Olaf Arndt & Rob Moonen
Camera Silens
Begehbares Objekt 600 x 600 x 540 cm, Stahl, Holz
Akkustisches Dämmaterial, Überwachungskamera, Monitor, Glühbirnen

© Guido Kirsch, Freiburg 1994

Macht- und Kontrollverlust des Menschen durch Maschinen und der Einsatz von Technologien zur Gewährleistung einer so genannten „Inneren Sicherheit“ sind Themen der Arbeit von Olaf Arndt und Rob Moonen. In diesem Zusammenhang geht es ihnen auch um die Auseinandersetzung mit dem Schulterschluss von Forschung, Industrie und Staat im gemeinsamen Auftrag für Zivilisierung und Humanisierung.
Die Installation „Camera Silens“ ist 1994 entstanden und bezieht sich auf ein Forschungsprojekt am Universitätsklinikum in Hamburg Eppendorf, das im Jahr 1973 wegen heftiger öffentlicher Diskussionen eingestellt werden musste.
Der tschechische Psychiater Jan Gross und sein Mitarbeiter Peter Kempe hatten drei Jahre zuvor eine „Camera Silens“ (CS) in einem Raum des Fakultätsgebäudes eingerichtet, um dort unter den Bedingungen der totalen Entkoppelung vom natürlichen Umfeld Untersuchungen an gesunden Probanden und an Patienten des Psychiatrischen Krankenhauses über die Wirkung der „sozialen Isolation und sensorischen Deprivation“(SI/SD) durchzuführen.

Diese „Camera Silens“, die sich im wesentlichen als innen reflexionsarmer, und annähernd schalltoter Raum beschreiben lässt, wurde von den Künstlern Olaf Arndt und Rob Moonen nachgebaut, um auf Experimente zur völligen Kontrolle des menschlichen Bewusstseins zu verweisen.

Durch die Beziehung zum Thema der sensorischen Deprivation lassen sich sowohl Bezüge zur Isolationshaft der RAF-Gefangenen in den 70er und 80er Jahren, wie auch zu verschiedenen Methoden der Gehirnwäsche herstellen. Es wird auf die Möglichkeit verwiesen, das menschliche Gehirn im übertragenen Sinn als Festplatte zu verstehen, die gelöscht und wieder neu beschrieben werden kann.

Unterstützt von Mondriaan Stichting, NL

Olaf Arndt
geb. 1961 in Hannover (D), lebt und arbeitet in Berlin (D)
arbeitete zunächst im Bereich Performance, entwickelt Inszenierungen, die das Themenfeld Mensch - Maschine - Gesellschaft in brisanten, manchmal aggressiven Konstellationen zur Schau stellten. 1989 gründete er die Maschinenperformancegruppe BBM (Beobachter der Bediener von Maschinen).

www.bbm.de

Rob Moonen
geb. 1958 in Schaesberg, Niederlande, lebt und arbeitet in Tilburg [NL]
Rob Moonen entwickelt kontextbezogene Installationen mit unterschiedlichen Medien. Seine Werke werden als kritischer Kommentar zu einer aktuellen Situation entworfen.
http://www.robmoonen.nl/

 

Big Hope
Olaf Arndt & Rob Moonen
Michael Blum
Candice Breitz
Harun Farocki
Andrea Geyer
Gregor Graf
           
LIGNA
Marko Lulic
Oliver Ressler
Andrea van der Straeten
Silke Wagner
Mark Lombardi