| Motivation:
Um die vielfältigen Eindrücke im Gebirge auch im Tal wahrnehmen zu können, sind wir auf diverse Platzhalter angewiesen:
Ansichtskarten und Dias vermitteln das imposante Panorama, Münzfernrohre malen uns das Gipfelkreuz auf die Stirn, erzählte Geschichten unserer geliebten Bergfexe geben uns eine Vorstellung alpinen Abenteuers. Das Gipfelbuch dient als Poesiealbum und Zeugnis herbeigewünschter Kommunikation. Die Flucht in schwindelerregende Höhen scheint ein wichtiges Phänomen zu sein, vielleicht um endlich Ruhe zu finden oder um dem gierigen Verlangen nach neuen Empfindungen weiter Folge zu leisten. Sonnenbrände, Muskelkater und Blasenfüße werden immer wieder in Kauf genommen, um die überwältigende Aussicht und die absolute Freiheit genießen zu können.
An der Erscheinung des Echos gefallen zu finden, fällt gerade bei der Steilwand im Gebirge nicht schwer. Heidnische Brauchtümer und die Andacht vor Großaltären sind weite Verwandte zum Spiel mit dem Widerhall. Damit der Gebirgstourismus nicht unnötig aufgehalten wird, und weil die Gondeln sowieso immer überfüllt sind, kann man hier in Linz der Erscheinung des Echos beiwohnen, ohne unbedingt die Strapazen des mühsamen Aufstiegs auf sich nehmen zu müssen. Man braucht nicht einmal gegen die Massen aus Granit, Kalk oder Schiefer zu brüllen - es kann auch geflüstert werden:
Wir wollen doch den Reigen der Nymphen nicht stören.
Ausführung:
Das Gebäude des Ausstellungshauses in Linz ist unser Bergmassiv.
Der angrenzende Platz sei das Tal.
Als Verbindung von Berg und Tal und zur Stimulierung eines Hochgebirgsgefühls dient eine Seilbahn im Modellmaßstab.
In der Talstation ist ein elektro-akustisches System installiert, welches Sprache aufzeichnen kann. Der Besucher kann in dieser Zeit seine persönliche "Message" auf die Gondel laden. Diese fährt langsam zur Bergstation (= oberstes Fenster des Ausstellungshauses), während eine zweite gegenläufig ins Tal kommt. Am Berg angelangt, gibt die Gondel die "Message" über ein Echogerät, Verstärker und Lautsprecher (im Inneren des Hauses installiert) wieder.
Die Besucher nehmen so aktiv am Kunstwerk teil, der öffentliche Platz wird zum ausgedehnten privaten, die Privatheit öffentlich erfahrbar.
Baumüller 99 |
Patrick Baumüller,* 1969 in Biel/Schweiz.
Übersiedelung nach Österreich 1975, lebt und arbeitet seit 1997 in Wien.
HTL in Innsbruck. Seit 1993 Studium an der Universität für künstlerische Gestaltung in Linz. Künstlerische Arbeiten in Österreich und U.S.A. (N.Y.) im Bereich Fotografie, Installation, Aktion. |