen Blickkontakt.

Videoinstallation

Markus Huemer verbindet in seiner Arbeit Medienkunst mit Themen der klassischen Bildenden Kunst, bezieht sich auf kunsthistorische Fragestellungen und Kontextualisierungen, wobei die Hinterfragung des jeweiligen Mediums eine zentrale Rolle in seinem Werk spielt. So stellt er in seiner künstlerischen Auseinandersetzung, die er als malerischen Manierismus bezeichnet, immer auch das Medium und die Technik zur Disposition und setzt die mit kunsthistorischen Referenzen aufgeladenen Arbeiten mit reduzierten formalen Setzungen und poetischen Titeln in Beziehung.
In der gezeigten Leinwandarbeit, geht es um den kunstinternen Diskurses zur zuweilen totgesagten und inzwischen wieder hoch im Kurs stehenden Malerei. In der Ausstellung im O.K stellt er dieser Arbeit einer Videoinstallation gegenüber.

Prague Biennial 2, 2005

Markus Huemer, geboren 1968 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin


José Damasceno

Durante o camino vertical, 2001

Rauminstallation, 32 Skulpturen

Das Thema des renommierten brasilianischen Künstlers José Damasceno ist die Skulptur und der umgebende Raum, die er in humorvollen und spielerischen Arbeiten untersucht. Er schafft aus alltäglichen Materialien, in sorgfältigen Wiederholungen poetische Formationen und sensibilisiert unsere Wahrnehmung für die feinen Abstufungen.
In der Rauminstallation im O.K ergeben tausende übereinander gestapelte Telefonbuch-Seiten skulpturale Formen, die vom Boden in die Decke wachsen. Einem horizontalen Pfad durch den Raum folgend, wachsen die Fußspuren des Künstlers in die Vertikale und machen den Weg zu einem markanten skulpturalen Gebilde, das auch den gesamten Umraum neu definiert. Nach Meinung des Künstlers ist Raum niemals passiv und künstlerische Interventionen können mit ihm in Dialog treten.

51. Biennale Venedig, 2005

José Damasceno, geboren 1968 in Rio de Janeiro, Brasilien, lebt und arbeitet dort


Daniel Bozhkov /S/US, Roberto Cuoghi /I, Ignacio González Lang /MEX/US, Loris Gréaud /F, Juozas Laivys /LT, Gabriel Lester /B /US, Christelle Lheureux /F + Apichatpong Weerasethakul / TW, Jonathan Monk /GB/DT; Melvin Moti /NL, Arturas Raila /LT, Bruno Serralongue /F, Laura Stasiulyte /LT, Markus Schinwald /A/DT, Mirjam Wirz / LT

Black Market Worlds

BMW – IX baltische Triennale, Vilnius, 2005

Tarnen und Täuschen auf allen Linien – das ist der Grundtenor der 9. Baltischen Triennale, die als große „Themenausstellung“ mit 48 Künstlerinnen 2005 im CAC in Vilnius realisiert wurde. Für „Biennale Cuvée“ wurde keine „Auswahl“ zusammengestellt sondern eine neue ‚Linzer Version‘ entwickelt.

Schon der Titel der Schau führt in die Irre: „Black Market Worlds“ ist keine – wie man vermuten könnte - Auseinandersetzung mit den ökonomischen Verhältnissen in der postkommunistischen Gesellschaft Litauens. Wohl aber verweist der Titel assoziativ auf bestimmte Strukturmerkmale, die aus der Welt des Schwarzmarktes in die Kunst transferiert und dort weitergesponnen werden: Gegenstände und Abbildungen, deren Sinn rätselhaft ist, die gefälscht sind oder deren Herkunft unklar ist; Informationen, deren Authentizität ungesichert ist, die kryptisch sind oder unter der Hand weitergegeben werden. Ein gemeinsames Thema im konventionellen Sinn lässt sich anhand der Arbeiten nicht festmachen, abgesehen davon, dass quer durch die Ausstellung gespensterhafte, okkulte oder magische Vorkommnisse visualisiert werden und mit Vorliebe unsichtbare Kanäle wie das elektronische Netz, Telefonleitungen und Energiefelder benützt werden.

Es ist bezeichnend für die Strategie der Kuratoren, dass die Projektbeteiligten über 50 alternative Titelvorschläge eingebracht haben. Im Vorfeld wurden statt der üblichen Werbemaßnahmen Gerüchte gestreut und mit den Methoden des Guerillia-Marketings aktionsbezogene oder performative Kunstereignisse inszeniert, die nur mehr als Spur, Erinnerung oder Fragment in der Ausstellung präsent sind. Über die kuratorischen Absichten und die einzelnen Kunstwerke werden – bis hin zur konkreten Beschreibung der Arbeiten – widersprüchliche, verwirrende oder gar keine Informationen verbreitet. Nichts ist so, wie es scheint - alles Lug und Trug? Oder doch nicht? Die Kuratoren und mit ihnen die KünstlerInnen treiben ein ebenso rätselhaftes wie ironisches, lustvoll-kreatives Spiel mit den Besuchern und den Erwartungshaltungen an ein repräsentatives Ausstellungsformat.

Herzstück der Ausstellung sind Vorhänge aus schwarzen Plastikplanen, wie sie am Bau im „Untergrund“ für die Abdichtung von Wasserrohren u.ä. verwendet werden. In dieser omnipräsenten Ausstellungsarchitektur verbergen, verschwinden und verhüllen sich die einzelnen Kunstwerke. Für „Biennale Cuvée“ wurden die Planen im Großen Saal in einer labyrinthischen Struktur angeordnet.


Pressefotos