Matt Mullican / USA
Psycho Architecture: Experiments in the Studio November 5th - 7th 2001
(useless motivation / shooting / playing with color and light / motivation / not waking up), 2001
Performances unter Hypnose, Projektion und Video auf Monitor
Courtesy: Künstler, New York
Produktion O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz / Casino Luxembourg - Forum d'art contemporain, Luxemburg

Untitled - Bulletin Board of Vintage Photographs, 1971-2001
122 x 244 x 6 cm
Courtesy: Mai 36 Galerie, Zürich / Klosterfelde, Berlin

Untitled - Bulletin Board of Working Database Material, 1995
122 x 244 x 6 cm
Courtesy: Mai 36 Galerie, Zürich / Klosterfelde, Berlin


 

 

Matt Mullican: Untitled - Bulletin Board of Vintage Photographs, 1971-2001
Foto: Saxinger

 

 

Die für die Ausstellung produzierten Hypnose-Performances "Psycho Architecture: Experiments in the Studio November 5th - 7th 2001, 2001" von Matt Mullican, welche als Videoaufzeichnungen und auf Monitoren präsentiert werden, wird die subjektive Weltkonstruktion thematisiert. Im Gegensatz zu seinen ersten Hypnose-Performances zu Beginn der 70er Jahre ('Drawing the Outline of My Family', 1973, CalArts, Valencia, Californien / 'Untitled (Entering the Picture)', 1973, Project Inc. in Boston / oder jener neueren Datums 'Pattern / Spa / Lecture', 1998, Festival a/d Werf, Utrecht) bezieht sich der Künstler zum erstenmal auf die Medien (Fernsehen, Licht, Musik, Literatur) um so ein Referenzfeld verschiedener Realitätseinflüsse abzustecken.
Im Gegensatz zur Hypnose in der Psychterapie behält in der Performance der Künstler die Kontrolle bzw. die Regie über vorweg abgesprochene Suggestionen. In der Hypnose, die hier mit einem Trancezustand vergleichbar ist, 'surft' der Künstler mental zwischen Wirklichkeiten und Fiktionen, zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, zwischen der realen Welt und dem von ihm über Jahre hinweg konstruierten kosmologischen Modell. Er kann sozusagen in die von ihm selbst geschaffenen Bilder eintreten und sie durchschreiten, ohne aber das Resultat dieses Ausfluges vorherzusehen. Der Künstler kann so die Identität von verschiedenen Personen annehmen, aber deren Eigenschaften oder Reaktionen nicht steuern. Wie Marianne Brouwer interessanterweise bemerkte, spielt sich die Performance unter Hypnose "nicht in einer messbaren Zeit, sondern in einer 'unbewohnten' Zeit außerhalb der Kausalität von heute, gestern und morgen ab". Unter dem experimentellen Einbezug verschiedener Medien erreicht Mullican somit auch den 'unbewohnten Ort'; in Trance erforscht er die Grenzen seines Ateliers, manipuliert Farben und Licht, nimmt zum ersten Mal unter Hypnoses selbst die Kamera in die Hand oder findet sich in der Person seiner 7jährigen Zwillingstochter (!) wieder. Er distanziert sich vom eigenen "Ich". Matt Mullican der Performer ist eine andere Person als Matt Mullican der Künstler.

Matt Mullican (°1951/USA, Santa Monica, Californien)